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Analysen - Marktberichte
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10.11.2010
Europäische Aktienmärkte Jahresende mit Sektorrotation?
Berenberg Bank
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www.optionsscheinecheck.de
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Hamburg (aktiencheck.de AG) - Seit Anfang September geht es an den Aktienmärkten nach einer längeren Seitwärtsphase wieder aufwärts, so die Analysten der Berenberg Bank.
Der Grund dafür seien erfreuliche Wirtschaftsdaten sowie überwiegend gute Unternehmenszahlen zum dritten Quartal. Zudem habe das neue Hilfspaket der amerikanischen Notenbank (FED) für die angeschlagene US-Wirtschaft in Höhe von 600 Mrd. USD für Erleichterung bei den Marktteilnehmern gesorgt.
Dabei sei der Markt nicht auf breiter Front angestiegen: Während der europäische Aktienindex STOXX 600 (ISIN EU0009658202/ WKN 965820) (enthalte 600 Aktien aus achtzehn europäischen Ländern) seit Jahresanfang um 8,6% habe zulegen können (Stand 09.11.10), hätten die STOXX 600-Branchenindices Automobile & Zulieferer und Industrielle Güter mit einem Kursplus von über 36% bzw. 25% im gleichen Zeitraum eine deutlich bessere Entwicklung erzielt.
Im Vergleich dazu habe der Branchenindex Versorger über 7% und STOXX 600 Oil & Gas über 2% verloren. Es sei also zu einer Favorisierung der konjunktursensitiven Branchen gekommen. Risikobereite Anleger sollten jedoch zum Jahresende ein Augenmerk auf die zurückgebliebenen Branchen richten. Dies dürfte nicht nur aus antizyklischen Überlegungen interessant sein. So könnte es spätestens Anfang nächsten Jahres zu einer Sektorrotation kommen.
Wenn die Kurse der 2010 gefragten zyklischen Aktien gemessen an den Gewinnerwartungen zu stark angestiegen seien, könnte es an der Börse zu einem Favoritenwechsel kommen. Auch wenn dies nicht mehr zwingend im laufenden Jahr zu erwarten sei und es weiter zu steigenden Notierungen von Aktien aus dem Industrie- und Automobilsektor kommen könnte, sei spätestens Anfang des nächsten Jahres mit einer Neupositionierung der institutionellen Anleger wie zum Beispiel Pensionskassen zu rechnen.
Statistisch gesehen müsste sich ein solcher Favoritenwechsel auszahlen. Nach einer Studie der HypoVereinsbank habe ein Investor im Zeitraum von 1989 bis 2009, der jeweils am Anfang des Jahres die fünf schlechtesten Aktien des Vorjahres aus dem deutschen Aktienindex DAX (ISIN DE0008469008/ WKN 846900) gekauft und zur Jahresmitte in die bis dahin besten fünf Werte getauscht habe, eine Überrendite von durchschnittlich 6,5 % pro Jahr gegenüber der DAX-Entwicklung erzielt.
Dies liege unter anderem auch an der Tatsache, dass Investoren, die bisher den Kursaufschwung an den Aktienmärkten verpasst hätten, erst in einer späteren Phase investieren würden. Diese konservativen Anleger wie Pensionskassen oder Versicherer würden grundsätzlich defensivere Branchen bevorzugen. Davon sollten zum Beispiel Aktien aus den Branchen Telekommunikation, Pharma oder Stromversorgung profitieren. Gute Aussichten hätten auch Aktien von Ölgesellschaften.
Die ganze Branche sei trotz hoher Cashflows (Zufluss liquider Mittel) und Dividendenrenditen in diesem Jahr deutlich zurückgeblieben und noch sehr attraktiv bewertet. Bei einem geschätzten Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) für 2011 von 10,8 bzw. 9,3 würden die im STOXX 600 Technology und Öl & Gas enthaltenen Aktien eine durchschnittliche Dividendenrendite von 6,5% bzw. 4,4% bieten (Quelle: FactSet).
Noch begünstige die Stimmung am Aktienmarkt zyklische Aktien, die von der Konjunkturerholung profitieren würden. Die Zeit sei aus Sicht der Analysten jedoch reif für eine Sektorrotation in die zurückgebliebenen defensiven Branchen. (10.11.2010/ac/a/m)
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