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Analysen - Nebenwerte
14.04.2009
Grammer brandheiße Turnaround-Spekulation
TradeCentre.de

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Lichtenstein (aktiencheck.de AG) - Nach Ansicht der Experten von "TradeCentre.de" ist die Aktie von Grammer (ISIN DE0005895403/ WKN 589540) eine brandheiße Turnaround-Spekulation.

Der Automobilzulieferer habe im vergangenen Geschäftsjahr mehr als eine Milliarde umgesetzt und daraus ein EBIT von 32 Millionen Euro erwirtschaftet. Die EBIT-Marge habe bei 3,2 Prozent gelegen. Insgesamt seien die Zahlen angesichts der Wirtschaftslage ordentlich ausgefallen und hätten im Rahmen der Erwartungen gelegen. Zudem seien im operativen Gewinn bereits Einmalaufwendungen enthalten, die den Profit entsprechend belastet hätten. Unterm Strich habe der Konzern in 2008 rund 14 Millionen Euro verdient oder über 1,30 Gewinn je Aktie. Die Dividende werde entfallen. Der Schritt sei absolut richtig, da das Unternehmen nicht gerade im Geld schwimme und 2009 ein äußerst schwieriges Jahr für die Amberger werde. Jetzt Geld auszuschütten wäre schlichtweg unverantwortlich.

Grammer sei von der Finanz- und Wirtschaftskrise, die insbesondere die Automobilindustrie stark in Mitleidenschaft gezogen habe, als Zulieferer stark betroffen. "Wir haben jedoch schon in der zweiten Jahreshälfte des letzten Jahres angefangen die Kapazitäten anzupassen und uns auf die veränderte Situation vorzubereiten", sage den Experten Finanzvorstand Alois Ponnath im Hintergrundgespräch. Die Umbauarbeiten und Anpassung an das deutlich geringere Umsatzvolumen als in 2008 würden in diesem Jahr weiter fortgesetzt. Um gut 2.000 Leute werde die Firma verschlankt. "Ziel ist das Unternehmen auf einem Umsatzniveau von circa 700 bis 800 Millionen Euro zu stabilisieren, um auf diesem Niveau keine Verluste mehr zu schreiben", erkläre der CFO.

Restrukturierungen würden allerdings erst einmal Geld kosten und erst später ihre Wirkung zeigen. Das erste Halbjahr werde Grammer sicherlich mit einem Verlust abschließen. Ob die Verluste in der zweiten Jahreshälfte wieder aufgefangen würden, habe Ponnath nicht kommentieren wollen. "Aus heutiger Sicht ist das nicht einschätzbar. Unsere Visibilität ist derzeit gering". Der Umsatz werde sich in den ersten sechs Monaten um bis zu 30 Prozent reduzieren. Aktionäre des Unternehmens sollten 2009 zahlentechnisch getrost abhaken, da im Gesamtjahr ein Verlust nicht auszuschließen sei. Mittelfristig zeige sich der Finanzchef optimistisch wieder zur alten Margenstärke zwischen 3 und 3,5 Prozent zurückzukehren. Ob das bereits in 2010 der Fall sei, hänge allerdings von der weiteren Entwicklung der Weltwirtschaft ab.

Grammer verkaufe im Bereich Automotive zahlreiche Komponenten und Systeme für die PKW-Innenausstattung wie zum Beispiel Kopfstützen, Armlehnen und Mittelkonsolen. Von der Abwrackprämie profitiere das Unternehmen nicht. "Unsere Kunden kommen aus dem Premiumsegment und verkaufen wegen der Abwrackprämie, die meines Erachtens nur ein Strohfeuer ist, nicht mehr Autos", so der CFO. Im Bereich Sitzsysteme beliefere Grammer Bahnen, Busse, Lastwagen und Baumaschinen, was sich halbwegs stabil zeige.

An der Börse werde das Unternehmen lediglich mit 47 Millionen Euro kapitalisiert. Angesichts des Umsatzes und der Ertragsstärke in 2008, sowie des Buchwertes von über 170 Millionen Euro eher ein Scherz. Allerdings sei das Unternehmen auch mit rund 80 Millionen Euro netto verschuldet per Ende Dezember. Das sei zwar etwas hoch, aber längst nicht bedrohlich. 2009 werde sich die Verschuldung jedoch erhöhen. Sollte sich aber in der Summe immer noch in Grenzen halten. "Unsere Kreditlinien und unser Cash reicht aus, um das Unternehmen zu stabilisieren", sage Ponnath.

Die Aktie des Automobilzulieferers Grammer ist nach Meinung der Experten von "TradeCentre.de" eine brandheiße Turnaround-Spekulation. Mutige Investoren würden versuchen, bei Kursen zwischen 3 und 3,50 Euro zum Zuge zu kommen. Vorsichtige Anleger sollten hingegen noch etwas warten, da in den nächsten Monaten kaum positive Nachrichten zu erwarten seien. Mit ersten Lichtblicken rechne man bestenfalls erst in der zweiten Jahreshälfte. Übrigens hätten Anleger vor rund vier Jahren fast 30 Euro für einen Anteilsschein gezahlt. Kürzlich würden die Papiere lediglich noch ein Zehntel davon kosten. (Analyse vom 09.04.2009) (14.04.2009/ac/a/nw)

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