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Analysen - DAX 100
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01.09.2009
Praktiker halten
Bankhaus Lampe
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Düsseldorf (aktiencheck.de AG) - Christoph Schlienkamp, Analyst vom Bankhaus Lampe, stuft die Aktie von Praktiker (ISIN DE000A0F6MD5/ WKN A0F6MD) unverändert mit "halten" ein.
Der Praktiker Konzern habe von Januar bis Juni 2009 insgesamt 1,896 Mrd. EUR umgesetzt. Das seien 5,1% weniger als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum gewesen. Währungsbereinigt habe der Rückgang lediglich bei 2,0% gelegen. Im deutschen Markt hätten die drei dort vertretenen Marken Praktiker, Max Bahr und extra BAU+HOBBY einen Umsatz auf Vorjahresniveau erzielt (1,405 Mrd. EUR beziehungsweise -1,0%).
Im deutschen Markt hättten die Umsatzrückgänge des ersten Quartals durch Umsatzsteigerungen im zweiten Dreimonatszeitraum fast vollständig aufgefangen werden können. Im Auslandsgeschäft habe sich die von der Weltwirtschaftskrise ausgelöste Rezession in wesentlich stärkeren Umsatzrückgängen niedergeschlagen. Das gelte vor allem für die Länder Osteuropas.
Eine wesentliche Veränderung der Umsatztrends gegenüber dem Jahresbeginn sei auch im zweiten Quartal nicht zu erkennen gewesen. In den ersten sechs Monaten sei der Auslandsumsatz um 15,0% auf 491,6 Mio. EUR zurückgegangen. Gut zwei Drittel dieses Minus habe damit zusammengehängt, dass die osteuropäischen Währungen seit Ende 2008 stark an Wert verloren hätten. In lokaler Währung gerechnet wären die Auslandsumsätze um 4,9% gesunken.
Die Rohertragsmarge habe sich im ersten Halbjahr 2009 um 2,3 Prozentpunkte auf 31,0% reduziert. Aufgrund von Marketingaktionen vor allem bei der Marke Praktiker habe der Anteil preisreduzierter Verkäufe zugenommen. Die Strategie sei, im aktuellen konjunkturellen Umfeld Vorräte zeitnah zu reduzieren. Zu dieser Verbesserung des Working Capitals (12/2008: 411,6 Mio. EUR, 6/2009: 382,2 Mio. EUR) seien Einbußen bei der Rohertragsmarge in Kauf genommen worden.
Die Kostensenkungen hätten im Konzern nicht ausgereicht, Umsatzrückgang und Einbußen im Rohertrag zu kompensieren, so dass das EBITA mit 68,1 Mio. EUR (BHLe: 66,0 Mio. EUR) um 14,8% hinter Vorjahr zurückblieben sei. Im Inland habe der Ergebnisrückgang im Wesentlichen mit Einbußen bei der Rohertragsmarge von Praktiker zusammengehängt (EBITA Q2 -18,4% auf 32,7 Mio. EUR). Max Bahr hingegen habe das operative Ergebnis trotz Umsatzrückgängen durch Sortimentsanpassungen, die Ausweitung von Eigenmarken und Kosteneinsparungen gesteigert (Q2: +19,6% auf 18,9 Mio. EUR).
Praktiker habe im ersten Quartal als Ersatz für geschlossene Altstandorte zwei neue Märkte eröffnet. Im zweiten Quartal seien keine weiteren Märkte hinzugekommen. Für die neuen Standorte, für Konzeptumstellungen, Modernisierungen und Ersatzinvestitionen seien im ersten Halbjahr insgesamt 13,0 Mio. EUR investiert worden (Vorjahr: 12,7 Mio. EUR). Die Zahl der Märkte sei mit 241 im Vergleich zum Ende des letzten Geschäftsjahres unverändert geblieben.
