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Analysen - DAX 100
19.04.2010
HHLA halten
HSH Nordbank AG

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Hamburg (aktiencheck.de AG) - Claudia Erdmann, Analystin der HSH Nordbank AG, stuft die Aktie der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) (ISIN DE000A0S8488/ WKN A0S848) unverändert mit "halten" ein.

Der Vorstand der HHLA habe einen wenig optimistischen Ausblick für das Jahr 2010 gegeben. Das Mengenwachstum solle im niedrigen einstelligen Bereich liegen. Der Umsatz werde wohl aufgrund der abnehmenden Erlösqualität leicht unter das Vorjahresniveau fallen. Gleiches sehe das Management für den Gewinn. Dies entspreche nicht den Hoffnungen auf eine eintretende Stabilisierung. Wegen des harten Jahres 2009 neige der Vorstand anscheinend zu einer vorsichtigen Prognose.

Aufgrund der aktuellen Entwicklung hätten die Analysten ihre Gewinnschätzung für 2010 gesenkt. Sie würden ein Umschlagsplus von 4% in Hamburg auf 4,9 Mio. TEU und 3% in Odessa auf 0,25 Mio. TEU für realistisch halten. Der durchschnittliche Umsatz pro TEU werde nach ihrem Erachten um 6% auf 106,71 EUR nachgeben. Dadurch falle der Umsatz im Segment Container um 2% geringer aus (545 Mio. EUR). Für die Segmente Intermodal und Logistik erwarte man eine flache Umsatzentwicklung. Die zu transportierende Menge sollte sich etwas besser entwickeln als der Umschlag und um 5% auf 1,58 Mio. TEU steigen, allerdings bei weiterhin sinkenden Preisen. Insgesamt ergebe sich für den Umsatz im Teilkonzern Hafenlogistik ein kleines Minus von 1,4% auf 949 Mio. EUR.

Von den Fähigkeiten des Managements zur Kosteneinsparung seien die Analysten überzeugt und würden einen sinkenden Personalaufwand (Kurzarbeit für das komplette Jahr 2010 sowie Personalabbau) und einen konstanten Materialaufwand erwarten. Das EBITDA sehe man bei 258 Mio. EUR ungefähr stabil. Das EBIT würde um 3,4% auf 153 Mio. EUR steigen, da die Abschreibungen 2009 noch außerplanmäßige Abschreibungen für nicht fortgeführte Aktivitäten enthalten hätten. Die Ergebnisanteile Dritter würden einen hohen Anteil am Konzernüberschuss behalten, so dass das Ergebnis je Aktie nahezu unverändert bei 0,66 EUR liegen sollte. Die Dividende sehe man bei konstanten 0,40 EUR.

Man rechne ab 2011 mit einem nachhaltigen Aufschwung, der den Containerumschlag beflügeln werde. Ab 2012 dürften zusätzlich erste Effekte aus der begonnenen Elbvertiefung spürbar sein. Es würden zwar auch nach der Elbvertiefung nicht alle Containerschiffe tideunabhängig den Hamburger Hafen anlaufen können, aber das Zeitfenster für Anläufe werde länger und erhöhe so die Flexibilität. Der eine oder andere verloren gegangene Feederverkehr könnte dann zurückgewonnen werden. Sollte der Anteil des Feederverkehrs bei der HHLA wieder ansteigen, werde dies jedoch die Durchschnittserlöse je Box belasten, da im Feederverkehr weniger verdient werde als mit für das Hinterland bestimmten Boxen.

Für die Investitionen erwarte man in 2010 Ausgaben von 180 Mio. EUR und in 2011 einen kleinen Rückgang auf 140 Mio. EUR. Modernisierungsvorhaben würden fortgeführt, während Expansionspläne erstmal ruhen würden. Während der kommenden Stilllegung des Terminals Tollerort könne die Zeit genutzt werden, dort ebenfalls die Modernisierung ungestört anzugehen. Der Ausbau zum CTT XL inklusive des Rosshafens sei in den nächsten zwei bis drei Jahren kein Thema. Derzeit gebe es keine Anzeichen, dass sich dies negativ auf den bilanzierten Firmenwert für den Rosshafen in Höhe von 31 Mio. EUR auswirken werde.

Insgesamt rechne man für den Zeitraum bis 2014 mit einem geringeren Investitionsvolumen als in der letzten Analyse. Das Ausmaß der veränderten Rahmenbedingungen zeigt sich sehr plastisch, wenn man die Investitionen der IPOPlanung zum Vergleich heranzieht.

Der mengenmäßige Aufschwung im Containerverkehr komme nur zäh in Gang und der Preisdruck werde zunächst nicht abnehmen. Dazu müsse man die niedrige Auslastung in allen Nordrange-Häfen sowie die in den kommenden Jahren entstehenden neuen Kapazitäten im Auge behalten. Die kurz- und mittelfristig vorhandenen Überkapazitäten in der Nordsee würden den Reedern Verhandlungsspielräume bieten, denn Verlagerungen von Liniendiensten seien rasch umgesetzt. Ein Preiskampf zwischen den Terminalbetreibern sei aber anscheinend noch nicht ausgebrochen. Die HHLA werde so lange wie möglich versuchen, Preisnachlässe zu vermeiden, aber um Mengenrabatte bei einigen Großkunden - zumindest zeitlich begrenzt - werde man nicht herumkommen.

Die Verzögerung bei der Elbvertiefung tue ihr Übriges. Viele Hoffnungen würden auf der Elbvertiefung und der damit einhergehenden Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit ruhen. Trotzdem werde es nach Erwartung der Analysten bis 2014 dauern, bis man das alte Mengenniveau wieder erreicht habe.

Die Reaktion der HHLA mit Kostensenkungsprogrammen und Anpassung des Investitionsbudgets sei erfolgreich gewesen und die Analysten würden in diesem Jahr weiteres Potenzial sehen. Die Umorganisation des Umschlags mit der kommenden Stilllegung des Terminals Tollerort und die bessere Auslastung des Terminals Burchardkai mit seinen neuen Blocklager-Einrichtungen seien weitere Schritte, die operative Marge hoch zu halten.

Der Vorstoß des neuen Hamburger Finanzsenators Frigge, die Anteile an der HHLA erhöhen zu wollen und eventuell einen Beherrschungsvertrag zu erlangen, habe nur kurz für Aufsehen gesorgt, da er offensichtlich nicht konkret und verbindlich gewesen sei, sondern mehr ein Gedankenspiel. Dennoch würden sich hier gefährliche Begehrlichkeiten zeigen, Einfluss nehmen zu wollen. Die Analysten würden keine hohe Wahrscheinlichkeit sehen, dass die Stadt Hamburg tatsächlich ihren Anteil erhöhen werde.

Die HHLA-Aktie habe heftig auf die Vorlage der Geschäftszahlen und den Ausblick 2010 reagiert. Aufgrund ihrer neuen Gewinnschätzungen würden die Analysten das Kursziel von 30,00 auf 29,20 EUR senken. Akquisitionsfantasien hätten sich nicht weiter konkretisiert. In den nächsten Monaten sehe man das Kurspotenzial als begrenzt an.

Somit belassen die Analysten der HSH Nordbank AG ihr Rating für die HHLA-Aktie auf "halten". Das Anlagerisiko schätze man als mittel ein. (Analyse vom 19.04.2010) (19.04.2010/ac/a/d)

Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

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