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Analysen - Ausland
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02.08.2002
ICI halten
Bankgesellschaft Berlin
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Der Analyst Oliver Günter von der Bankgesellschaft Berlin empfiehlt derzeit, die Aktien der ICI (WKN 860006) zu halten.
Das Ergebnis des zweiten Quartals habe in den Kerngeschäften ("Internationale Geschäfte") unter den Erwartungen gelegen. Der Hauptschuldige hierfür sei Quest gewesen, wo der Gewinn deutlich - aber hoffentlich nur vorübergehend - eingebrochen sei. Insgesamt habe das Vorsteuerergebnis dank einer Erholung in den "Regionalen & Industriellen Geschäften" und einiger außerordentlicher Erträge im Rahmen der Erwartungen gelegen. Der Umsatz sei um 5,9% gegenüber Q1 und um 1,7% im Jahresvergleich (+3% auf vergleichbarer Basis) gestiegen. Haupttreiber sei starkes Wachstum in Asien und im Bereich "Electronic & Engineering Materials" (+12%) gewesen. Das Wachstum habe sich im Verlauf des Quartals beschleunigt.
Trotz der guten Performance in den meisten Bereichen habe das EBITA gegenüber Q1 stagniert. Dies sei ausschließlich auf den Bereich "Starch" (Stärke) zurückzuführen, wo die Bruttomarge aufgrund gestiegener Rohstoffpreise unter Druck geraten sei. Zudem sei das Geschäft mit industrieller Stärke in den USA (hauptsächlich mit der Papierindustrie) schwach gewesen. Das Management von ICI glaube, daß sich die Preise für nachwachsende Rohstoffe wieder abschwächen werde. Zusammen mit einer insgesamt guten Auftragslage sei der Ausblick für die Ergebnisentwicklung relativ positiv.
Für den Gewinneinbruch hätte es zwei Gründe gegeben. Erstens seien die Umsätze mit Duftstoffen für Textilien und Haushaltsprodukte deutlich rückläufig gewesen. Dies sei auf eine vorübergehende Schwäche bei den Bestellungen zurückgeführt worden. Das Unternehmen habe allerdings keine wichtigen Kunden verloren. Basierend auf dem Auftragseingang für Juli und den von den Kunden für H2 geplanten Produkteinführungen sei das Management für H2 optimistisch. Das Ergebnis in diesem Bereich solle sich nicht nur im Vergleich zum gedrückten Q2-Niveau, sondern auch im Vorjahresvergleich verbessern. Zweitens seien die Umsätze mit der Nahrungsmittelindustrie in Europa wegen Produktionsproblemen am wichtigen Standort in Naarden schwächer ausgefallen. Die Probleme seien durch Schwierigkeiten bei der Einführung einer neuen SAP-Software für Supply Chain Management verursacht worden. Insgesamt habe dies ICI in Q2 4 Mio. GBP gekostet. Inzwischen laufe die Produktion wieder normal. Allerdings erwarte ICI für H2 weitere Belastungen von 10 Mio. GBP, die auf das Abarbeiten der aufgestauten Aufträge zurückzuführen sei.
Q2 war sei ein starkes Quartal gewesen in bezug auf den Umsatz, der um 11% im Vergleich zu Q1 und um 4% gegenüber dem Vorjahr zulegen konnte. Uniqema habe den Gewinn dank höherer Mengen und leicht gestiegener Glycerin-Preise deutlich verbessern können. Auch Synetix habe eine gute Mengennachfrage verzeichnet. Allerdings sei der Gewinn aufgrund gestiegener Investitionen in Vertrieb und F&E gefallen. Die Verhandlungen für den Verkauf dieser Einheit lägen im Plan.
Das Geschäft mit Farben sei insgesamt relativ stabil verlaufen, wobei eine gute Entwicklung in Asien (Umsatz knapp +10%) die anhaltenden Schwierigkeiten in Lateinamerika (-17%) kompensiert habe. Der operative Gewinn sei dank Kosteneinsparungen in den USA und Wachstums in Asien um 7% gestiegen. Seit der Q1-Berichterstattung seien zwei weitere Klagen gegen die US-Tochter Glidden, bei denen es um bleihaltige Farben ging, abgewiesen worden. Bei noch sieben anhängigen Fällen erscheine das Risiko größerer Schadenersatzzahlungen überschaubar.
Der Analyst der Bankgesellschaft Berlin denke, daß ICI dank eines stabilen operativen Umfelds und der wahrscheinlichen Erholung bei Duftstoffen in Q3 weiterhin eine insgesamt solide Entwicklung verzeichnen werde. Man schätze, daß der operative Gewinn gegenüber Q2 leicht zulegen werde. Man halten die heftige Kursreaktion auf die Enttäuschung bei Quest für überzogen. Erstens denke man, daß die Probleme vorübergehender Natur seien. Zweitens entfalle auf Quest nur rund 20% des gesamten Unternehmenswertes, so daß die Auswirkungen relativ begrenzt seien.
Man halte 310 pence für eine vernünftige Schätzung des "fairen Werts" der ICI-Aktie. Gegenwärtig notiere die Aktie rund 10% unter diesem Niveau. Angesichts der Tatsache, daß die Gewinnentwicklung von ICI stabil, aber nicht gerade aufregend sei und daß der Abschlag in Einklang mit der Bewertung anderer europäischer Chemieaktien stehe, bleibe die Empfehlung unverändert: "sector performer/halten".
Die Analysten der Bankgesellschaft Berlin empfehlen daher, die Aktie der ICI zu halten.
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