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Analysen - Nebenwerte
10.11.2010
VERBIO steuert auf den TecDAX zu
TradeCentre.de

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Lichtenstein (aktiencheck.de AG) - Die Experten von "TradeCentre.de" empfehlen bei der VERBIO-Aktie (ISIN DE000A0JL9W6/ WKN A0JL9W) die Gewinne laufen zu lassen.

Claus Sauter, Vorstandschef der VERBIO AG, bekräftige im Gespräch mit "TradeCentre.de" die Ziele für das Jahr 2010. Er erwarte ein deutliches Umsatzwachstum und ein positives EBIT im hohen einstelligen Millionenbereich. Im operativen Gewinn seien allerdings auch knapp 5 Millionen Euro an positiven Einmaleffekten enthalten, aufgrund des Verkaufs von Windkraftanlagen. Inklusive dieses Effektes sei es nicht auszuschließen, dass das Unternehmen einen Tick besser abschneide und ein EBIT von über zehn Millionen Euro in 2010 einfahre. Vom dritten Quartal sollte man allerdings nicht zuviel erwarten. Bekanntlich investiere die Firma in den Bereich Biogas. Das führe zu Anlaufkosten, die das Ergebnis in der dritten Periode beeinträchtigen würden.

In der Sparte Biodiesel sei die Auslastung von über 90 Prozent sehr erfreulich. Die Margen seien indes weiter unter Druck, weshalb das Ergebnis noch negativ sei. "2011 wird das Segment deutlich besser abschneiden. Wir befinden uns in den letzten Zügen vor Inkrafttreten der Nachhaltigkeitsverordnung, deren Bestimmungen wir voll erfüllen. Davon werden wir profitieren", freue sich der CEO. Das bedeute: Ab dem neuen Jahr dürfe die Mineralölwirtschaft nur noch Biodiesel verkaufen, der zu 100 Prozent nach der Biokraftstoff-Nachhaltigkeitsverordnung zertifiziert sei. Die gesamte Lieferkette müsse über die entsprechenden Nachhaltigkeitsnachweise verfügen: Erzeuger, Landhandel, Ölmühlen und Weiterverarbeiter. Spätestens zum Jahresende müsse sich der Biokraftstoff, beispielsweise aus Raps oder Getreide, mit allen Nachweisen in den Lagern der Ölindustrie befinden, damit der Kraftstoff ab 2011 als "nachhaltig" anerkannt und auch steuerlich so behandelt werde.

"Viele unsere Wettbewerber haben es verschlafen, sich auf diese Veränderung einzustellen". Derzeitige Überkapazitäten könnten rasch sinken, da viele Händler nicht über die nötigen Zertifikate verfügen würden und zudem sollten sich dadurch die hohen Einfuhren reduzieren. VERBIO profitiere sodann von nachhaltig zertifiziertem Biodiesel. Sauter erwarte dann auch eine Erholung bei den Margen in diesem Segment. Eine EBIT-Marge bei Biodiesel von zwei bis vier Prozent könnte mittelfristig möglich sein. Übrigens habe die Regierung den Sektor stärker fördern wollen.

"Aus dem Vorhaben im Koalitionsvertrag ist für Biodiesel bisher gar nichts umgesetzt worden. Wir verlassen uns nicht mehr auf die Politik", so Sauter. Angesichts der auch in Zukunft eher dünnen Margen wäre es nach Meinung der Experten von Vorteil, das Geschäft mit Biodiesel bei einer Erholung zu verkaufen. "Diese Frage stellt sich nicht. Unser Geschäftsmodell basiert auf drei Kraftstoffen, die sich gegenseitig befruchten. Nur so funktioniert unser Gesamtkonzept".

In der Einheit Bioethanol entwickle sich das Geschäft sehr erfreulich. Nach einem guten ersten Halbjahr werde der Bereich in der zweiten Jahreshälfte nochmals deutlich besser laufen. Durch die ab 2011 erhöhte Beimischungsquote von Bioethanol in Benzin zeige sich Sauter zuversichtlich für diesen Bereich. "Die erhöhte Quote ist nicht zwingend bindend für Ölgesellschaften, dennoch wird der Bedarf an Bioethanol ab 2011 signifikant ansteigen. Wir erwarten eine volle Auslastung", gebe der CEO zu Protokoll. Nach eigenen Angaben betrage die Kapazität in Deutschland rund eine Million Tonnen Bioethanol. "Die Nachfrage liegt bei circa 1,8 Millionen Tonnen und wird nicht bedient werden können aufgrund der Nachhaltigkeitsverordnung". Vor diesem Hintergrund werde der Gewinnbeitrag aus Bioethanol in 2011 höher ausfallen als in 2010.