Bei der Analyse sei zudem zu beachten, dass die weiter notwendige Konsolidierung in der deutschen DIY-Branche gegenwärtig zu stocken scheine. Die Analyse der Top 10 der Branche zeige, dass es sich bei den Anteilseignern der Wettbewerber von Praktiker vor allem um familiengeführte Gesellschaften handle, deren strategische Antwort auf die Weiterentwicklung der Unternehmen nicht gegeben sei. In einem rückläufigen Markt würden Übernahmen auch nur dann Sinn machen, wenn man erstklassige Standorte erwerben könne.
Im Ausland sei die Positionierung von Praktiker als serviceorientierte Marke nicht infrage zu stellen. Die Auslandsmärkte in Osteuropa würden unverändert als Wachstumsmärkte gelten, auch wenn eine Abschwächung der gesamtwirtschaftlichen Aktivitäten zu erwarten sei. Russland sei aber unverändert kein Thema, weil hier auf absehbare Zeit nicht die Marktposition Eins oder Zwei erreicht werden könne.
Von den in den internationalen Märkten vorgehaltenen Sortimenten würden nur 10% zentral beschafft und entsprechend unterlägen 90% dem jeweils nationalen Einkauf. Diese auf den ersten Blick überraschende Zahl sei auf drei Punkte zurückzuführen. Zum einen würden die Konsumenten in gewissem Maße regionale Produkte erwarten. Zum anderen würden bestimmte Produkte zum Beispiel von Bosch nur über die jeweiligen Landesgesellschaften beschafft. Zudem würden Transportkosten bei Zement oder ähnlichen Produkten gegen eine zentrale Beschaffung sprechen.
In einem unsicheren konjunkturellen Umfeld halte das Management daran fest, alle Maßnahmen an der Sicherung von Ergebnis und Liquidität auszurichten. Das bereits früher beschriebene Programm zur Senkung der Aufwendungen werde weiterverfolgt. Dasselbe gelte für die Maßnahmen zur Liquiditätssicherung, etwa die Planung, die zahlungswirksamen Investitionen gegenüber dem Vorjahr deutlich auf ein Niveau von rund 80 Mio. EUR zurückzufahren. Hierzu habe der Konzern im Ausland eine Wachstumspause eingelegt. Für den Rest des Jahres seien jetzt nur noch zwei neue Standorte fest in der Planung.
Auch in der zweiten Jahreshälfte müsse damit gerechnet werden, dass der Umsatz hinter dem Vorjahresniveau zurückbleibe. Die Rohertragsmarge hingegen sollte sich gegenüber der Entwicklung des ersten Halbjahres wieder etwas erholen, da sich der Einfluss der Abwertungen in Osteuropa abschwäche. Außerdem sei für die Marke Praktiker in Deutschland geplant, die Marketingaktionen im zweiten Halbjahr zu reduzieren. Sinkende Beschaffungspreise sollten ebenfalls dazu beitragen, die Rohertragsmarge zu stabilisieren.
An den Maßnahmen zur Kostensenkung werde unverändert festgehalten, ebenso an der Absicht, die Vorräte weiter zu optimieren. Praktiker erwarte im Einklang mit den Analystenprognosen im weiteren Jahresverlauf keine nachhaltige Belebung. Damit bleibe es bei der Aussage: Moderater Rückgang des Umsatzes, jedoch weiterhin ein angemessenes, positives operatives Ergebnis (EBITA) (2008: 129 Mio. EUR, 2009: Bankhaus Lampe: 72 Mio. EUR).
Man erhöhe das Kursziel für die Aktie durch die gestiegenen Bewertungsmultiples der Vergleichsunternehmen von 7,00 EUR auf 9,50 EUR. Für eine weitere Aufwärtsbewegung der Aktie müssten nach Erachten der Analysten nachhaltige Verbesserungen im internationalen Geschäft erkennbar sein. Man glaube, dass die Wachstumsfantasie Osteuropa mittelfristig zurückkehre, sehe jedoch kurzfristig keine Treiber. Die Visibilität für das Geschäft sei nach wie vor national und international limitiert.
Die Analysten vom Bankhaus Lampe bewerten die Aktie von Praktiker weiterhin mit dem Rating "halten". (Studie "MDAX-Guide Herbst 2009" vom 01.09.2009) (01.09.2009/ac/a/d)
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