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Analysen - Nebenwerte
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20.07.2010
Air Berlin mit enttäuschenden Passagierzahlen
AC Research
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Westerburg (aktiencheck.de AG) - Der Analyst Henning Wagener von AC Research empfiehlt weiterhin, die Aktien von Air Berlin (ISIN GB00B128C026/ WKN AB1000) zu akkumulieren.
Air Berlin sei hinter der Deutschen Lufthansa die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft. Das Unternehmen trete mit dem Ziel am Markt auf, den Fluggästen eine hohe Produktqualität zusammen mit einem überdurchschnittlichen Service bei dennoch niedrigen Preisen anzubieten und sich somit als einzige europäische Airline im Segment zwischen den klassischen Linienfliegern und den Low-Cost-Carriern zu positionieren. Neben Air Berlin würden auch die LTU mit einem Anteil von 100%, die Schweizer Fluggesellschaft Belair mit einem Anteil von 49% sowie die österreichische Airline NIKI mit einem Anteil von 49,9% zum Konzernportfolio gehören.
Die Gesellschaft habe Verkehrszahlen für den abgelaufenen Monat Juni sowie für das erste Halbjahr 2010 bekannt gegeben.
Demnach habe das Unternehmen im Juni insgesamt 3.022.294 Fluggäste befördert. Im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresmonat habe dies einem Zuwachs um 3,4% entsprochen. Die Auslastung der Flugzeuge habe sich gleichzeitig allerdings um 3,7 Prozentpunkte auf 75,1% reduziert. Der Erlös pro Sitzkilometer sei deutlich um 9,3% auf 0,0551 Euro gesunken.
In den ersten sechs Monaten 2010 habe sich somit ein Passagierrückgang um 0,8% auf 14.227.985 Personen ergeben. Die Auslastung der Flugzeuge habe sich um 2,2 Prozentpunkte auf 72,6% verringert.
Die veröffentlichten Zahlen seien nach Ansicht der Analysten von AC Research insgesamt enttäuschend ausgefallen. In den ersten vier Monaten 2010 sei das Passagieraufkommen durch den harten Winter sowie durch die Flugausfälle infolge des Vulkanausbruchs auf Island deutlich beeinträchtigt worden. Allerdings habe sich die Passagierzahl bei Air Berlin sowohl im Juni als auch in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres 2010 deutlich schwächer entwickelt als etwa bei dem Konkurrenten Deutsche Lufthansa (ISIN DE0008232125/ WKN 823212). Dies sei nach Ansicht der Analysten von AC Research unter anderem auch auf einen enormen Konkurrenzdruck zurückzuführen.
Zur Ankurbelung des zukünftigen Wachstums plane das Management der Gesellschaft, zum einen neue Strecken in das bestehende Programm aufzunehmen und zum anderen Partnerschaften mit Airlines abzuschließen, um gemeinsam Codeshare-Flüge durchzuführen. Bei Codesharing handle es sich um ein Verfahren im Luftverkehr, bei dem sich zwei oder mehrere Fluggesellschaften einen Linienflug teilen würden. Jede der beteiligten Fluggesellschaften führe den Flug dann unter einer eigenen Flugnummer. Dabei würden bereits Gespräche mit mehreren Interessenten geführt. Allerdings gebe es bislang noch nichts konkretes zu berichten. Hinsichtlich des Ausbaus des Streckennetzes werde gleichzeitig noch weiteres Potenzial im osteuropäischen Raum gesehen. Nach Ansicht der Analysten von AC Research würden beide Maßnahmen sinnvoll erscheinen.
Einen möglichen deutlichen Risikofaktor für die weitere Entwicklung des Unternehmens sehe man in der geplanten Luftverkehrsabgabe der Bundesregierung. Laut Gesetzentwurf solle die geplante nationale Abgabe zwischen 13 und 26 Euro liegen. So erscheine es nach Ansicht der Analysten von AC Research durchaus wahrscheinlich, dass zahlreiche potenzielle Fluggäste auf Flughäfen außerhalb Deutschlands ausweichen würden, um dieser Abgabe zu entgehen. Verschiedene Vertreter Deutscher Airlines würden einen Verlust von 3 bis 5% des bisherigen Passagieraufkommens in Deutschland befürchten. Nach Einschätzung der Analysten von AC Research erscheine diese Einschätzung durchaus realistisch, da im Zusammenhang mit der möglichen Einführung der Luftverkehrsabgabe mit einer deutlichen Verteuerung der Ticketpreise gerechnet werden müsse. Allerdings existiere zur geplanten Luftverkehrsabgabe bislang nur ein Arbeitsentwurf. Insofern seien Änderungen an dem Entwurf nicht auszuschließen.
Beim gestrigen Schlusskurs von 3,47 Euro erscheine das Unternehmen trotz der verhaltenen Entwicklung der Passagierzahlen im ersten Halbjahr 2010 noch relativ moderat bewertet. Daher sehe man bei einem Investment in die Aktie nach wie vor ein leicht positives Chance-Risiko-Verhältnis.
Die Analysten von AC Research empfehlen weiterhin, die Aktien von Air Berlin zu akkumulieren. (Analyse vom 20.07.2010) (20.07.2010/ac/a/nw)
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