Große Erwartungen setze VERBIO in das Koppelprodukt Biogas, welches aus Abfällen von Bioethanol gewonnen werde. Die Produktion von Biogas sei bereits gestartet und werde nach und nach hochgefahren. Insgesamt liege die Kapazität derzeit bei einer Leistung von 60 Megawatt. Bereits fast die Hälfte der Kapazitäten werde seit August eingespeist. "Für diese Menge sind wir für die nächsten fünf Jahre ausverkauft", sage der Firmenchef. Offensichtlich seien lang laufende Verträge mit Versorgern zur Einspeisung ins Netz geschlossen worden. Ab 2011 solle die Einheit schon merklich zum Gewinn beitragen. Da VERBIO Biogas aus Abfallprodukten gewinne, sei die Firma hinsichtlich der Vergütung etwas benachteiligt und kassiere nur 5,5 Cent pro Gigawattstunde anstatt 7,5 Cent. "Bei der nächsten Novellierung erwarte ich eine deutliche Anhebung der Vergütung für unser Biogas".

Ziel sei, bis 2012 die Anlagen auf eine Leistung von 125 Megawatt zu erweitern. Dann könnte das Segment laut Sauter abzüglich Abschreibungen von jährlich 20 Millionen Euro ab 2013 mit sage und schreibe 30 Millionen Euro zum EBIT beitragen. Für den Konzern könnten operativ unter Berücksichtigung der Einheiten Biodiesel und Bioethanol zwischen 40 bis 50 Millionen Euro EBIT in der Kasse klingeln. Mit diesen Schätzungen fühle sich Sauter "wohl". In 2011 würden die Experten ein EBIT von deutlich mehr als 15 Millionen Euro erwarten. "Auch mit diesen Schätzungen fühle ich mich sehr wohl".

Für die Erweiterung bei Biogas sei übrigens keine Kapitalerhöhung notwendig. Die Finanzierung stehe. "Wir sind auf Wachstum fokussiert und schauen uns aktiv nach Kapazitäten in Osteuropa um", erläutere Sauter. Möglich seien in Osteuropa Übernahmen oder Partnerschaften. Gebe VERBIO auch in Osteuropa Vollgas, sei eine Kapitalmaßnahme nicht ausgeschlossen. Eine Kapitalerhöhung werde indes dazu führen, dass der Freefloat steige.

Liefere Sauter die operativen Erfolge, dann dürfte einem Aufstieg in den TecDAX (ISIN DE0007203275/ WKN 720327) nichts mehr im Wege stehen. Das Kriterium eines hohen Handels in der Aktie erfülle VERBIO bereits. Nur beim Börsenwert auf der maßgeblichen Berechnung des Freefloats hapere es noch. "Unser Ziel ist die Aufnahme in den TecDAX". Laufe alles glatt, könnte es schon im Jahr 2011 soweit sein.

Vor rund einem Jahr hätten die Experten das Papier des Anbieters von CO2-Einsparungen durch Biokraftstoffe bei Kursen um 1,40 Euro zum Kauf empfohlen. Aktuell belaufe sich der Kursgewinn auf rund 250 Prozent in nur einem Jahr. Die erneute Kaufempfehlung der Experten im Frühjahr dieses Jahres bei Kursen um 3,40 Euro habe sich ebenfalls ausbezahlt. Inzwischen habe VERBIO mit einem Börsenwert von rund 300 Millionen Euro das Niveau des bilanziellen Eigenkapitals fast erreicht.

Nach der rasanten Rally raten die Experten von "TradeCentre.de" bei der VERBIO-Aktie nun die Gewinne laufen zu lassen und mit Stoppkurs abzusichern. (Analyse vom 10.11.2010) (10.11.2010/ac/a/nw)

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