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Analysen - Nebenwerte
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28.06.2010
ADVA fair bewertet
Heibel-Ticker
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www.optionsscheinecheck.de
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Berlin (aktiencheck.de AG) - Für die Experten von "Heibel-Ticker" ist die Aktie von ADVA (ISIN DE0005103006/ WKN 510300) weitgehend fair bewertet.
Ethernet über Glasfaserkabel, so könne man die Technologie von ADVA kurz beschreiben. Die Kunden von ADVA seien Netzbetreiber wie beispielsweise die Deutsche Telekom, E-Plus oder Telefónica, aber auch Unternehmen, die ein firmeninternes Netzwerk optimieren wollten, wie beispielsweise die Deutsche Bank. Die Stärke von ADVA sei die intelligente zur Verfügung-Stellung der benötigten Bandbreite für den Kunden.
Man solle sich vorstellen, an einem Sonntag spiele die Fußballmannschaft eines kleinen Dorfes gegen das Nachbardorf. Der Siegtreffer werde von einem Clubmitglied gefilmt und anschließend auf der Clubseite zur Verfügung gestellt. Es folge noch eine kurze Infomail an alle Vereinsmitglieder, dass der heutige Siegtreffer per Video nun angeschaut werden könne. Das Dorf, in dem normalerweise vielleicht ein paar E-Mails über die Leitungen verschoben würden, schaue am Sonntagabend plötzlich ein "Streaming Video" über das Internet, ein Video, das über das Internet in die Haushalte transportiert werde. Es würde die Experten nicht wundern, wenn bei einigen Vereinsmitgliedern unnatürlich lange Wartezeiten auftreten würden. Wartezeiten, die am nächsten Tag schon nicht mehr auftreten würden, weil sich der Ansturm gelegt habe.
Die Infrastruktur der Netzbetreiber müsse dafür ausgelegt sein, solche Belastungsspitzen abwickeln zu können. Gleichzeitig sei es aber sehr teuer, diese Bandbreite rund um die Uhr für jeden Haushalt zu reservieren. Vielmehr müsse in einem solchen Fall Bandbreite von anderen Ressourcen flexibel zur Verfügung gestellt werden. Das Video liege physisch auf irgendeinem Server in Deutschland und der Weg ins Dorf könne über verschiedene Umwege, Knotenpunkte erfolgen. Eine intelligente und flexible Nutzung der verfügbaren Ressourcen spare den Netzbetreibern teure Investitionen in ein überdimensionales Netzwerk.
ADVA habe sich auf die Kombination von Glasfaserkabeln spezialisiert, die Switches von ADVA (Knotenpunktrechner) würden aber genauso auch Leitungen aus Kupfer oder auch mobile Übertragungswege beschicken. Der Vorteil von Glasfaserkabeln sei die große Bandbreite, die durch ein verhältnismäßig dünnes Kabel passe, sowie die damit erzielte hohe Geschwindigkeit in der Datenübertragung.
Vor fünfzehn Jahren haben die Experten von "Heibel-Ticker" bei einem großen Chemiekonzern gearbeitet und die dortige EDV-Abteilung sträubte sich mit Händen und Füßen dagegen, ihre Büros mit schnelleren Leitungen zu versorgen. Im Laufe des Gesprächs hätten sie irgendwann gefragt, warum man denn in dieser Chemiefabrik alle Leitungen oberirdisch verlege, man könne doch auch ein paar Kabel und Rohre unterirdisch verlegen. Die Antwort habe wie folgt gelautet: "Bis sechs Meter Tiefe gibt es auf dem Gelände unterirdisch keinen Platz mehr für zusätzliche Kabel". In einer solchen Situation sei es irgendwann ratsam, auch ein wenig auf den verfügbaren Platz zu schauen. Und Kupferkabel würden etwa den zehnfachen Platz benötigen, um eine vergleichbare Datenübertragung umzusetzen.
Das iPhone habe eine neue Dimension der Nutzung des mobilen Internets eingeläutet. Streaming Videos, der datenintensivste Dienst, sei auf den Geräten Gang und Gäbe. Mobilfunkbetreiber seien dankbar für Lösungen, die für den Datenabruf die vorhandene Internet-Infrastruktur bis nah an den Kunden nutzen könnten. Insbesondere in den USA seien in den vergangenen Jahren Engpässe an genau dieser Stelle offensichtlich geworden. Insbesondere AT&T stehe dafür immer wieder in der Kritik: Das Unternehmen habe das exklusive Vermarktungsrecht für das iPhone und könne jedoch die erforderliche Bandbreite nicht sicherstellen.
So würden sich Unternehmen wie Cisco, Ciena, Nortel und eben auch ADVA einer guten Auftragslage erfreuen. Der Kurs von ADVA sei seit dem März 2009 um 400% angesprungen. Und der Smartphone-Boom stecke erst in den Kinderschuhen. In Deutschland würden gelegentlich ebenfalls Klagen laut, aber das halte sich in Grenzen. Der Nachholbedarf der Deutschen Telekom sei nicht so dramatisch wie bei AT&T.
