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Analysen - TecDAX
12.07.2010
Kontron muss Rückstellungen bilden
SES Research/ Warburg Gruppe

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Hamburg (aktiencheck.de AG) - Der Analyst von SES Research, Malte Schaumann, empfiehlt unverändert die Kontron-Aktie (ISIN DE0006053952/ WKN 605395) zu kaufen.

Risikorückstellungen in Höhe von EUR 34 Mio. würden das Ergebnis im Geschäftsjahr 2010 belasten. Kontron habe Freitagabend bekannt gegeben, dass Rückstellungen für ausstehende Forderungen in Höhe von EUR 34 Mio. gebildet werden müssten, da Kunden die vertraglich vereinbarten Bankgarantieren bis Ende letzter Woche nicht vorgelegt hätten. EUR 34 Mio. seien der höchstmögliche Betrag.

Kontron gehe davon aus, dass Kunden in Taiwan, Malaysia und Hongkong, lokale Subunternehmen sowie das lokale Management bei der Durchführung des Betrugs gegen Kontron zusammengearbeitet hätten. Die Beziehungen zwischen Kontron und einigen dieser Kunden bestünden bereits seit 2007, bisher seien die Zahlungsverpflichtungen erfüllt worden.

Die Belastung resultiere nicht aus Kontrons Kerngeschäft, da ausschließlich das Fertigungsgeschäft (EMS) des Unternehmens betroffen sei. Kontron habe teilweise Fertigungsaufträge angenommen, um Kunden besseren Service bieten zu können, ggf. in höhermargige Bereiche zu migrieren und um die Produktionskapazität in Malaysia besser auszunutzen. Dieses margenschwache Geschäft habe 2009 17% vom Konzernumsatz ausgemacht, im 1. Quartal 2010 sei dieser Anteil allerdings schon auf 7% gefallen. Bereits Ende 2009 habe Kontron beschlossen, den größten Teil des Fertigungsgeschäfts auslaufen zu lassen und die Produktion nur noch für ausgewählte Kunden wie Nokia oder ABB durchzuführen. Daraus entstehende zukünftige Erlösbeiträge sollten bei ca. EUR 30 Mio. pro Jahr liegen.

Der Auslauf des Fertigungsgeschäfts werde als Auslöser für die Entdeckung des Betrugs gesehen, da ausstehende Forderungen seitdem nicht bezahlt worden seien. Kontron zufolge hätten die Verdächtigen die Zahlungsziele ausgenutzt, während das lokale Management interne Richtlinien verletzt habe. Kontron habe zivil- und strafrechtliche Maßnahmen eingeleitet.

Kontron bilde die Rückstellungen im 2. Quartal 2010. Damit dürfte das EBIT im Gesamtjahr 2010 nahe am Break Even liegen. Der Jahresüberschuss werde ebenfalls mit der gesamten Höhe belastet, was ein negatives Nettoergebnis induziere. Das EBIT in 2011 werde um EUR 1 Mio. reduziert, um höhere Aufwendungen für Rechtsberatung/Prozesskosten etc. zu reflektieren. Es sei bereits erwartet worden, dass signifikante Erlöse im Fertigungsgeschäft in 2010 komplett wegfallen würden. Damit würden keine weiteren Einflüsse auf Umsatz- und Ertragsschätzungen für 2011ff erwartet.

Da Kontrons Kerngeschäft nicht betroffen sei, bleibe die Equity Story des Unternehmens intakt. Es werde weiterhin erwartet, dass das Unternehmen durch die starken Design Wins der letzten Jahre in den kommenden Jahren ein deutlich höheres Umsatzniveau erreiche. Dies sei die Basis für ein Erreichen von zweistelligen EBIT-Margen bis spätestens 2012. Das allgemeine Geschäft verlaufe nach Plan. Für das 2. Halbjahr 2010 werde weiterhin ein höheres Umsatzwachstum erwartet.

Die Belastungen (die den Maximalbetrag darstellen würden und letztendlich etwas geringer sein könnten) würden bei EUR 0,60 je Aktie liegen, die Hälfte des heutigen Kursrückgangs. Das neue Kursziel (Basis DCF) werde von EUR 10,20 auf EUR 9,50 reduziert und biete jetzt ein Aufwärtspotenzial von ca. 50%. Da Kontrons Geschäft bereits im 2. Quartal wieder anziehen und sich im 2. Halbjahr und 2011 weiter verbessern sollte, sei die heutige Aktienkursbewegung eine Einstiegsmöglichkeit.

Die Kaufempfehlung für die Kontron-Aktie wird beibehalten, so die Analysten von SES Research. (Analyse vom 12.07.2010) (12.07.2010/ac/a/t)

Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

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