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Analysen - Ausland
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29.10.1999
Lloyds Outperformer
Hamburgische LB
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www.optionsscheinecheck.de
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Die Analysten der Hamburgischen Landesbank raten dem Anleger derzeit zum Kauf von Aktien des Versicherungskonzerns Lloyds TSB Group (WKN 871784).
Im Juni habe die Lloyds TSB Group die Übernahme der Scottish Widow bekanntgegeben. Scotish Widow sei mit 1,9 Mio. Policen und einem verwalteten Vermögen von 33,7 Mrd. ₤ der sechstgrößte Lebensversicherer in Großbritannien. Durch die 7 Mrd. ₤ teure Akquisition steige die Lloyds TSB Group zum zweitgrößten Anbieter von Lebensversicherungen, Fondsanteilen und Altersvorsorgeprodukten im britischen Markt auf. Zugleich schließe sie die Lücke im Vermögensmanagement mit einer traditionsreichen Gesellschaft, die mit ihrem bekannten Markennamen auch weiterhin am Markt tätig sein werde. Für die nächsten drei Jahre würden im Zuge des Zusammenschlusses Kostensynergien von 60 Mio. ₤ erwartet. Das Einsparpotential sei nicht größer, weil sich die Unternehmen gut ergänzten und somit nur wenige Überschneidungen aufweisen würden. Die Lloyds TSB Group sei bisher stärker auf das Retail Banking fokussiert gewesen. Sie werde durch den Kauf der Scottish Widow ihre Produktpalette nunmehr in Richtung Vermögensverwaltung ausbauen.
Das kräftige Inlandsgeschäft habe den Vorsteuergewinn im 1. Halbjahr 1999 um 45% auf 1.853 Mio. ₤ anwachsen lassen. Dabei seien die Rückstellungen für Fehlberatungen bei Lebensversicherungen in Höhe von 400 Mio. ₤ berücksichtigt worden. Gehe man vom bereinigten Halbjahresergebnis 1998 aus, erhöhe sich der Vorsteuergewinn immerhin um 16%. Besonders stark habe sich das sehr effiziente Hypothekengeschäft mit einer Cost-Income-Ratio von nur 20% entwickelt. Dort habe man das Ergebnis um 35% auf 469 Mio. ₤ verbessert. Die Risikovorsorge sei trotz einer Reduzierung in Brasilien (von 83 Mio. ₤ auf 55 Mio. ₤) aufgrund der verschlechterten Bonitätslage bei Privatkunden um 18% auf 315 Mio. ₤ aufgestockt worden.
Nach dem Zusammenschluss der Lloyds Bank mit der schottischen TSB Group im Jahr 1995 hätten die Filialen der TSB Group aufgrund eines Rechtsstreits zunächst nicht unter dem Lloyds-Logo geführt. Deshalb sei der Integrationsprozeß zur Schaffung einer corporate identity für die 2400 Filialen erst in diesem Jahr umgesetzt worden. Der sei nicht nur für den Öffenlichkeitsauftritt von Bedeutung, sondern auch für die Vereinheitlichung des IT-Systems.
Die Unternehmenspolitik werde sich auch künftig nach dem Shareholder-Value-Prinzip ausrichten. Im Halbjahresvergleich sei die Cost-Income Ratio von 46,5 auf 42,7% verbessert worden. Insgesamt weise die Gruppe Synergien durch die Verschmelzung in Höhe von 370 Mio. ₤ aus. Damit sei das Ziel, im laufenden Jahr eine Kosteneinsparung von 400 Mio. ₤ zu realisieren, erreichbar. Fortschritte habe man auch bei der Reduzierung der Verwaltungskosten erzielt. Sie sei um 2% auf 1,675 Mrd. ₤ zurückgeführt worden. Ein Grund dafür sei die Rückführung der Personalkosten. Hier bestehe noch weiteres Einsparungspotential, weil die neuen, weniger personalintensiven Distributionskanäle des Konzerns Telefon-Banking und Internet-Banking, noch ausbaubar seien. Im Bereich Telefon-Banking verfüge man derzeit über 1,3 Mio. Kunden und sei damit einer der größten europäischen Anbieter.
Die Hauptzielrichtung für weitere Akquisitionen liege in Großbritannien, doch man sei durchaus bereit, auch im Ausland zu kaufen. Im Inland werde die Suche durch den hohen Marktanteil der Gesellschaft erschwert. Denn als größte Privatbank auf der Insel dürfte die Lloyds TSB Group für große Zukäufe keine Zustimmung von der Genehmigungsbehörde erhalten, heißt es. Deshalb richte sich ihr Interesse auf kleinere und mittlere Institute. Aufgrund der hohen Eigenkapitalrendite von Lloyds in Höhe von 33% seien die Anforderungen an mögliche Übernahmekandidaten allerdings entsprechend hoch. Aufgrund des niedrigen KGVs von 14,2 und der guten Ertragsperspektiven haben die Anlagestrategen ihr Rating auf market outperform bestätigt.
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