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Analysen - Marktberichte
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25.06.2010
Europäische Aktienkurse gedrückt
Erste Bank
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www.optionsscheinecheck.de
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Wien (aktiencheck.de AG) - Die schwachen Einkaufsmanagerindices für die Eurozone, sowie die angespannte Situation am Bondmarkt drückten diese Woche die Aktienkurse in Europa, so die Analysten der Erste Bank.
Der STOXX 600 sei um 2% auf 250 Punkte gefallen. Am Geldmarkt sei die Unruhe zurückgekehrt, weil am kommenden Mittwoch der erste Zwölfmonatstender der EZB fällig werde. Dann müssten die Banken EUR 442,2 Mrd. zurückzahlen, die sie sich vor Jahresfrist gegen Sicherheiten geliehen hätten. Davon seien 1.121 Banken betroffen. Die Institute hätten damals das Geld zu einem Zinssatz von 1% bekommen - und würden nun eine Anschlussfinanzierung brauchen. Bisher habe die EZB aber keinen neuen Jahrestender in Aussicht gestellt. Der 3-Monats-Euribor sei auf 0,75% geklettert. Die Renditen für 10-jährige griechische Anleihen seien erstmals seit Anfang Mai wieder über 10% gestiegen.
Die Wirtschaft der Eurozone sei im Juni zwar weiter robust gewachsen, das Tempo habe sich jedoch abermals abgeschwächt. Dies zeige der EMI Index Produktion, der gegenüber Mai 0,4 Zähler auf 56,0 Punkte nachgegeben und sich damit von seinem Nach-Rezessionshoch vom April weiter entfernte habe. Dass sich der Auftragszuwachs den zweiten Monat in Folge verringert habe und der entsprechende Index das niedrigste Plus seit Februar ausgewiesen habe, würden darauf hindeuten, dass die Konjunktur in den nächsten Monaten weiter an Dynamik verlieren könnte.
In der Industrie habe der Auftragsindex auf ein Sechs-Monatstief, im Servicesektor auf ein Vier-Monatstief nachgegeben. Das Exportorderplus in der Industrie, das sich in den letzten Monaten weitgehend auf dem 10-Jahreshoch vom März habe halten können, sei ebenfalls auf ein Vier-Monatstief gefallen. Die Beschäftigung habe den zweiten Monat in Folge zugelegt. Der entsprechende Index habe zwar ein Zwei-Jahreshoch erreicht, die Zuwachsraten seien jedoch in der Industrie und im Servicesektor niedrig geblieben.
Infineon liebäugle aufgrund guter Wachstumsaussichten mit der ersten Dividendenzahlung seit zehn Jahren. Eine Dividendenrendite zwischen 1,5 bis 2% dürfte es werden. Das Unternehmen habe derzeit eine Barkasse von knapp EUR 1 Mrd. Bei Zukäufen sei Infineon derzeit aber sehr vorsichtig. Der Konzern habe sich zuversichtlich gezeigt, dass man eine Wachstumsphase vor sich habe. Mittelfristig solle der Konzernumsatz bei steigenden Marktanteilen von zuletzt EUR 4,2 Mrd. auf etwa EUR 5 Mrd. steigen.
Der CEO Peter Bauer sei derweil Befürchtungen entgegengetreten, die nächste Talfahrt stehe dem Sektor bereits bevor: Der aktuelle Chipzyklus habe nach seinen Aussagen den Höhepunkt noch nicht erreicht. Die Auftragsfertiger seien derzeit komplett ausgebucht, die Autobauer hätten unter Komponentenmangel geklagt und die meisten Kunden hätten wegen ihrer starken Verkaufszahlen keine Gelegenheit, überhaupt ihre Lager aufzufüllen. Dieser Trend könne sich aber aufgrund der derzeit steigenden Produktionskapazität weltweit auch schnell wieder umkehren. Dass die Strategie des Technologieunternehmens derzeit auf die Beruhigung der Aktionäre ausgerichtet zu sein scheine, sei zudem skeptisch zu betrachten. Die Analysten würden von einem Kauf abraten.
Die Kälte habe das Frühjahrsgeschäft von Hennes & Mauritz geschmälert und könnte die weltweit drittgrößte Bekleidungskette zu höheren Rabatten zwingen. Im April habe sich der Umsatz in den etablierten Filialen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 6% und im Mai um 4% verringert. Mit einem Gewinn von SEK (Schwedische Krone) 5,2 Mrd. (+24% yoy) habe der Konzern in etwa die Erwartungen für das zweite Quartal erfüllt. Der Umsatz habe um 1,9% gesteigert werden können. Im Quartal zuvor seien es noch +6% gewesen. Im nächsten Quartal erwarte der Konsens ein Plus von 9%. Die Bewertung liege wie bei Konkurrent Inditex derzeit bei einem recht hohem KGV von 19x. Der Seitwärtstrend der Aktie setze sich fort. Erst beim Erreichen von neuen All-Time Highs der beiden Titel würden die Analysten auf technischer Basis zu einem Einstieg raten.
ThyssenKrupp wolle sein Geschäft mit Press- und Bauteilen für die Automobilindustrie verkaufen. Der Konzern suche nach einem neuen Eigentümer für den Bereich und führe bereits Gespräche, darunter mit einem Interessenten aus China. Einen Zeitrahmen, bis wann das Geschäft verkauft werden könnte, habe sich das Unternehmen nicht gesetzt.
Der Börsengang des zweitgrößten polnischen Versorgers Tauron bringe rund EUR 1,1 Mrd. in die Staatskasse. Polen wolle gut die Hälfte seiner Tauron-Anteile an die Börse bringen. Der Ausgabepreis pro Aktie betrage PLN (Polnischer Zloty) 0,57. Damit liege der Emissionspreis am unteren Ende der zuvor angegebenen Spanne. Die Nachfrage institutioneller Anleger sei schwach ausgefallen. Der für den 30. Juni geplante Börsegang dürfte der viertgrößte IPO in Europa werden. Der polnische Versicherer PZU habe bei seinem IPO im Mai rund EUR 2 Mrd. eingenommen. (25.06.2010/ac/a/m)
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