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Analysen - Marktberichte
06.10.2010
Osteuropas Wirtschaft erholt sich unterschiedlich schnell
RZB Österreich

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Wien (aktiencheck.de AG) - Die globale Wirtschaftsabkühlung wirkt sich unterschiedlich auf die Länder in Zentral- und Osteuropa aus, so die Analysten der Raiffeisen Zentralbank Österreich AG (RZB Österreich).

So würden beispielsweise Russland und die Ukraine die erwarteten realen BIP-Wachstumsraten mit 4 Prozent bzw. 5 Prozent p.a. heuer deutlich anführen. Auf der anderen Seite würden sich die Balkanländer Bulgarien, Rumänien und Kroatien noch in der Rezession befinden. Dazwischen würden die mitteleuropäischen Länder stark über die Exportseite profitieren. Das betreffe auch Österreich mit einem Wirtschaftswachstum von 1,9 Prozent.

Peter Brezinschek, Chefanalyst der Raiffeisen Zentralbank Österreich AG, erwarte von der langsamen internationalen Erholung wirtschaftliche Bremseffekte, vor allem für Tschechien, Slowakei und Ungarn. Auch für Österreich werde die nachlassende Exportdynamik noch nicht von der Binnennachfrage völlig kompensiert. Aufgrund von steigenden Anlage-Investitionen sei aber ein Plus von 1,5 Prozent zu erwarten.

Polen und der Balkan dürften von der globalen Abkühlung verschont bleiben. In Rumänien und Bulgarien sollten sich erste Wachstumssignale zeigen. "Dass sich kein stärkerer Wachstumsknick in CEE einstellen wird, hängt mit der Erholung der privaten Binnennachfrage bei anhaltender Budgetsanierung zusammen", erläutere Brezinschek. Wegen der Trendwende zum Positiven in Südosteuropa lege die CEE-Wachstumsrate 2011 mit plus 3,2 Prozent gegenüber 2010 mit plus 2,9 Prozent sogar leicht zu.

Die Renditen 10-jähriger Staatsanleihen hätten sich seit Jahresmitte mit Ausnahme von Rumänien quer über die Region deutlich ermäßigt. Bis Jahresende gehe Brezinschek infolge von Spreadausweitungen von höheren Lokalwährungsrenditen aus, weil das Risikosentiment sich verschlechtern dürfte.

Dies könne die liquiden CEE-Währungen Forint und Zloty ebenso negativ tangieren wie Tschechische Krone und Rumänischen Leu. Folglich würden ungarische Staatsanleihen auf kurze Sicht zum Verkauf empfohlen.

In der Geldpolitik sehe Brezinschek keine Änderungen: "Das Zinsniveau sollte bis Anfang 2011 stabil bleiben. Ab dem ersten Quartal 2011 rechnen wir wieder mit Spreadeinengungen und Währungsaufwertungen."

Auf den osteuropäischen Aktienmärkten sei seit Jahresbeginn eine Seitwärtsbewegung im Gange. Mit zunehmender Risikoaversion bis Jahreswechsel sei in abgeschwächter Parallelbewegung mit den etablierten Märkten ein leicht rückläufiges Kursniveau quer über die CEE-Region zu erwarten.

Die großteils zweistelligen Gewinnwachstumsraten auch für 2011 würden jedoch die osteuropäischen Aktienmärkte stützen, weshalb Brezinschek nur unterdurchschnittliche Kursrückgänge im Jahresausklang erwarte: "Wenn die überzogenen Rezessionsängste erst ausgestanden sind, wird es ab dem ersten Quartal bei den wichtigsten CEE-Börsenindices und dem ATX (ISIN AT0000999982/ WKN 969191) einen neuen Aufwärtstrend geben. Wir räumen im vierten Quartal den Sektoren Öl/Gas sowie den Versorgern das größte Potenzial ein, auf untergewichten hingegen Industrie und zyklischen Konsum. 2011 sind dann wieder Unternehmen mit zyklischer Ausrichtung unsere Favoriten."

Trotz der Verlangsamung der konjunkturellen Dynamik seien die Wachstumsaussichten sowohl für 2010 als auch für 2011 über jener der Eurozone anzusiedeln. Als besondere Stütze für die nächsten Quartale erweise sich die wiederbelebte Investitionstätigkeit. "Für das nächste Jahr gehen wir mit 1,5 Prozent von einem nur unterdurchschnittlichen Wachstum aus, sehen jedoch keine Gefahr für eine Rückkehr zu extrem niedrigen Raten", so Birgit Kuras, Chefanalystin der Raiffeisen Centrobank AG.

