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Analysen - Nebenwerte
24.07.2009
Jungheinrich VZ kaufen
SRH AlsterResearch

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Hamburg (aktiencheck.de AG) - Der Analyst von SRH AlsterResearch, Claudius Schmidt, stuft die Jungheinrich-Aktie (ISIN DE0006219934/ WKN 621993, VZ) weiterhin mit "kaufen" ein.

Die Jungheinrich AG sei ein Vorzeigeunternehmen des deutschen Maschinenbaus und deshalb auch ein Spiegelbild seiner gegenwärtig tief greifenden Krise. Dennoch gelinge es den Hamburgern im laufenden Jahr, sich achtbar aus der Affäre zu ziehen. Sie würden, teils wegen ihrer Produktpalette, teils wegen der regional unterschiedlichen Marktdurchdringung, nur unterdurchschnittlich vom Niedergang betroffen sein und ihre Geschäftstätigkeit auf einem im Branchenvergleich hohen Niveau halten können. Trotz der stark geschrumpften Produktion gelte weiterhin, dass Jungheinrich nicht auf Halde, sondern auf Bestellung produziere. Allerdings seien eine Nachfragebelebung und damit steigende Stückzahlen nicht vor 2010 zu erwarten.

Der Ende 2008 einsetzende weltweite Abschwung bei Flurförderzeugen habe sich seither merklich verschärft. Das Marktvolumen sei im ersten Quartal 2009 massiv um fast 50% von 239.800 Stück auf 120.900 Stück eingebrochen. Den geringsten Rückgang habe die Volksrepublik China mit -29% aufgewiesen, den höchsten Osteuropa mit -77%. Es sei absehbar, dass der Branchenumsatz dieses Jahr auf ein Niveau zurückkommen werde, das zuletzt in den Neunziger Jahren gesehen worden sei. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 seien 713.000 Flurförderzeuge abgesetzt worden, 2009 würden es vermutlich deutlich unter 600.000 Stück sein. Auch im zweiten Quartal habe sich allem Anschein nach die Lage nicht verbessert.

Obwohl der Weltmarkt für Flurförderzeuge bereits im Schlussquartal des Vorjahres einen Rückschlag um 38% erfahren habe, habe Jungheinrich 2008 noch ein hervorragendes Jahr verzeichnet und den höchsten Umsatz und den zweithöchsten Jahresüberschuss seiner Geschichte verbuchen können. 2009 allerdings werde man sich nicht der globalen Rezession entziehen können. Die Analysten würden mit einem kräftigen Umsatzrückgang von wenigstens 20% rechnen. Trotz der eingeleiteten Sparmaßnahmen würden rote Zahlen deshalb im laufenden Jahr nicht zu vermeiden sein.

Die operativen Margen aller Hersteller hätten sich deutlich abgeschwächt. Der Aufbau neuer Produktionsstätten, der in den letzten ein bis zwei Jahren vor dem Hintergrund der starken Konjunktur ins Auge gefasst worden sei und sich nun in der Realisierungsphase befinde, führe zu einer Ausweitung der Kapazitäten, die auf einen deutlich geschrumpften Markt treffe. Bei Jungheinrich sei das Werk in Landsberg (bei Halle) mit einer Jahreskapazität für die Entwicklung und Produktion von 30.000 Elektroniederhubwagen planmäßig realisiert worden und habe zum 1. Juli die Produktion aufgenommen. Dagegen sei die Werkserrichtung in Degernpoint, die den Standort Moosburg (Bayern) mit der Produktion von Lager- und Systemfahrzeugen ergänzen sollte, wegen der Absatzkrise auf Eis gelegt worden.

Die Margen bei Jungheinrich würden wie bei Kion (dahinter würden sich die Marken Linde, Still und OM verbergen) von einen hohen Niveau kommen. Im ersten Quartal 2008 habe die EBIT-Marge 6% betragen. Prinzipiell komme Jungheinrich mit schwächeren Margen deshalb besser zurecht als die Konkurrenz. Zur Verteidigung von Marktanteilen sehe man sich zu Zugeständnissen bei der Marge in der Lage. Zudem sei es für Jungheinrich von Vorteil, dass seine Kunden schwerpunktmäßig aus den Branchen Logistik, Einzelhandel und Nahrungsmittelindustrie stammen, also von stabiler Grundauslastung profitieren würden und nicht den zyklischen Schwankungen unterworfen seien wie etwa chemische oder Automobilindustrie.

