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Analysen - Marktberichte
12.08.2011
Europäische Börsen auf Wochensicht mit deutlichen Verlusten
Erste Bank

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Wien (aktiencheck.de AG) - Die europäischen Börsen beenden die Handelswoche mit deutlichen Verlusten von bis zu 10%, so die Analysten der Erste Bank.

Die Reaktion auf das Downgrading der US-Bonität, sich weiterhin eintrübende Konjunktur- und Gewinnaussichten und vor allem die Sorge um die Stabilität des französischen Bankensektors hätten für die stärksten Kursverluste seit 2008 gesorgt. Besonders schwach hätten sich Versorgeraktien (-9,9%), sowie Versicherungstitel (-9,5%) entwickelt.

Der Interbankenmarkt sei weiterhin in Schockstarre. Das Volumen der Einlagen bei der EZB sei auf mehr als EUR 140 Mrd. gestiegen. Es mangle weiterhin nicht an Liquidität, sondern vielmehr an Vertrauen. Der Aufkauf italienischer und spanischer Anleihen habe nur kurzfristig für Beruhigung gesorgt. Die fünfjährigen Credit Default Swaps für Frankreich würden bei 166 Punkten liegen, italienische CDS bei 368 Punkten.

Die Quartalszahlen würden sich weiterhin enttäuschend entwickeln. Diese seien zum ersten Mal seit Ende des Bärenmarkts 2009 insgesamt wieder unter den Konsenserwartungen und das Wachstum der Gewinne pro Aktie sei auf 7,8% (J/J) gesunken. Die Gewinnrevisionen würden sich weiterhin deutlich im negativen Terrain befinden.

Die ehemals "unverwundbaren" deutschen Versorger E.ON (ISIN DE000ENAG999/ WKN ENAG99) und RWE (ISIN DE0007037129/ WKN 703712) hätten die größten Verluste im DAX (ISIN DE0008469008/ WKN 846900) verbucht, beide hätten auf Wochensicht mehr als 20% verloren. E.ON habe enttäuschende Quartalszahlen gemeldet. Man wolle mit Stellenstreichungen und Standortschließungen darauf reagieren, habe es geheißen.

Auch RWE leide massiv unter dem Atomausstieg, bis Ende Dezember würden sich die Kosten auf EUR 1,1 Mrd. belaufen. Das Nettoergebnis sei mit EUR 2,5 Mrd. ausgewiesen worden, dies entspreche einem Minus in Höhe von 52%. Die Ergebnisprognose sei abgesenkt worden, man erwarte einen 20% niedrigeren Gewinn als 2010. Man möchte sich nun von Beteiligungen von bis zu EUR 11 Mrd. trennen, dazu würden u.a. die Öl- und Gastöchter sowie einige Kohle- und Gaskraftwerke zählen.

Zudem wolle man die Partnerschaft mit Gazprom (ISIN US3682872078/ WKN 903276) intensivieren. Des Weiteren plane man eine Kapitalerhöhung in Höhe von EUR 2,5 Mrd., die Gewinnverwässerung werde somit knapp 15% betragen. S&P und Fitch hätten zuletzt das langfristige Rating gesenkt und ihren negativen Ausblick bestätigt.

Klare relative Stärke habe Henkel (ISIN DE0006048432/ WKN 604843, VZ) gezeigt, nachdem überzeugende Zahlen präsentiert worden seien. Das Unternehmen habe ein Halbjahresplus von 5,1% auf 7,8 Mrd. beim Umsatz gemeldet. Das EBIT sei um 14,7% auf EUR 967 Mio. gestiegen. Die bereinigte EBIT-Marge habe bei 12,7% gelegen. SolarWorld (ISIN DE0005108401/ WKN 510840) habe einen Umsatzrückgang von 20% gemeldet, das operative Ergebnis sei um 30% auf EUR 40,2 Mio. gefallen. Besonders in Frankreich, Italien und Griechenland entwickle sich der Absatz deutlich schwächer als erwartet. Der Ausblick für das Gesamtjahr sei jedoch bestätigt worden.

Im Blickpunkt der Märkte stehe nun eine zunehmende Skepsis in Bezug auf italienische und insbesondere französische Banken. Anteilsscheine der Société Générale (ISIN FR0000130809/ WKN 873403) würden auf Wochensicht mehr als 20% einknicken. Einerseits habe die Großbank den Stresstest nur mit einem blauen Auge überstanden, andererseits hätten sich Gerüchte verbreitet, wonach die Bank vom Staat gerettet werden müsste.

Zudem belaste das mögliche Downgrade der französischen Bonität. Der Spread zwischen französischen und deutschen Anleihen liege nun bereits bei 0,9 Prozentpunkten und damit dreimal so hoch wie im Vorjahr. Auch das heurige Defizit von knapp 7% sorge für wenig Optimismus. Die Analysten würden ihre oftmals formulierte Skepsis bez. europäischer Bankaktien bestätigen. Eine baldige Beruhigung sei derzeit nicht abzusehen. Der Sektor zeige weiterhin relative Schwäche, das Chance/Risikoprofil scheine unattraktiv. (12.08.2011/ac/a/m)



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