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Analysen - DAX 100
11.08.2011
LEONI eingepreistes Rezessionsszenario unrealistisch
Montega AG

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Hamburg (aktiencheck.de AG) - Hendrik Emrich, Analyst der Montega AG, stuft die Aktie von LEONI (ISIN DE0005408884/ WKN 540888) weiterhin mit "kaufen" ein.

LEONI habe gestern seinen H1-Bericht veröffentlicht und die bereits Ende Juli gemeldeten Eckdaten in einer Telefonkonferenz erläutert. Die wichtigsten Punkte seien hierbei gewesen:

- Top-Line: Umsatzanstieg in Q2 auf rund 944 Mio. Euro (+26% ggü. Vj.). H1-Umsatz sei um ca. 32% (ggü. Vj.) auf einen Rekordwert von 1,9 Mrd. Euro gestiegen.

- Ergebnis: Das EBIT habe in Q2 bei 68 Mio. Euro (Marge: 7,2%) gelegen, in H1: 129 Mio. Euro (ggü. 67 Mio. Euro im Vj.). Hierbei sei zu beachten, dass die um den Kupferpreisanstieg adjustierte Marge sogar 7,6% betragen habe, da sich dieser zwar positiv auf den Umsatz auswirke, aber eine leichte Verwässerung für das Ergebnis bewirke. Bereinigt um einen Einmalaufwand (Neubewertung PPA und Impairment) habe die Q2-Marge sogar beachtliche 8,3% betragen.

Insgesamt handle es sich um exzellente H1-Zahlen und der Vorstand habe bekräftigt, dass keinerlei Abschwächung der extrem starken Automobilnachfrage zu verzeichnen sei (höchstes Momentum in China und Russland). Aufgrund der vollen Auftragsbücher und der dynamischen Auftragseingänge habe LEONI eine Visibilität seiner Kundenorders von zwei bis drei Monaten. Auf Basis der in den Verträgen mit den OEMs verankerten Preisgleitklauseln sei das Unternehmen zudem von Rohstoffschwankungen unabhängig.

Im Rahmen der jüngsten Börsenturbulenzen habe die generell sehr volatile LEONI-Aktie in der Spitze 40% ihres Wertes verloren. Wenngleich dieser Kurssturz nicht fundamental erklärbar sei, hätten die Analysten doch versucht zu verstehen, welches Szenario der Markt bei LEONI einpreise.

Aktuell preise der Markt ein Rezessionsszenario ein, ähnlich gravierend wie 2009, als der Umsatz um 26% auf 2,2 Mrd. Euro zurückgegangen sei und ein operativer Verlust von 116 Mio. Euro erzielt worden sei. Die Analysten hätten ein Bewertungsmodell simuliert, in dem der Umsatz in 2012 um 20% und 2013 um weitere 10% einbreche, also stärker als in der Finanzkrise vor gut zwei Jahren. Zudem hätten sie einen unrealistischen operativen Verlust von 32 Mio. Euro in 2012 unterstellt, gepaart mit einer extrem langsamen Erholung der Margen, die bis 2016 nicht mehr das aktuelle Niveau erreichen würden. Nach der letzten Krise habe LEONI nur zwei Jahre gebraucht, um nach dem hohen Verlust in 2009 wieder Rekordmargen zu erzielen. Insgesamt scheine dieses Szenario aus den folgenden Gründen unrealistisch:

1. LEONI habe in der letzten Krise massiv restrukturiert und den Break-Even deutlich gesenkt (auf ein Umsatzniveau von ca. 2,1 Mrd. von zuvor ca. 2,8 Mrd. Euro).

2. Die Automobilkonjunktur 2009 sei nicht mit der aktuellen vergleichbar. Die Lager seien damals voll gewesen, es hätten über Jahre hohe Überkapazitäten im Markt geherrscht und die Nachfrage habe sich damals quasi "über Nacht" verabschiedet.

3. Ausgehend von einem Umsatz von 3,6 bis 3,7 Mrd. EUR in 2011, der aufgrund der Visibilität gesichert zu sein scheine, würden die Analysten einen drastischen Umsatzrückgang nicht zuletzt aufgrund der stärkeren regionalen Diversifikation für höchst unwahrscheinlich halten. Während LEONI 2009 in China noch einen Umsatz von 160 Mio. Euro erzielt habe, liege dieser in 2011 bereits bei über 300 Mio.

4. Kein direktes Exposure bei amerikanischen OEMs wie Ford (ISIN US3453708600/ WKN 502391) und General Motors (ISIN US37045V1008/ WKN A1C9CM). LEONI wäre nur indirekt über die Nordamerika-Exporte deutscher Hersteller betroffen.

Aufgrund der aufgeführten Argumente würden die Analysten das aktuell gespielte Rezessionsszenario für völlig unrealistisch halten. Es würden keinerlei fundamentale Gründe für den Kursrutsch vorliegen und die Analysten würden damit rechnen, dass sich die Bewertungslücke (die LEONI-Aktie notiere mittlerweile bei einem KGV von 6 bis 7) zügig schließe.

Auf Basis eines unveränderten Kursziels von 48 Euro bekräftigen die Analysten der Montega AG ihre Kaufempfehlung für die LEONI-Aktie. (Analyse vom 10.08.2011) (11.08.2011/ac/a/d)



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