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Analysen - Ausland
05.06.2002
Philip Morris "strong buy"
Merrill Lynch

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Die Wertpapierspezialisten von Merrill Lynch raten unverändert dazu, die Aktie des US-amerikanischen Tabak- und Lebensmittelkonzerns Philip Morris (WKN 851777) aggressiv zu kaufen.

Am 05.06.2002 habe das staatliche Berufungsgericht von Oregon das Gerichtsurteil im Williams Prozeß gegen Philip Morris aus dem März 1999 bestätigt. Die Geschworenen aus dem Williams Prozeß hatten Philip Morris ursprünglich zur Zahlung von 821.485 USD an Kompensation (Compensatory Damages) und 79,5 Mio. USD an Strafe (Punitive Damages) verurteilt. Im Anschluß an das Geschworenenurteil hatte die zuständige Richterin Anna J. Brown die zu zahlende Gesamtsumme für Philip Morris auf 30.321.485 USD gekürzt. Philip Morris habe beim staatlichen Berufungsgericht von Oregon Berufung gegen dieses Urteil eingelegt. Die Anhörung habe am 26. Oktober 2001 stattgefunden.

Heute habe die kleine Kammer des Berufungsgerichtes, zu der 3 Richter gehören, einstimmig das ursprüngliche Geschworenenurteil gegen Philip Morris bestätigt und die gesamte Schadensersatzsumme wieder auf über 80 Mio. USD festgelegt. Es sei davon auszugehen, dass Philip Morris nun wie üblich die weitere Palette der zu Verfügung stehenden Berufungsinstanzen ausschöpfen werde. In diesem Zusammenhang werde sich der Konzern wohl zunächst an die große Kammer des staatlichen Berufungsgerichtes und, falls das Unternehmen auch dort ohne Erfolg bleibe, anschließend an das Verfassungsgericht des Bundesstaates Oregon wenden.

Das heutige Urteil des staatlichen Berufungsgerichtes sei in den Augen der Analysten insbesondere aufgrund des Verhältnisses von Kompensationszahlung zu Strafe anfechtbar. Im ursprünglichen Geschworenenurteil betrage die Strafzahlung das 97-fache der Kompensation. Das Verfassungsgericht (Supreme Court) der Vereinigten Staaten von Amerika habe hingegen in dem Prozeß Gore gegen BMW Nordamerika das Diktum erlassen, das die Ratio von Strafzahlung zu Kompensation nicht mehr als 3 - 4 betragen sollte. Eine höhere Ratio "sei dicht daran, gegen die Grundsätze der Verfassung zu verstoßen". Im Falle der weiteren Prozesse, die Philip Morris bereits an der Westküste der USA verloren habe, hätte die staatlichen Berufungsgerichte die Strafzahlungen stets substantiell gekürzt.

Das heutige Urteil sei trotz weiterer Berufungsoptionen sicher eine Enttäuschung für Philip Morris, zumal die Analysten die Schadensersatzklagen von Einzelpersonen an der Westküste heute als das größte juristische Problem für die US-amerikanische Tabakindustrie einstufen würden. Keine individuelle Schadensersatzklage sei jedoch so gefährlich, wie viele der Sammelprozesse der Vergangenheit.

Vor diesem Hintergrund lautet das Rating der Investmentbanker von Merrill Lynch für die Aktie von Philip Morris weiterhin mittel- und langfristig "aggressiv kaufen". Auch das EPS wird unverändert in den Jahren 2002 und 2003 bei 4,92 bzw. 5,56 USD erwartet.



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