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Analysen - Marktberichte
17.09.2010
Europäischer Aktienmarkt konnte von weltweiter Stimmungsverbesserung nicht profitieren
Erste Bank

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Wien (aktiencheck.de AG) - Der europäische Aktienmarkt konnte diese Woche nicht von der sich bessernden Stimmung an den Börsen weltweit profitieren, berichten die Analysten der Erste Bank.

Der STOXX 600 (ISIN EU0009658202/ WKN 965820) habe nach den Zugewinnen der letzten Wochen konsolidiert und sei 0,61% auf 263 Punkte gesunken.

Die Investoren hätten weiter in zyklische Sektoren umgeschichtet. Automobilhersteller und Chemiefirmen seien um 2% gestiegen. Defensive Sektoren wie Versorger und Lebensmittelproduzenten hätten hingegen 3% verloren. Diese anhaltende Outperformance zyklischer Sektoren sei weiterhin ein gutes Zeichen für die Verfassung des Marktes.

Auch die Preise für Rohstoffe hätten diese Woche wieder angezogen und würden somit den Schluss zulassen, dass der Deflationsdruck weltweit doch nicht so ausgeprägt sei. Kupfer habe dabei um 2% auf 7.689 USD/t zugelegt. Aluminium sei um 3% auf 2.137 USD/t gestiegen. Die Preise für Nickel (+2%) und Zinn (+8%) hätten ebenfalls ihren Aufwärtstrend fortgesetzt. Das Barrel Brent sei um 0,8% auf USD 79 gestiegen. Im Einklang mit den Aktienmärkten außerhalb Europas seien die Renditen des 10JBunds um 0,14% auf jetzt 2,45% gestiegen.

Die Erwartungskomponente des ZEW-Index sei im September zum fünften Mal in Folge gefallen. Der Index habe um 18,3 Punkte auf Minus 4,3 nachgegeben und liege erstmals seit März 2009 im negativen Bereich. In der Vergangenheit habe der sehr volatile Index jedoch schon öfters Fehlsignale ausgebildet. Die Komponente des Index, die die gegenwärtige Einschätzung der befragten Investoren messe, sei abermals auf nun 59,9 Punkte gestiegen und habe damit die Bewegung der Erwartungskomponente nicht bestätigen können.

Im August seien die Neuwagenregistrierungen in der EU im Vergleich zum Vorjahr um 12,9% gesunken. Schon im Juli habe der Wert um 18,6% korrigiert. Ein Grund dafür könnten die auslaufenden Abwrackprämien sein. So würden die Gewinner dieser Konjunkturprogramme jetzt zu den Verlierern gehören. Volkswagen (ISIN DE0007664039/ WKN 766403) habe ein Minus von 15,3% verzeichnet, Toyota (ISIN JP3633400001/ WKN 853510) habe 19% verloren, und die Registrierungen von Honda (ISIN JP3854600008/ WKN 853226) seien um 33,6% eingebrochen.

Um potenzielle Geldgeber anzulocken, biete der hochverschuldete Maschinenbauer Heidelberger Druck neue Aktien zu einem Bezugspreis von EUR 2,70 an. Zum aktuellen Börsenkurs entspreche dies einem Preisabschlag von rund 30%. Die Bezugsfrist laufe bis 27. September. Die Allianz (ISIN DE0008404005/ WKN 840400), welche 4% an Heidelberger Druck (ISIN DE0007314007/ WKN 731400) halte, werde vollständig an der Kapitalerhöhung mitziehen. Dagegen habe sich RWE (ISIN DE0007037129/ WKN 703712) (hält 1,7%) vorab von ihren Altaktien getrennt.

Mit dem Emissionserlös von fast EUR 400 Mio. solle die Verschuldung reduziert werden. Die Gesamtverschuldung habe mit März 2010 aber über EUR 2,3 Mrd. betragen. Das Eigenkapital habe sich auf magere EUR 578 Mio. belaufen. Das Unternehmen kämpfe seit Jahren mit sinkenden Margen und fallenden Umsätzen. Die Analysten der Erste Bank empfehlen daher, dieses Angebot nicht anzunehmen und gegebenenfalls die Aktien zu verkaufen.

Mit der Ernennung des ehemaligen Microsoft (ISIN US5949181045/ WKN 870747)-Managers Stephen Elop zum CEO wolle Nokia (ISIN FI0009000681/ WKN 870737) den Strategie-Wechsel im Unternehmen beschleunigen. Im Zuge dessen sei es das Ziel von Nokia, am Smartphonemarkt endlich ein ernst zu nehmender Konkurrent zu werden. Mit dem Umbau verlagere der Konzern auch seine geografischen Schwerpunkte. Vor allem in den USA und China solle expandiert werden, denn Europa sei laut Nokia nicht mehr die Region, in der die Trends der Handyindustrie gesetzt würden. Entscheidend für die Zukunft von Nokia werde sein, ob das konzerneigene Betriebssystem Symbian längerfristig mit Apples iOS 4 und Googles Android mithalten könne.

Die Aktie von Nokia habe nach der Bodenbildung bei EUR 7 in den letzten Wochen um fast 10% zulegen können. Das Momentum der Gewinnschätzungen sei jedoch weiterhin negativ. Das KGV für 2010 liege bei 15x. Ein Einstieg sei nach Ansicht der Analysten weiterhin sehr riskant.

Die Analysten der Erste Bank erwarten nach der Konsolidierung in der letzten Woche einen Anstieg des STOXX 600 in den Bereich der Jahreshights bei 272 Punkten und damit einen Anstieg von 2,2%. Der Widerstand des europäischen Leitindex bei 272 Punkten sei allerdings als sehr stark einzustufen, da er gleichzeitig dem psychologisch wichtigen Pre-Lehmann-Niveau entspreche. (17.09.2010/ac/a/m)



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