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Analysen - DAX 100
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27.06.2011
ElringKlinger Roadshow unterstreicht Potenziale der neuen Geschäftsbereiche
Montega AG
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Hamburg (aktiencheck.de AG) - Hendrik Emrich, Analyst der Montega AG, bestätigt seine Kaufempfehlung für die Aktie der ElringKlinger AG (ISIN DE0007856023/ WKN 785602).
Auf der Roadshow der Analysten mit ElringKlinger habe das Unternehmen sowohl einen Überblick über die aktuelle Entwicklung in den angestammten Geschäftsbereichen (Zylinderkopfdichtungen, Abschirmteile, Spezialdichtungen etc.) als auch über die E-Mobility Aktivitäten gegeben. Die wichtigsten Aspekte seien hierbei aus Sicht der Analysten:
Steigender Marktanteil bei Dichtungen garantiere nahezu Vollauslastung: Die Auslastung im Stammwerk Dettingen liege aktuell bei mehr als 90% dank des anhaltend hohen Marktanteils im Bereich Dichtungen von 43-44%. Letzterer dürfte durch die Übernahme des Flachdichtungsbereichs von Freudenberg (gut bei französischen OEMs positioniert) noch weiter ansteigen. ElringKlinger profitiere als fokussierter Nischenanbieter überdurchschnittlich von den oligopolistischen Marktstrukturen. Einzig die deutlich größeren US-Zulieferer Dana und Federal Mogul seien global als ernstzunehmende Wettbewerber anzusehen, die jedoch ihren Fokus nicht auf das Dichtungsgeschäft legen würden.
Trend zum Engine Downsizing halte an: Aufgrund immer restriktiverer Umweltauflagen (bspw. seien ab 2013 auch im mittlerweile größten Automobilmarkt der Welt China nur noch Euro 5 vergleichbare Motoren zugelassen) würden die Motoren immer kleiner und somit verbrauchsärmer. Aufgrund des schrumpfenden Hubraums und der geringeren Anzahl von Zylindern würden die kompakteren Aggregate vermehrt mit Turboladern ausgestattet, um mindestens die gleichen Leistungsdaten wie die Vorgänger zu erzielen. Hierdurch müssten die Motoren auf weniger Platz immer höheren Temperaturen und Einspritzdrücken standhalten, so dass mehr Dichtungen benötigt würden, an die zudem höhere Anforderungen gestellt würden. ElringKlinger dürfte aufgrund der führenden Expertise in den Bereichen Kunststoff, Stahl und Werkzeugbau und der globalen Aufstellung der Gewinner des gestiegenen Innovationsdrucks im Dichtungs- und Abschirmbereich sein.
Gefestigte Marktstellung in China: Mit mittlerweile zwei großen Werken in China mache die Region bereits knapp 10% des Konzernumsatzes aus. Hierbei profitiere ElringKlinger von der mangelnden Expertise der lokalen chinesischen Supplier (z.B. im Stanzen von Metallen) und der Tatsache, dass man bereits seit 1992 in China präsent sei. Insofern würden neben den europäischen Transplants auch mit dem chinesischen OEMs (Geely, Dongfeng etc.) ein nennenswertes Geschäftsvolumina abgewickelt. Nicht zuletzt aufgrund der basisbedingt nachlassenden Wachstumsdynamik der chinesischen Zulassungszahlen (nach zweistelligen Zuwachstraten in der Vergangenheit) dürfte ElringKlinger künftig seinen Fokus auch auf nachkommende ASEAN-Staaten wie Thailand (hoher Anteil an Mittelklassefahrzeugen), Malaysia und Indonesien richten.
Hybridmotoren weiter auf dem Vormarsch: Dank des frühzeitigen Engagements im E-Mobility-Bereich (Brennstoffzellen und Lithium-Ionen-Batterie) habe ElringKlinger bereits einen großen Auftrag über Zellkontaktierungssysteme mit BMW (ISIN DE0005190003/ WKN 519000) vermelden können (Umsatzvolumen ca. 50 Mio. über 4 Jahre). Die Dimension des Geschäftspotenzials zeige sich allein daran, dass typische Einzelaufträge im Dichtungsbereich ein Volumen von 2-3 Mio. Euro hätten. BMW habe die Kontaktierungssysteme von ElringKlinger für rd. 10.000 Hybridfahrzeuge geordert, da immer mehr Fahrzeugtypen neben einem Verbrennungsmotor künftig auch über einen Elektromotor verfügen würden (X6, 7er, 1er etc.). Die Analysten würden die Wahrscheinlichkeit als hoch einschätzen, dass mittelfristig weitere Zellkontaktierungsaufträge hinzukommen würden, mutmaßlich auch von Volumenherstellern wie PSA (ISIN FR0000121501/ WKN 852363). Da sich hier die typische Motorenplattform auf 300-400 Tsd. Einheiten belaufe, dürfte ElringKlinger hier künftig signifikante Zusatzerlöse generieren, die in den Planungen der Analysten aufgrund der geringen Visibilität jedoch noch nicht berücksichtigt worden seien.