In der Konsequenz aus beiden Faktoren (Gewinnpufferung dank hoher Margen, stabile Abnehmerstruktur) sei die Schätzung der Analysten, dass der Umsatz von Jungheinrich im abgelaufenen ersten Halbjahr um etwa 20% niedriger ausgefallen sei und der Auftragseingang gut 25% rückläufig gewesen sein dürfte. Das bedeute dann aber gleichzeitig eine Steigerung der Marktanteile. Selbst die relative Schwäche Jungheinrichs im Spezialsegment dieselbetriebener Gegengewichtsstapler erweise sich als eine Stärke in der Krise.

An den beiden wichtigsten Standorten in Moosburg und Norderstedt (bei Hamburg) werde aufgrund des Absatzeinbruchs mindestens bis Oktober Kurzarbeit auf dem Programm stehen. Eine Trennung von Mitarbeitern (außer im Bereich der Zeit- und Leiharbeit) sei bislang aber nicht erfolgt: Die Mitarbeiterzahl per 31. März 2009 sei gegenüber dem Vorjahr sogar noch leicht angestiegen. Wenn der Umsatz und insbesondere der Auftragseingang auf dem niedrigen Niveau stagnieren würden, sei allerdings eine weitere Anpassung des Personalstands unvermeidlich, vor allem in Produktionsbereichen. Die erforderlichen Strukturmaßnahmen würden das Ergebnis 2009 belasten.

Jungheinrich lege großen Wert auf die technische Reife der Produkte, äußerst gute Fertigungsqualität und hohe Innovationskraft. Alle drei Komponenten zusammen würden den Wert der Marke ergeben. Auch 2009 werde die Zahl der Mitarbeiter im Bereich Forschung & Entwicklung mit 340 hoch bleiben; Aufwendungen in diesem Bereich würden 2% des Umsatzes für eine ausgereifte und am Markt etablierte Technologie ein beachtlicher Wert entsprechen.

Der Verkauf von Neugeräten könnte in den ersten fünf Monaten des Geschäftsjahres um etwa ein Drittel rückläufig gewesen sein, das Mietgeschäft und der Service um vielleicht 5%, während das Gebrauchtgerätegeschäft sein Vorjahresniveau gehalten haben dürfte. Der Auftragseingang habe im zweiten Quartal wahrscheinlich keine Verbesserung gegenüber Q1 erfahren.

Die gesamte Branche der Hersteller von Flurförderzeugen stehe vor beispiellosen Herausforderungen. Mit technologischer Kompetenz, klarer Konzentration auf eine Marke und einem nahezu weltweit aufgestellten Vertriebssystem sei es Jungheinrich in den vergangenen Jahren gelungen, hinter Toyota und Kion die Nr. 3 des Weltmarktes zu werden. Nicht alle der weltweit größten Anbieter würden die Durststrecke schadlos überstehen. Doch sei absehbar, dass Jungheinrich gestärkt aus der Krise hervorgehen werde. Dafür spreche die im Branchenvergleich sehr starke Bilanz.

Zudem zeige die derzeit geringe Ausschöpfung seiner Kreditlinien, dass notwendige Investitionen selbst im Falle einer längeren Talsohle nicht infrage gestellt seien. Den Vorteilen niedrigerer Kosten für Material und einer geringen Fertigungstiefe stünden ein relativ teurer Vertriebsapparat und hohe Fixkosten in der Verwaltung gegenüber.

Für Jungheinrich würden die Analysten 2009 auch angesichts des wieder erstarkten Euro gegenüber dem USD einen Umsatzrückgang von mehr als 20% auf unter 1,7 Mrd. unterstellen. Den Verlust würden sie auf 0,26 je Aktie schätzen. Für das kommende Geschäftsjahr würden die Analysten Umsatzstagnation, auf Ergebnisebene jedoch wieder durchgängig schwarze Zahlen prognostizieren. Das EPS 2010 würden sie auf 0,84 schätzen.

Auf Basis des Kurszielwerts der Analysten von 11,80 EUR sehe der KGV-Multiplikator von 14,1 (2010) zunächst ambitioniert aus, wenn die inzwischen üblichen Maßstäbe angesetzt würden. Dieser Eindruck relativiere sich bei Betrachtung anderer Multiplikatoren. Für das EV/EBITDA 2010 ergebe sich ein sehr einladender Wert von 2,8. Das KUV stelle sich auf gut 0,3.

Das Anlageurteil der Analysten von SRH AlsterResearch für die Jungheinrich-Aktie verbleibt auf "kaufen". (Analyse vom 24.07.2009) (24.07.2009/ac/a/nw)



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