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Analysen - Ausland
01.03.2010
Vivendi kaufen
National-Bank AG

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Essen (aktiencheck.de AG) - Andrea Großmann, Analystin der National-Bank AG, stuft die Vivendi-Aktie (ISIN FR0000127771/ WKN 591068) unverändert mit dem Rating "kaufen" ein.

Der französische Medienriese habe im zurückliegenden Jahr vor allem von der Dynamik im Geschäft mit Videospielen, der Übernahme des Breitbandanbieters Neuf Cegetel sowie der soliden Entwicklung der Telekomaktivitäten profitiert. So sei der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 6,9% (wechselkursbereinigt 6,7%) auf 27,1 Mrd. EUR geklettert, womit die Konsensschätzungen leicht übertroffen worden seien. Das operative Ergebnis (EBITA) habe dank der verbesserten Rentabilität bei Canal + und Activision Blizzard um 8,8% (8,2%) und damit etwas deutlicher als erwartet auf 5,39 Mio. EUR zugelegt. Dies entspreche einer Verbesserung der EBITA-Marge um 40 Basispunkte auf 19,9%.

Der um Sonderposten bereinigte Gewinn habe aufgrund höherer Minderheiten, eines geringeren Gewinns aus dem Minderheitsanteil an NBC sowie eines gesunkenen Finanzergebnisses infolge des niedrigeren Zinsniveaus um 5,5% auf 2,6 Mrd. EUR nachgegeben, womit sich Vivendi nichtsdestotrotz besser als erwartet geschlagen habe.

Inklusive aller Sondereffekte sei das Nettoergebnis um 68,1% auf 830 Mio. EUR eingebrochen, was vor allem auf eine Wertberichtigung von 616 Mio. EUR auf Universal Music, Rückstellungen von 550 Mio. EUR für das in den USA anhängige Gerichtsverfahren im Zusammenhang mit fehlerhaften Angaben zur finanziellen Situation vom Oktober 2000 bis August 2002 sowie die Stornierung zuvor gebildeter Steuerlatenzen bei Neuf Cegetel (420 Mio. EUR) zurückzuführen sei. Erfreulich habe sich mit einem Plus von 10,5% auf 7,8 Mrd. EUR der operative Cashflow entwickelt. Abzüglich Investitionen sei ein Free-Cashflow von 5,2 Mrd. EUR (+3,6%) verblieben. Vivendi wolle der Hauptversammlung Ende April die Beibehaltung des Dividendenniveaus von 1,40 EUR vorschlagen. Die Ausschüttung, die 67% des bereinigten Gewinns entspreche, solle ab dem 11. Mai erfolgen.

Für das laufende Jahr stelle der Konzern moderate EBITA-Verbesserungen in Aussicht, ohne dabei allerdings Details zu nennen. Das Unternehmen habe die Prognose mit Verweis auf konjunkturelle Unsicherheiten sowie den regulatorisch induzierten Preisdruck als vorsichtig bezeichnet. Große Hoffnungen würden die Franzosen vor allem auf das Geschäft mit Videospielen setzen. Der Medienriese wolle zur Steigerung des Marktanteils weiterhin in attraktive Inhalte sowie eine leistungsfähige Infrastruktur investieren.

Zudem sei Vivendi unverändert an der Verstärkung der Präsenz in Wachstumsmärkten interessiert, wobei Unternehmen mit Subskriptionsmodellen im Vordergrund stünden und die Akquisitionskandidaten bestimmten Rentabilitätskriterien genügen müssten. Der Verkaufserlös aus der Veräußerung des 20%igen Anteils an NBC von ca. 5,8 Mrd. USD dürfte genügend Spielraum für Zukäufe schaffen.

Der französische Medienriese habe mit den vorgelegten Ergebnissen für 2009 die Markterwartungen leicht übertroffen und die Widerstandsfähigkeit des Geschäftsmodells in konjunkturell schwierigen Zeiten erneut unter Beweis gestellt. Dies sei darauf zurückzuführen, dass der Konzern ca. 70% des Umsatzes auf Basis wiederkehrender Einnahmen (mehrjährige Verträge) erziele und nur eine geringe Abhängigkeit vom konjunktursensiblen Werbegeschäft aufweise. Vor diesem Hintergrund würden die Analysten Vivendi nach wie vor zu den defensivsten Titeln im Mediensektor zählen. Auf Basis der Konsensschätzungen für 2010 und 2011 weise die Aktie im Vergleich zur Peergroup im Hinblick auf beispielsweise KGV, Kurs/Umsatz- und Kurs/EBITDA-Verhältnis eine moderate Bewertung auf, was auch von einem Kurs/Buchwert-Verhältnis von unter 1 unterstrichen werde.

Die Dividendenrendite von erwarteten 7,6% für 2010 unterstreiche zudem die Soliditiät des subskriptionsbasierten Geschäftsmodells. Das in den USA anhängige Verfahren im Zusammenhang mit fehlerhaften Angaben zur finanziellen Situation vom Oktober 2000 bis August 2002 stelle zwar nach wie vor einen Belastungsfaktor dar, sollte inzwischen aber hinreichend bekannt sein. Nach Aussagen des Konzerns dürfte frühestens in zwölf bis 18 Monaten abzusehen sein, welche Belastungen (überhaupt) auf das Unternehmen zukommen würden.

Die in der Presse kolportierte Schadenssumme, die zwischen 4 und 9 Mrd. USD geschwankt habe, habe das Unternehmen erneut als "aus der Luft gegriffen" bezeichnet, was von der Diskrepanz zu den gebildeten Rückstellungen in Höhe von 550 Mio. EUR unterstrichen werde. Vivendi sehe gute Chancen, mit dem angestrebten Berufungsverfahren Erfolg zu haben.

Wenngleich nicht ausgeschlossen ist, dass der Fortgang des Verfahrens in den USA das Sentiment für den Titel von Vivendi zwischenzeitlich belastet, halten die Analysten der National-Bank AG auf dem attraktiven Bewertungsniveau am "kaufen"-Votum fest, passen das Kursziel im Einklang mit der Branchenbewertung indes auf 22 EUR an. (Analyse vom 01.03.2010) (01.03.2010/ac/a/a)

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