|
Analysen - Nebenwerte
|
19.08.2002
Stratec fair bewertet
Baader Bank
|
www.optionsscheinecheck.de
|
Nach Ansicht der Analysten von Baader ist die Aktie von Stratec (WKN 728900) fair bewertet.
Der im SMAX notierte Laborgerätehersteller Stratec habe seinen Halbjahresbericht zum 30. Juni 2002 veröffentlicht. Demnach seien die Umsätze im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 9,3% auf 11,071 Mio. Euro und der Periodenüberschuss nach Steuern um 11,6% auf 365.000 Euro zurückgegangen. Sowohl im ersten als auch im zweiten Quartal hätten die Umsätze des Spitzenjahres 2001 nicht erreicht werden können.
Als Grund führe Vorstandsvorsitzender und Hauptaktionär (55%) Hermann Leistner unter anderem Plankorrekturen der Stratec-Kunden an. Die Forecasts hätten jedoch, so Leistner, ein überragendes zweites Halbjahr 2002 erwarten lassen. Im Vorjahr seien in der zweiten Jahreshälfte rund 55% des Gesamtumsatzes erzielt worden. Eine Revision der Planzahlen für 2002 sei nicht erfolgt. Stratec rechne älteren Angaben zufolge mit einem Umsatzplus von etwa 10%. Ergebnisschätzungen seien bislang nicht veröffentlicht worden.
Besonders positiv sei anzumerken, dass Stratec im Halbjahresbericht erstmals einen Einblick in ihren Auftragsbestand gewähre. Gegenwärtig lägen Entwicklungsaufträge in Höhe von 3,5 Mio. Euro und eine mittelfristige Abnahmevorschau von Kunden in Höhe von 14,5 Mio. Euro vor. Konkrete Umsatzprognosen auf Jahresbasis ließen sich daraus nicht ablesen.
Die Stratec Biomedical Systems AG mit Sitz in Birkenfeld bei Pforzheim sei 1979 von Hermann Leistner gegründet worden. Zunächst als Kleinunternehmen in der Elektronikbranche tätig, habe man 1987 mit der Entwicklung medizintechnischer Geräte begonnen. Mit über 120 Angestellten und zuletzt 27,4 Mio. Euro Jahresumsatz präsentiere sich die Gesellschaft heute als wachstumsstarkes Mittelstandsunternehmen mit international konkurrenzfähigen High-Tech-Produkten. Im August 1998 habe Stratec am Geregelten Markt debütiert. Ende November 2001 sei die Aufnahme in das Qualitätssegment SMAX erfolgt.
Stratec sei ein sogenannter Original Equipment Manufacturer (OEM) und entwickele vollautomatische Laborgeräte zum Einsatz in Krankenhäusern, Arztpraxen, Forschungseinrichtungen, in der Pharmaindustrie und in Biotechnologieunternehmen. Auftraggeber seien führende Diagnostika- und Life-Science-Unternehmen wie Dade Behring und Byk Sangtec, mit denen in der Regel ein Entwicklungs- und Produktionsvertrag abgeschlossen werde. Die serielle Fertigung der Geräte sei bislang an ein Partnerunternehmen ausgelagert. Die Geräte würden unter den jeweiligen Markennamen der Auftraggeber und über deren Vertriebsnetz auf den weltweiten Markt gelangen, zusammen mit den für die Analyse entsprechenden Reagenzien.
Zur Produktpalette würden in erster Linie Immundiagnostik-Geräte zählen, welche die biochemische und diagnostische Analyse von Flüssigkeiten wie Blut und Urin automatisieren würden. Dies seien leistungsstarke Pipettiergeräte sowie modular aufgebaute, softwaregesteuerte Systeme für Immuntests (RIA, LIA, ELISA). Die vielfältigen Einsatzbereiche würden Blutgruppenbestimmung, Genanalyse, Hormonbestimmung, Infektionsnachweis (z.B. AIDS), Krebserkennung, Schilddrüsendiagnostik, BSE-Bestimmung u.v.m. umfassen. Um den Aufwand für Forschung und Entwicklung möglichst effizient zu halten, habe Stratec in den vergangenen Jahren eine Reihe von Systemplattformen entwickelt, aus denen in relativ kurzer Entwicklungszeit betriebsfertige Produktserien nach Kundenwunsch hervorgingen.
Stratec habe nach dem Börsengang die gesetzten Wachstumserwartungen zunächst nicht erfüllen können und habe wiederholt die eigenen Planvorgaben bei Umsatz und Ergebnis verfehlt. Die Validierung, d.h. das Testen der Analysesysteme in Verbindung mit den chemischen Reagenzien, und die klinische Erprobung lägen jedoch beim Kunden und seien somit außerhalb des direkten Einflussbereichs der Gesellschaft. Dennoch sei Stratec immer in der Gewinnzone geblieben und habe sich ohne Personalabbau und größere Kapitalerhöhungen behaupten können.
Zum Ende des Geschäftsjahrs 2000 habe sich erstmals ein Umschwung abgezeichnet. Die hohen Aufwendungen für Forschung und Entwicklung der vorangegangenen Jahre hätten begonnen Früchte zu tragen. Der seit 1999 in der Phase der klinischen Erprobung befindliche Automat TANGO habe endlich in Serienfertigung gehen können. Ebenso habe ein im Auftrag von Dade Behring entwickeltes 4PS-ELISA-Analysegerät (BEP 2000) die Marktreife erlangt. Im Geschäftsjahr 2001 habe sich der positive Trend fortgesetzt. Stratec habe mit einem bemerkenswerten Umsatzsprung von 146% auf 27,4 Mio. Euro die eigenen Planzahlen übertroffen.
Zulegen können habe man auch hinsichtlich der Rentabilität (Jahresüberschuss 2001 nach IAS: 864.000 Euro), wenngleich diese vom Niveau der Jahre 1997 und 1998 noch weit entfernt liege. Durch eine Barkapitalerhöhung im 1. Quartal 2002 habe sich die Eigenkapitalquote auf knapp 48% zum 31. März 2002 verbessert. Unter Ausschluss des Bezugsrechts seien 299.900 junge Aktien bei institutionellen Anlegern platziert worden, wodurch dem Unternehmen brutto 2 Mio. Euro zugeflossen seien. Die Mittel sollten ausschließlich in die Forschung und Entwicklung neuer Produkte investiert werden. Im April habe Stratec den Abschluss eines langfristigen Vertrags mit Bayer Diagnostics, USA, dem weltweit viertgrößten Diagnostika-Hersteller gemeldet. Die Analysten würden diesem Vertrag eine Schlüsselrolle für das angestrebte nachhaltige Wachstum von Stratec beimessen.
Als KGV auf Basis des Gewinns der vergangenen vier Quartale (Trailing Earnings) errechne sich ein Wert von 23. Endlich erfüllt habe die Gesellschaft einen langgehegten Wunsch der Aktionäre: der neue Internet-Auftritt biete ausführliche, deutschsprachige Informationen und ermögliche ein tieferes Verständnis des Marktes und des Geschäftsmodells.
Mit einem aktuellen Kurs von knapp unter 6 Euro halten die Analysten von Baader die Stratec-Aktie zum jetzigen Zeitpunkt für fair bewertet.
|