Bedrohung durch gestiegene Materialkosten schwäche sich ab: Der Großteil der von ElringKlinger bezogenen Rohmaterialien beziehe sich auf die folgenden vier Gruppen: Edelstahl (insgesamt kämen bei ElringKlinger 29 Stahlarten zum Einsatz), Aluminium (v.a. für Hitzeschilde); Kunststoffgranulate (z.B. für Dichtungen, Abschirmteile) Nickel (preisbedingt hoher Wertanteil im Dichtungsbereich).
Nach Angaben des Unternehmens könnten höhere Materialkosten i.d.R. mit zeitlichem Verzug an die OEMs weitergegeben werden. Dies geschehe jedoch nicht - wie bei vielen Automobilzulieferern - über Preisgleitklauseln sondern über Ausgleichszahlungen. Dennoch würden die Analysten insbesondere den deutlichen Preisrückgang bei Nickel in Q2 (notiere aktuell rd. 25% unter seinem Hoch aus Q1/2011) als vorteilhaft für die Ergebnisentwicklung von ElringKlinger ansehen. Insgesamt würden sie in 2011 lediglich mit einer marginalen Erhöhung der Umsatzkostenquote von 70% in 2010 auf 71% in 2011 rechnen.
Oberes Ende der Guidance angepeilt: Nach Aussagen des Unternehmens im Rahmen der Roadshow würden die Analysten es für wahrscheinlich halten, dass ElringKlinger für das GJ 2011 eher das obere Ende der Umsatzguidance (5-7% organisches Wachstum ggnü. 2010) erreichen werde. Zudem werde in 2011 ein Umsatzbeitrag von rd. 50 Mio. Euro von Freudenberg und rd. 36 Mio. Euro im Rahmen der jüngsten Übernahme von Hug konsolidiert, so dass die Analysten ihre Umsatzschätzung für 2011 um rd. 3% nach oben angepasst hätten. Die Wachstums- und Margenerwartungen für die Folgejahre hätten sie unverändert gelassen (Top Line 2012e: 7%, 2013e: 5,5%, 2014e: 4,0%), so dass sich ab 2011 auch die Umsatz- und Ergebnisschätzungen dementsprechend leicht erhöhen würden.
Auch das zweite Quartal habe hinsichtlich des Abrufverhaltens der OEMs gegenüber den ersten 3 Monaten 2011 keinerlei Abschwächungstendenzen gezeigt. Positiv seien auch die Ankündigungen der meisten deutschen OEMs, dass die Werksferien in der Sommerpause aufgrund der anhaltend florierenden Fahrzeugnachfrage auch in 2011 ausfallen würden. Derzeit würden für gängige Fahrzeugmodelle Lieferzeiten von teilweise über 6 Monaten existieren. Aufgrund der Tatsache, dass ElringKlinger von den Produktionsvolumina bzw. der Anzahl der produzierten Motoren abhängig sei, werde dies auch die Geschäftsentwicklung in Q3 positiv beeinflussen.
Die von vielen Marktteilnehmern als zu ambitioniert angesehene KGV-Bewertung liege aktuell unter dem historischen P/E der Aktie von 19 (letzte 10 Jahre). Aufgrund der wieder steigenden Profitabilität (EBIT-Marge dürfte nach dem akquisitorischen Verwässerungseffekten wieder auf 16-17% zulegen) und des deutlich rückläufigen CapEx-Niveaus in 2011 (solle von rd. 135 Mio. Euro in 2010 auf 95-100 Mio. in 2011 zurückgehen; Montega-Schätzung: 103,5 Mio. Euro) dürften die Free Cash Flows in den Folgejahren auf 7-10% des Umsatzes ansteigen.
Angesichts der weiterhin ungetrübt guten Nachfragesituation und der aus Sicht der Analysten der Montega AG geringen Wahrscheinlichkeit eines deutlichen Rückschlags der Geschäftsentwicklung in Asien, belassen sie ihre Empfehlung für die ElringKlinger-Aktie bei einem unveränderten Kursziel von 27,00 Euro auf "kaufen". (Analyse vom 27.06.2011) (27.06.2011/ac/a/d)
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