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Analysen - DAX 100
01.09.2009
Wincor Nixdorf halten
Bankhaus Lampe

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Düsseldorf (aktiencheck.de AG) - Gordon Schönell, Analyst vom Bankhaus Lampe, stuft die Wincor-Nixdorf-Aktie (ISIN DE000A0CAYB2/ WKN A0CAYB) weiterhin mit "halten" ein.

Mit den Zahlen zum dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres habe die Gesellschaft klar die hohen Erwartungen des Marktes verfehlt. Hoch seien die Erwartungen gewesen, da die ersten beiden Quartale des laufenden Geschäftsjahres noch relativ gut verlaufen seien und zum Halbjahr ein Umsatzplus von 4,3% sowie eine EBITA-Marge von 8,4% habe erzielt werden können. Im dritten Quartal hätten sich dann auch, später als bei anderen Unternehmen, deutliche Spuren der Wirtschaftskrise gezeigt. Die Umsätze seien zwar nur um 10,6% zurückgegangen, angesichts der Tatsache, dass die Aktie für viele Anleger ein vermeintlich sehr konjunkturresistenter Titel gewesen sei, sei das doch eine negative Überraschung gewesen.

Getrieben seien die Umsatzrückgänge insbesondere durch ein schwaches Hardwaregeschäft gewesen (-23% in Q3). Insbesondere der Bereich EPOS (programmierbare elektronische Kassensysteme) habe sich dabei sehr schwach gezeigt, da die Retail-Kunden mit ihren Investitionen in Hardware sehr zurückhaltend seien. Das Software- und Service-Geschäft dagegen habe in Q3 um 5,5% zulegen können. Hier trage die Strategie der Gesellschaft, diesen Bereich intensiver anzugehen, Früchte.

Mit Blick auf die beiden Kundengruppen Banking und Retail hätten sich die Umsatzrückgänge mit -9,7% und -12,8% nahezu im Gleichschritt entwickelt. Überraschend stark seien die Margenrückgänge ausgefallen. Hier würden sich nach Erachten der Analysten drei Gründe für verantwortlich zeigen: Eine sinkende Fixkostendegression, ein hoher Preisdruck (Aufträge würden teilweise mit einer um mehr als 10% schlechteren Preisqualität abgerechnet) sowie der steigende Anteil des margenschwächeren Software- und Service-Geschäfts (Q3: 50,5%; Q1 bis Q2: 42,4%).

Nach neun Monaten habe der Umsatzrückgang bei nur 0,5% gelegen. Mit 8,0% habe die EBITA-Marge um nur 0,7 Prozentpunkte unter dem Niveau aus dem Vorjahreszeitraum gelegen.

Erwartungsgemäß habe die Gesellschaft die Prognose für das laufende Geschäftsjahr nach den Q3-Zahlen nach unten korrigiert. Demnach würden die Umsätze und die operativen Ergebnisse jetzt nicht mehr auf Vorjahresniveau liegen (2,32 Mrd. EUR), sondern die Umsätze leicht darunter und die operativen Ergebnisse durch den Margendruck entsprechend deutlicher unter dem Vorjahresniveau. Trotz nur noch zwei verbleibender Monate bis zum Geschäftsjahresende, habe sich die Gesellschaft im Rahmen der Q3-Zahlen nicht in der Lage gesehen, eine genauere Guidance zu geben.

Zwar finde bei den Banken teilweise wieder ein Umdenken in der Strategie statt und der Retail-Kunde rücke wieder vermehrt in den Fokus, doch bedeute dies nicht zwangsläufig, dass damit auch höhere Investitionen einhergehen würden. Die Banken würden vermehrt Ersatzinvestitionen tätigen und versuchen, mit geringem Mitteleinsatz ihr Retail-Geschäft zu stärken. Ebenso verhalte es sich im Bereich Retail. Auch wenn das Cash-Handling der Handelskonzerne enorme Kosten verursache, würden diese noch zurückschrecken, beispielsweise verstärkt in Self-Checkout-Lösungen zu investieren.

Die schwache Nachfrage sei vor allem auch ein Problem fehlender Finanzierungsmöglichkeiten der Kunden. Besonders stark habe es hier die ehemals aufstrebenden Regionen in Osteuropa erwischt. Gerade das Hardware-Geschäft komme stärker unter Druck. Der Weltmarkt werde in 2009 schrumpfen. Dem könne sich die Gesellschaft als einer der drei großen Player nicht entziehen. Allerdings werde die Gesellschaft voraussichtlich keine Marktanteile verlieren. Gerade in diesem Bereich verstärke sich auch der Preisdruck, da keiner bereit sei, Kapazitäten aus dem Markt zu nehmen und die Banken darüber hinaus preissensitiver geworden seien.

Deshalb werde die Gesellschaft versuchen unter anderem über den Software- und Servicebereich, in dem Potenziale gesehen würden, entgegenzuwirken. Das Wachstum habe Wincor Nixdorf in der Vergangenheit auch immer durch kleinere Akquisitionen beflügelt. Die Gesellschaft sei in einer soliden finanziellen Verfassung, um auch zukünftig hier wieder tätig zu werden.

Die langfristige Wachstumsstrategie baue auf vier Säulen auf. Dazu zähle die globale Expansion basierend auf der Marktführerschaft in Deutschland. In den Regionen Asien/Pazifik/Afrika sei es das Ziel der Gesellschaft, sich einen Platz unter den ersten Anbietern zu erkämpfen. Im wichtigen amerikanischen Markt, in dem vor allem die Konkurrenten Diebold und NCR stark seien, werde ein deutlicher Ausbau der eigenen Position angestrebt. Des Weiteren basiere die Wachstumsstrategie auf Innovationen. Die F&E-Ausgaben würden deshalb nach letzten Aussagen auf einem hohen Niveau bleiben. Die beiden anderen Säulen seien der Ausbau der High-End-Services und die Expansion in benachbarte Branchen.

Mit Blick auf das KGV sei die Aktie im Vergleich zur Historie günstig bewertet. Im Schnitt hätten die KGVs in den vergangenen Jahren zwischen 18 und 20 gelegen. Allerdings habe das Sentiment in der Aktie zuletzt stark gelitten, da die Gesellschaft mit ihren Ergebnissen zum dritten Quartal klar die Erwartungen verfehlt habe. Aufgrund der guten Vorjahresquartale könnten die nächsten Quartale nach Erachten der Analysten umsatz- und margenseitig Spielraum für Enttäuschungen bergen.

Die Analysten vom Bankhaus Lampe stufen die Wincor-Nixdorf-Aktie deshalb unverändert mit der Anlageentscheidung "halten" ein. Das Kursziel sehe man weiterhin bei 39,00 EUR. (Studie "MDAX-Guide Herbst 2009" vom 01.09.2009) (01.09.2009/ac/a/d)



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