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Analysen - DAX 100
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02.12.2009
Salzgitter kaufen
SRH AlsterResearch
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www.optionsscheinecheck.de
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Hamburg (aktiencheck.de AG) - Claudius Schmidt, Analyst von SRH AlsterResearch, stuft die Aktie von Salzgitter (ISIN DE0006202005/ WKN 620200) mit "kaufen" ein.
Das diversifizierte Stahl- und Maschinenbauunternehmen repräsentiere eigentlich hochzyklische Branchen, die von der Rezession des Jahres 2009 besonders heftig betroffen seien. Dennoch stünden die Niedersachsen unvergleichlich viel besser da als jedwede Konkurrenz. Das Prädikat problematisch passe allenfalls temporär für einzelne Segmente, keineswegs aber charakterisiere es korrekt die wirtschaftliche Lage und die bilanzielle Standfestigkeit des Konzerns. Dennoch beurteile das Unternehmen den Fortgang der Geschäfte sehr vorsichtig.
Schritt für Schritt habe sich der Stahlmarkt seit Beginn des zweiten Quartals aus seiner tiefen Krise hervorgearbeitet. Diese Erholung falle weltweit sehr unterschiedlich aus. Produktionsrekorden in China stünden immense Rückgänge in Europa und den USA gegenüber. Die deutsche Stahlproduktion werde mit einem Umfang von etwa 32 Mio. Tonnen einen seit 1963 nicht gekannten Tiefpunkt markieren, doch gute Beteiligungsergebnisse (Aurubis) und deutlich positive EBIT-Beiträge des Bereichs Röhren würden, im Verbund mit einer sukzessive verbesserten Stahlkonjunktur, den Verlust mit etwas über 250 Mio. Euro in einem verträglichen Rahmen halten.
Für Kostenentlastung habe in nur geringem Umfang der Beschäftigungsabbau gesorgt (-2% seit 30.9.2008), aber immerhin jeder dritte Beschäftigte sei zeitweise von Kurzarbeit betroffen gewesen. Zudem hätten die gesunkenen Stahlpreise im Laufe des Jahres zum Teil überproportional an die Eisenerzlieferanten weitergegeben werden können. Zwei der drei großen Bereiche (Stahl und Röhren) und der kleinste der fünf Bereiche (Dienstleistungen) werden nach Einschätzung der Analysten von SRH AlsterResearch in Q4 deutlich positive operative Ergebnisbeiträge liefern können, ein nahezu ausgeglichenes EBITDA erwarten sie für den Handel.
Operativ negativ werde in Q4 nur noch der Bereich Technologie (Klöckner-Werke) abschneiden. Dessen EBITDA werde sich im Gesamtjahr auf mindestens minus 70 Mio. Euro summieren. 2010 sollte die deutliche Belebung der Auftragslage dort zumindest eine Aufhellung der Ertragslage möglich machen.
Nach wie vor stelle die starke Bilanz die Konkurrenz in den Schatten. Allein 21,1% der Aktiva (1,71 Mrd. Euro) der Bilanzsumme habe Salzgitter zum 30. September an liquiden Mitteln unterhalten. Die Netto-Cash-Position (der Saldo aus Cash und Finanzschulden) habe sich im letzten Quartal nochmals von 1,37 auf 1,66 Mrd. Euro erhöht. Die Eigenkapitalquote betrage knapp über 50%. Aus der Platzierung einer mit 1,125% verzinsten fünfjährigen Wandelanleihe, deren Wandlungspreis 25% über dem Referenzkurs von 66,80 Euro liege, habe zu Beginn des vierten Quartals ein Zufluss von 296 Mio. Euro resultiert.
Unter den Marktteilnehmern seien die Nachhaltigkeit und das Tempo der Erholung des Stahlsektors umstritten. Salzgitter selbst schätze die Lage nur sehr verhalten zuversichtlich ein und schreibe die jüngsten Zuwächse bei Aufträgen und Industrieproduktion auch niedrigen Energiepreisen und staatlichen Abwrackprämien zu. Die Rohstahlerzeugung sei im Konzern in den ersten neun Monaten um 36,4% eingebrochen, der Umsatzrückgang habe 38,2% betragen. Diese sehr rasch eingetretenen Verschiebungen kostenseitig aufzufangen, sei völlig unmöglich gewesen. Ein Nettoergebnis von -232 Mio. Euro nach Steuern nach drei Quartalen sei nirgends ein Grund zur Freude, doch der Verlust sei in Q3 geringer ausgefallen als in den beiden Vorquartalen.
Zudem scheine die Talsohle durchschritten. Die Aufträge würden anziehen, die Stahlpreise hätten sich stabilisiert, günstigere Lieferverträge mit den Erzproduzenten würden ebenso entlastend wie ein Bündel an Kostensenkungsmaßnahmen wirken. Die Lagerhaltung der Hauptabnehmer der Stahlkocher habe ihren tiefsten Punkt überschritten, leere Lager würden diese Kunden nunmehr vor Kaufzwang stellen. Daraus werde sich für Salzgitter 2010 ein Absatzplus von gut 10% ergeben. Ein Anziehen der Stahlpreise werde überdies höhere Margen erlauben. Gegenwärtig lägen die Preise rund ein Drittel unter den Höchstständen vom Sommer 2008; gegenüber Anfang 2007 bestehe bei den meisten Sorten noch ein Abschlag von 20%, lediglich Rohre und Hohlprofile seien knapp 10% teurer als vor zwei Jahren.
Salzgitter weise hinsichtlich Cash und Nettoliquidität ungewöhnlich gute Kennziffern aus. Ihre Schätzungen für das Ergebnis des laufenden Geschäftsjahres müssen die Analysten von SRH AlsterResearch zwar auf -4,12 Euro je Aktie nach unten korrigieren, angesichts des hohen Cash Flows, des mit 0,45 niedrigen KUV und der brillanten Bilanzverhältnisse würden sie dennoch nach wie vor einen Kurs von 74,00 Euro als angemessen betrachten.
Die Analysten von SRH AlsterResearch bewerten die Salzgitter-Aktie mit dem Rating "kaufen". (Analyse vom 02.12.2009) (02.12.2009/ac/a/d)
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