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Analysen - Neuer Markt
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24.04.2002
VIVA kaufen
Stadtsparkasse Köln
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www.optionsscheinecheck.de
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Die Analysten der Stadtsparkasse Köln stufen die Aktie der VIVA Media AG (WKN 617106) unverändert als Outperformer ein.
Das Kölner Unternehmen betreibe die beiden werbefinanzierten TV-Sender VIVA und VIVA Plus, welche im deutschsprachigen Raum über Kabel und Satellit ASTRA ausgestrahlt werden. Durch die Übernahme der Produktionsfirma BRAINPOOL TV AG wolle VIVA zu einem der führenden Musik-TV- und Young-Entertainment-Medienunternehmen aufsteigen. Künstler sollen gruppenübergreifend vermarktet werden, wobei sie von VIVA entdeckt und gezielt gefördert werden, um später bei von BRAINPOOL produzierten Shows und Serien zum Einsatz zu kommen. BRAINPOOL produziere Formate wie TV Total, Die Wochenshow, elton.tv und Ladykracher.
VIVA habe den niederländischen Musik-TV-Sender "The Box" vollständig übernommen. Über den Kaufpreis, der aus Barmitteln der VIVA Media AG gezahlt worden sei, haben die beiden Parteien Stillschweigen vereinbart. The Box sei ein interaktiver Sender, der neben der Teilnahme an Sendungen über SMS, Teletext und Internet auch die Möglichkeit biete, über Telefon ein eigenes Wunschprogramm zusammen zu stellen. Dabei sind die Einwahlgebühren der wesentliche Umsatzfaktor des niederländischen Senders. The Box sei über Kabel empfangbar und habe eine technische Reichweite von 76% bei 4,6 Mio. Haushalten. Der Eintritt in den niederländischen Markt sei ein weiterer Schritt in der Internationalisierungsstrategie der VIVA-Gruppe. Für das laufende Jahr seien Expansionen in zwei bis drei weitere Länder geplant. Mit liquiden Mitteln von rund 70 Mio. Euro sehe sich VIVA dafür gut gerüstet. Derzeit werden Gespräche in 10 bis 12 Ländern über Kooperationen oder Beteiligungen geführt.
Die Gesellschaft habe die Zusammenarbeit mit dem italienischen Fernsehsender Rete A aufgekündigt. Da der Sender "gravierende Konzeptveränderungen ohne Absprache" vorgenommen habe, sehe sich VIVA gezwungen, Rete A auf Schadenersatz zu verklagen. Gleichzeitig habe VIVA dem italienischen Sender untersagt, die Marke VIVA weiterzuverwenden. Zwischen VIVA und Rete A hatte es bereits in der Vergangenheit Unstimmigkeiten gegeben. Neben unterschiedlicher Auffassungen über die Programmgestaltung haben sich VIVA und Rete A auch nicht auf den Kaufpreis für die Erhöhung des 5%igen VIVA-Anteils an Rete A auf 60% einigen können, so dass die Verhandlungen ins Stocken geraten waren.
Im Geschäftsjahr 2001 sei das negative EBIT unter anderem durch erhebliche Abschreibungen und Wertberichtigungen auf 13,9 Mio. Euro ausgeweitet worden. Das EBITDA habe bei 4,87 Mio. Euro gelegen. Die Zahlen seien insgesamt besser ausgefallen als noch im Oktober 2001 prognostiziert. Der Konzernjahresfehlbetrag habe mit 9,65 Mio. Euro weitestgehend auf Vorjahresniveau gelegen. Der Umsatz sei trotz des schwachen Werbemarktes um rund 9% auf 60,1 Mio. Euro gestiegen. Bereits im vierten Quartal habe man durch die Entkonsolidierung der verlustträchtigen VIVA Zwei und VIVA Digital eine Rückkehr in die Gewinnzone erreichen können. VIVA Zwei und VIVA Digital seien im letzten Jahr in eine neue Gesellschaft, VIVA Plus Fernsehen GmbH, eingebracht worden, die ein Joint Venture der VIVA Media AG und AOL Time Warner darstelle. In diesem Zuge habe VIVA einen finanzstarken und erfahrenen Joint Venture-Partner gewinnen können, der bei dem mittelfristig geplanten Einstieg in den US-Markt von Nutzen sein könne.
Im laufenden Geschäftsjahr werden sich die Umsätze der VIVA-Gruppe durch die Integration von BRAINPOOL voraussichtlich auf rund 125 Mio. Euro verdoppeln. Diese werden weitaus diversifizierter sein als bisher. Weniger als 50% der Umsätze werden aus Werbung und circa 35% aus Licensing generiert. Das EBITDA der Gruppe werde auf 44 Mio. Euro prognostiziert, das EBIT solle bei 37 Mio. Euro liegen. Außerdem werde ein Jahresgewinn von 20 Mio. Euro angestrebt.
Die einst eigenständige Produktionsfirma BRAINPOOL habe in 2001 ein Umsatzplus von 14% auf 52,7 Mio. Euro verzeichnet. Durch das gescheiterte TV Total-Zeitschriftenprojekt sei ein Rekordverlust von 17,2 Mio. Euro ausgewiesen worden. Für das laufende Jahr werde eine weitere Steigerung der Umsätze erwartet. Die Sender ProSieben und Sat.1 haben bereits neue Staffeln für Ladykracher in Auftrag gegeben.
VIVA habe bereits im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2001 und damit anderthalb Jahre früher als beim Börsengang geplant in die Gewinnzone zurückkehren können. Die Aussichten für das Unternehmen seien insgesamt positiv. Die im zweiten Halbjahr erwartete Konjunkturerholung und die damit zusammenhängende Entspannung des TV-Werbemarktes sollten VIVA Auftrieb verleihen.
Für das Researchteam der Stadtsparkasse Köln ist VIVA Media weiterhin ein Outperformer.
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