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Analysen - DAX 100
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29.12.2010
Beiersdorf neue Bescheidenheit bei den Hanseaten
SRH AlsterResearch
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www.optionsscheinecheck.de
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Hamburg (aktiencheck.de AG) - Carsten Mainitz und Oliver Drebing, Analysten von SRH AlsterResearch, stufen die Aktie von Beiersdorf (ISIN DE0005200000/ WKN 520000) weiterhin mit "kaufen" ein.
Die Abstriche, die Beiersdorf dieser Tage an den Ambitionen zu Wachstum und Marge habe vornehmen müssen, würden Defizite der bisherigen Ausrichtung des des Wettbewerbs falle Beiersdorf zurück. Weder für 2010 noch für 2011 würden die revidierten Plandaten den aus einer langen Erfolgshistorie erwachsenen Ansprüchen genügen. Sorgen- statt Lachfalten würden bis auf weiteres auch das China-Engagement begleiten. Zudem irritiere die Fluktuation im Top-Management nach außen, wohl aber auch nach innen hinein.
Auf die Enttäuschungen im Segment Consumer würden die Analysten mit einer deutlichen Reduzierung der Prognosen reagieren. Die aktualisierte Bewertungsanalyse lasse eine Kurszielformulierung nur noch bis 45 EUR (alt: 50 EUR) zu. Dazu hätten die Analysten die DCF-Bewertung unter der zuversichtlichen Annahme einer langfristig erzielbaren EBIT-Marge von 13% (auf Basis der ab 2011 geltenden Rechnungslegung) modelliert; ein über die Marke von 45 EUR hinausreichender Bewertungsspielraum ergäbe sich in der Modellrechnung bei Einbeziehung des tatsächlich beobachteten Beta-Faktors unterhalb von 0,7.
Aus der relativen Bewertung (Peer-Group mit Henkel (ISIN DE0006048432/ WKN 604843), L'Oréal (ISIN FR0000120321/ WKN 853888), Procter & Gamble (ISIN US7427181091/ WKN 852062), Unilever (ISIN NL0000009355/ WKN A0JMZB)) auf Basis der EV-EBITDA-Multiplikatoren würden die Analysten schließen, dass Beiersdorf vom Markt weiterhin eine Prämie zugestanden werde.
Das Anrecht auf einen Bewertungsaufschlag gelte für Beiersdorf derzeit nicht mehr so vorbehaltlos; dem Wettbewerb zuverlässig einen Schritt vorauszueilen, damit sei es einstweilen vorbei. Doch zum einen hätten die defensiven Qualitäten des Titels Bestand (Bilanzstruktur sowie eine enge Kundenbindung, auf die die Konkurrenz weiter neidisch blicken dürfe). Zum anderen könne der Vorwurf, die Hamburger hätten sich auf ihre gute Position in den (gesättigten) Märkten Europas verlassen und darüber verpasst, sich auch in den Wachstumsregionen der Schwellenländer durchzusetzen, nur eine Zwischenbilanz sein, kein finales Urteil.
Richtig sei, dass Beiersdorf im Wettbewerb mit den Großen nicht in jeder Hinsicht mithalte. Für die negative Prognose eines zwangsläufigen Zurückbleibens bestehe jedoch kein Anlass. Vielmehr würden die Analysten erwarten, dass Beiersdorf nach den "Transition years" 2010 und 2011 an den langjährigen Wachstumspfad anknüpfen werde. Auch hinsichtlich der Margenentwicklung seien sie für die Jahre ab 2012 zuversichtlich eingestellt.
Beiersdorf sollte zu wichtigen Vergleichsunternehmen (Henkel) wieder aufschließen. Das beschlossene Maßnahmenpaket umfasse Investitionen in die als solche identifizierten Kernmarken der Haut- und Körperpflege (bei kräftiger Bereinigung der Produktvielfalt), Anpassungen der China-Aktivitäten sowie die globale Neuordnung von Vertriebsstrukturen. Einschließlich Abschreibungen auf den Firmenwert des 2007 in China erworbenen Haarspezialisten C-Bons gebe Beiersdorf den zusätzlichen Aufwand mit 270 Mio. EUR an, verteilt auf das Schlussquartal 2010 (120 Mio. EUR) und die Folgejahre. Die eingeleitete Umsetzung des Strategieschwenks sei mit personellen Änderungen an der Führungsspitze und der Veräußerung der Kosmetikmarken Juvena und Marlies Möller bereits sichtbar geworden.
Die kurzfristige Geschäftsdynamik in der Haut- und Schönheitspflege enttäusche - im Gegensatz zu jener der Klebstoffsparte, die an die Zyklik industrieller Abnehmer gekoppelt sei. Die Wette auf eine sich ab 2012 abzeichnende Erholung des Kerngeschäfts würden die Analysten aufgrund der Unternehmenssubstanz (Marken, "Human capital") jedoch keinesfalls als gehebelt ansehen.
Auf reduziertem Kursniveau erneuern die Analysten von SRH AlsterResearch das positive Anlageurteil "kaufen" für die Beiersdorf-Aktie. (Analyse vom 29.12.2010) (29.12.2010/ac/a/d)
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