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Analysen - Marktberichte
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29.07.2011
Aktienmarkt kurzfristig moderate Kursschwäche erwartet
Postbank Research
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Bonn (aktiencheck.de AG) - Die Berichtssaison der Unternehmen beiderseits des Atlantiks zum Geschäftserfolg im 2. Quartal 2011 ist zwar seit Anfang Juli angelaufen. Für viele Investoren hätten die vorgelegten Zahlen und die präsentierten Geschäftsausblicke aber scheinbar nur eine Randnotiz dargestellt, so die Analysten von Postbank Research.
Die "Musik" habe immer noch auf dem Parkett der Staatsfinanzen der Peripherieländer der Eurozone sowie der USA gespielt. Mittelfristig könnten die Brisanz, und damit auch die marktbeherrschende Dominanz, der Schuldenthematik beiderseits des Atlantiks nachlassen. Dies dürfte zuerst in den USA der Fall sein. Hier müsse bis Anfang August ein belastbarer Konsens von Präsident sowie Senat und Kongress gefunden sein. Dies sollte nach Einschätzung der Analysten gelingen.
In Euroland müssten die kommenden Wochen zeigen, ob die am 21. Juli in Brüssel gefassten Beschlüsse zur Bewältigung von Staatsschuldenkrisen umgesetzt werden könnten. Mit der Kurserholung euroländischer Bankaktien im Umfeld der Beschlussfassung hätten die Investoren zumindest vorerst für eine erfolgreiche Umsetzung der Beschlüsse votiert. Sobald eine Lösung beider Schuldenthemata absehbar sei, sollte sich das Augenmerk der Investoren wieder den üblichen Fakten zur Bewertung der Märkte, Unternehmensbilanzen und -ausblicke sowie Konjunkturerwartungen richten.
Traditionell habe Alcoa (ISIN US0138171014/ WKN 850206), der US-Aluminiumkonzern, mit der Veröffentlichung seiner Quartalsbilanz den Beginn der Berichtssaison eingeläutet. Bis gestern, dem 26. Juli, hätten zwei Fünftel der im S&P 500 (ISIN US78378X1072/ WKN A0AET0) notierten Firmen ihre Quartalsbilanzen vorgelegt und ihre Geschäftserwartungen für den weiteren Jahresverlauf präsentiert. Auf den ersten Blick falle das Fazit positiv aus. Denn fast drei Viertel der Unternehmen hätten die Gewinnprognosen der Analysten übertreffen können und 80% hätten eine Verbesserung des Quartalsergebnisses im Vergleich zum Vorjahresquartal ausgewiesen.
Der Blick ins Detail offenbare aber erste Schwächen. Die Zahl der Unternehmen, denen die Rückkehr in die Gewinnzone im abgelaufenen Quartal gelungen sei, sei nur noch genauso groß, wie die der Firmen, die in die Verlustzone gerutscht seien. Dies sei nach Einschätzung der Analysten ein erstes Warnsignal. In der Analyse der letzten 20 Jahre habe eine Mehrzahl an Firmen, die in die "roten Zahlen" im Vergleich zu denen geraten seien, welchen die Rückkehr in die "schwarzen Zahlen" gelungen sei, meist eine Schwächephase der Börse angekündigt.
In Europa hätten die Quartalsbilanzen sogar schon auf den ersten Blick enttäuscht. Deutlich weniger als die Hälfte der Unternehmen habe die Gewinn- und/oder Umsatzprognosen der Analysten übertreffen können. Anteilig sei dies nur 45% bzw. 44% der STOXX 600 (ISIN EU0009658202/ WKN 965820)-Firmen gelungen, die schon ihr Zahlenwerk präsentiert hätten. Dies seien jeweils die niedrigsten Werte in unserer Historie seit Anfang 2005. Natürlich müsse berücksichtigt werden, dass bisher nur rund 10% der im Index notierten Firmen berichtet hätten.
Allerdings sei in der jüngeren Historie der endgültige Anteil der Unternehmen, der die Gewinn- bzw. Umsatzprognosen geschlagen habe, stets nur geringfügig vom ersten Trend abgewichen. Oft sei der endgültige Wert sogar niedriger ausgefallen, als der in den ersten Wochen ermittelte. Eine ausreichende Aussagekraft sei nach Ansicht der Analysten daher auch in einer so frühen Phase der Berichtssaison durchaus gegeben.
Allerdings habe eine zunehmende Zahl an Firmen zwar gute bis hervorragende Quartalszahlen gezeigt, ihren Geschäftsausblick für den weiteren Jahresverlauf hätten sie aber eher vorsichtig skizziert. Dies treffe sowohl auf Unternehmen aus der Alten als auch der Neuen Welt zu. Bei diesen Firmen handle es sich um Weltmarktführer oder Unternehmen, die zu den weltweit größten ihrer Branche zählen würden. Beispielsweise Caterpillar (ISIN US1491231015/ WKN 850598), der weltgrößte Hersteller von Bau- und Bergbaumaschinen, sehe sich neben steigenden Kosten auch mit einer abflauenden Nachfrage aus China konfrontiert.
Die international renommierten Logistiker United Parcel Service (UPS) (ISIN US9113121068/ WKN 929198) aus den USA und Kühne+Nagel (ISIN CH0025238863/ WKN A0JLZL) aus der Schweiz hätten unisono über eine verringerte Wachstumsdynamik in wichtigen Märkten berichtet und würden in Anbetracht der jüngst schwächeren Konjunkturdaten eine gewisse Verunsicherung bei ihren Kunden erkennen, die die eigene Geschäftsentwicklung im weiteren Jahresverlauf bremsen könnte.
Nicht nur, dass die Geschäftsausblicke vieler Firmen zunehmend vorsichtiger würden. Viele Frühindikatoren bzw. deren Erwartungskomponenten rund um den Globus scheinen ihren Höhepunkt im laufenden Konjunkturzyklus überschritten zu haben, so die Analysten von Postbank Research. Dies sei nicht der Stoff, aus dem steigende Aktienkurse gemacht würden. Die Börsenampel stehe nach Ansicht der Analysten auf dunkelgelb bis hellrot.
Der Blick auf die Kursentwicklung der Halbleiteraktien in den USA, die im Philadelphia Semiconductor-Index (Philad. SOX) zusammengefasst seien, sei ein weiteres Warnsignal. Sein Hoch habe der Index schon Mitte Februar 2011 gesehen. Seitdem befinde er sich, anders als der Gesamtmarkt, in einem Abwärtstrend. Da Halbleiter heute in den vielfältigsten Produkten eingesetzt würden, könne eine Schwäche bei Halbleiteraktien auf eine Beruhigung der Wirtschaftstätigkeit hinweisen. Alle Punkte zusammen betrachtet, würden die Analysten daher kurzfristig einen Kursrückgang von rund 10% bei den von ihnen analysierten Indices erwarten.
In Anbetracht des insgesamt weiter positiven Gewinn- und Umsatztrends bei der Mehrzahl der Firmen beiderseits des Atlantiks dürften sich die Kurse im späteren Jahresverlauf wieder erholen. Mitte nächsten Jahres sollten die Indices die Kursrückgänge wieder aufgeholt haben. (Perspektiven August 2011) (29.07.2011/ac/a/m)
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