Aktuell verfüge ADVA über eine überwiegend positive Nachrichtenlage. Die vorgelegten Q1-Zahlen hätten über den Erwartungen gelegen. Für das 2. Quartal, dessen Zahlen am 22. Juli veröffentlicht würden, würden sich Analysten schon wieder die Erwartung einer positiven Überraschung zuflüstern. In der zweiten Jahreshälfte dürfte sich das Umsatz- und Gewinnwachstum nochmals beschleunigen, da entsprechend notwendige Infrastrukturprojekte bei großen Netzbetreibern und bestehenden Kunden von ADVA derzeit in Vorbereitung seien.
Schaue man sich einmal die Zahlen des Unternehmens an. Im Krisenjahr 2008 sei der Umsatz um 13% eingebrochen, der Gewinn habe sich fast halbiert. Bereits 2009 sei die Bodenbildung erfolgt: Kosteneinsparungen hätten dem Unternehmen zu einem deutlichen Gewinn auf fast Vorkrisen-Niveau verholfen, der Umsatz habe wieder leicht zugelegt. Für das laufende Jahr 2010 werde nun von Analysten ein weiterer Umsatzanstieg um 15% auf 267 Mio. erwartet, der Gewinn werde sich, so die Analystenerwartungen, auf 30 Mio. Euro (EBITDA) mehr als verdoppeln. Der Nettogewinn würde in diesem Fall auf etwa 8,9 Mio. Euro steigen, was einem KGV von 30 entspreche. Die Bewertung sei hoch, doch vor dem Hintergrund der auch für das nächste Jahr erwarteten deutlichen Gewinnsteigerung könne man das KGV vertreten.
Aktuell verfüge das Unternehmen über eine Marktkapitalisierung von 207 Mio. Euro. Über ein mathematisches Modell (DCF) würden sich die erwartete Umsatz- und Gewinnentwicklung des Unternehmens in einen heute gültigen fairen Wert umwandeln lassen. Die Experten kämen auf einen Wert von 202 Mio. Euro. Rechne man Verbindlichkeiten von 27,4 Mio. Euro heraus und füge die liquiden Mittel von 48,7 Mio. Euro hinzu, so ergebe sich ein Eigenkapitalwert von 223,6 Mio. Euro. Bei 46,15 Mio. ausstehenden Aktien ergebe sich ein Aktienkurs von 4,85 Euro. Aktuell stehe die Aktie bei 4,49 Euro, das Kurspotenzial zum von den Experten angenommenen fairen Wert betrage gerade einmal 7%.
Das DCF-Modell enthalte eine Menge Stellschrauben, mit denen der Unternehmenswert sehr einfach nach oben oder unten gerechnet werden könne. So würden sich sehr leicht auch faire Werte zwischen 4,30 und 5,40 Euro berechnen lassen, eine große Spanne. Man solle den errechneten fairen Wert also nur als eine Prüfziffer betrachten, mit der die Region des Kurses eingegrenzt werden könne.
Gegenwärtig sei die Aktie also weitgehend fair bewertet. Betrachte man einmal die Zukunft für ADVA. Zur Jahrtausendwende sei das Internet populär geworden, die Nutzung sei sprunghaft angestiegen. Heute würden das mobile Internet und das Video-Streaming populär und die Auslastung steige sprunghaft. Im Gegensatz zur Jahrtausendwende gebe es heute jedoch Unternehmen, die schon damals die richtigen Lösungen für die Kapazitätsausweitung gefunden hätten und diese Lösungen müssten heute nur angewendet werden.
Natürlich würden die Elektroinstallateure rund um die Uhr arbeiten, insbesondere die von AT&T, aber in ein bis zwei Jahren sei auch das Netz in den USA wieder modernisiert. China und Brasilien würden große Wachstumsmöglichkeiten bieten, doch auch das sei kein Hexenwerk. Die Preise für die vorhandenen Technologien und Lösungen würden nicht in den Himmel steigen. Die Experten würden also nicht damit rechnen, dass der Gewinn von ADVA weiter durch die Decke gehe.
Die Gewinne würden nur dort durch die Deck gehen, wo wirklich innovativ neue Lösungen gefunden würden und diese Lösungen so schnell am Markt seien, dass Wettbewerber nicht mithalten könnten und die Innovatoren dicke Margen durchsetzen könnten. Das sei nach Erachten der Experten derzeit beim Cloud-Computing für Salesforce der Fall, es sei beim Smartphone iPhone für Apple der Fall und es sei bei der Virtualisierung für VMWare der Fall. Dort würden dicke Gewinnmargen eingefahren, doch nicht bei Cisco, Ciena, Nortel oder ADVA.
Gegenwärtig ist die ADVA-Aktie weitgehend fair bewertet, so die Experten von "Heibel-Ticker". (Ausgabe 25 vom 25.06.2010) (28.06.2010/ac/a/nw)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:
Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.
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