Die erwarteten Gewinnsteigerungen der Unternehmen von über 30 Prozent für 2010 und rund 25 Prozent für 2011 könnten sich sehen lassen. Damit errechne sich für das Jahr 2011 ein KGV von 10,5. Ein Wert, der auch im historischen Vergleich sehr attraktiv sei. Für die erste Jahreshälfte 2011 sollten die relativ günstigen Wachstumsaussichten in CEE wieder für Schwung an den Börsen sorgen und ein ATX von 2.950 Punkten möglich sein.

In Übereinstimmung mit dem verhaltenen Szenario für Aktienmärkte im vierten Quartal erwarte Stefan Maxian, Head of Company Research der Raiffeisen Centrobank AG, eine relative Outperformance der Aktie der Österreichischen Post (ISIN AT0000APOST4/ WKN A0JML5). Aufgrund der weniger zyklischen Ausrichtung des Geschäftsfeldes, des hohen Bestands an liquiden Mittel und der attraktiven Dividendenrendite von über 7 Prozent sei die Aktie eine der favorisierten defensiven Kaufempfehlungen.

Auch für das slowenische Pharmaunternehmen Krka, ebenfalls ein defensiver Wert, erwarte man für das zweite Halbjahr eine robuste Nachfrageentwicklung. Positiv sollte sich auch die Rückkehr der westeuropäischen Märkte auf den Wachstumspfad auswirken. Gründe dafür seien die geringe Marktdurchdringung mit Generika und die intensivere Förderung durch die entsprechenden öffentlichen Stellen aufgrund von Budgetrestriktionen.

Seit etwa einem Jahr würden die Versorger zu den am meisten untergewichteten Sektoren in Europa gehören. Mittlerweile zu Unrecht, wie Maxian finde, denn sie würden - wie vielfach angemerkt - ein weniger defensives Profil als früher und gerade nach den Kursrückgängen der letzten Monate interessante Einstiegsniveaus bieten. Derzeit befinde man sich aber bei steigenden Dividendenrenditen auf sehr attraktiven Bewertungsniveaus und der gleichzeitigen Aussicht auf eine zumindest stabile Ergebnisentwicklung in 2011.

Unter den Telekom- und Medienunternehmen favorisiere Maxian für das vierte Quartal das polnische Medienunternehmen Agora (ISIN PLAGORA00067/ WKN 920797). Agora könnte den Markt im vierten Quartal outperformen. Die Gründe seien der hohe operative Hebel in den Bereichen Außenwerbung und Internet sowie die Verbesserung der Marktsituation in drucknahen Geschäftszweigen. Die neue Ausschreibung für Außenwerbung in Warschau sowie Pläne für eine größere Anzahl an Kinos würden neue Möglichkeiten für organisches Wachstum und wichtige Investitionsalternativen für den vorhandenen Zahlungsmittelüberschuss bieten.

Für die integrierten Ölunternehmen würden die rückläufigen Gewinne aus dem Raffineriegeschäft zunehmend durch Gewinne aus dem Gasgeschäft ersetzt werden. Das zweite Halbjahr 2010 biete aufgrund von schwachen Raffineriemargen ein schwieriges Umfeld für reine Raffinerieunternehmen. Der erwartete Ölpreis und das USD-Szenario sollten sich allerdings deutlich positiv auf förderintensive Ölunternehmen wie Petrom, OMV (ISIN AT0000743059/ WKN 874341) sowie zahlreiche russische Förderunternehmen auswirken. Aufgrund der hohen Förderausrichtung der rumänischen Petrom erachte Maxian dieses Unternehmen daher als besonders interessant.

Die globale Stahlbranche hänge mehr denn je am Tropf von China. Daher seien die aggressiven Maßnahmen Chinas zur Outputverringerung umso schockierender gewesen und hätten die Stahlpreise seit Anfang September, angeheizt. In Kombination mit einer Senkung der Eisenerzpreise um 12 bis 15 Prozent für Lieferverträge im vierten Quartal sowie dem leichten Rückgang der Kohlepreise entstehe dadurch ein guter Mix für eine Gewinnsteigerung für die voestalpine (ISIN AT0000937503/ WKN 897200). Maxian bestätige die Kaufempfehlung für die voestalpine, er sehe in einer möglichen Marktschwäche eine gute Einstiegsgelegenheit. (06.10.2010/ac/a/m)



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