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Analysen - Nebenwerte
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11.09.2008
ARQUES Industries für hart gesottene Spekulanten
Geldanlage-Report
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www.optionsscheinecheck.de
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Gerbrunn (aktiencheck.de AG) - Nach Ansicht der Experten vom "Geldanlage-Report" eignet sich die Aktie von ARQUES Industries (ISIN DE0005156004/ WKN 515600) nur für hart gesottene Spekulanten.
Die Starnberger Beteiligungsgesellschaft sei ein typischer Vertreter der Gruppe an Unternehmen, die von der aktuellen Finanzkrise gehörig durcheinander gewirbelt werde. ARQUES Industries sei auf Übernahmen und Beteiligungen von Unternehmen spezialisiert, die sich aktuell in akuten Schwierigkeiten oder Umbruchsituationen befinden würden. Ziel sei immer eine grundlegende Restrukturierung und anschließende Wertgenerierung, beispielsweise durch den Weiterverkauf oder den Börsengang der betreffenden Beteiligung.
Das Geschäftsmodell funktioniere glänzend solange die Konjunktur laufe und Fremdkapital in Massen vorhanden sei. Kritisch werde es allerdings, wenn sich die Rahmenbedingungen verändern würden - so wie aktuell. Dann werde plötzlich die hohe Verschuldung, die vorher als Hebel für hohe Erträge von allen Seiten ausdrücklich begrüßt worden sei, zum Hemmschuh. Neue Finanzierungen würden durch restriktive Kreditvergabe der Banken erschwert. Gleichzeitig werde es in einem sich realwirtschaftlich eintrübenden Umfeld für die Beteiligungen selbst schwieriger den Turnaround zu schaffen.
Es gebe erste Misserfolge (wie beispielsweise die gescheiterte Restrukturierung bei der Drucktochter ARQUANA, die direkt in die Insolvenz gemündet habe), langjährige Vorstände würden sich vom Acker machen und auf einmal würden sich die Anleger in Scharen von der Aktie verabschieden, die sie vorher auf nicht für möglich gehaltene Hochs katapultiert hätten.
Kein Wunder, dass der neue Vorstand Dr. Michael Schumann nun auf die (Not-) bremse trete. Sei in den letzten Jahren kaum ein Monat vergangen, in dem nicht eine neue Beteiligung vermeldet worden sei, würden nun Problemfälle entsorgt soweit dies irgendwie möglich sei - und sei es zum Nulltarif!
Jüngste Beispiele: Am Donnerstag sei der Anlagenbauer Hottinger Maschinenbau "zu einem symbolischen Preis" veräußert worden, wie es in der Meldung dazu geheißen habe. Die gleiche Formulierung sei beim Verkauf der österreichischen Textilhandelskette Schöps Mitte August gewählt worden.
Das sei sicherlich der richtige Schritt, denn die Beteiligungsstruktur sei zunehmend unübersichtlicher geworden und ob die Managementkapazitäten ausreichend gewesen seien bzw. seien, um die Entwicklung bei allen Unternehmen in die gewünschte Richtung zu lenken, dürfe bezweifelt werden. Mit der Rücknahme der Gewinnprognose für 2008 von einem Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 275 Millionen Euro auf nun 200 Millionen Euro habe ARQUES Industries auch Schwierigkeiten im operativen Geschäft eingestanden.
200 Millionen Euro Gewinn bei einer Marktkapitalisierung von 234 Millionen Euro. Damit sei die Aktie doch spottbillig, könnte man auf den ersten Blick meinen. Aber zum einen dürfe beim EBITDA das "B" für "before" nicht außer Acht gelassen werden. Solle heißen: Ziehe man Zinszahlungen für die Kredite, Steuern und Abschreibungen ab, dann schrumpfe der Gewinn beträchtlich. Davon abgesehen seien der Gewinn und damit das KGV bei Beteiligungsgesellschaften sowieso eine denkbar ungünstige Größen für die Beurteilung des Unternehmenswerts. Denn mithilfe so genannter bilanzieller Aufschreibungen, die übernommene Firmen auf dem Papier mehr Wert sein lassen könnten, als dies tatsächlich der Fall sei, lasse sich der Gewinn stark beeinflussen. Vorsicht also vor Schnellschüssen!
Es würden sich zudem die Anzeichen dafür mehren, dass ARQUES Industries sich momentan selbst im Umbruch befinde. Es scheine eine klare Fokussierung auf wenige, aber dafür größere Beteiligungen zu geben. Aktuell erweise sich dies als Problem: Denn mit dem IT-Händler Actebis, der einen Großteil des Net Asset Values (NAV; ausgewiesener Wert aller Beteiligungen) auf sich vereine, habe man ein echtes Klumpenrisiko im Portfolio. Wohl und Wehe des Unternehmens sei von einem baldigen Börsengang oder profitablen Weiterverkauf von Actebis abhängig.
Gehe hier etwas schief, könnte das ARQUES Industries in arge Nöte bringen. Unabhängig davon seien die jüngst getätigten Übernahmen aber durchaus reizvoll und könnten sich im Nachhinein als Schnäppchen erweisen: So sei jüngst bekannt worden, dass man für das Schnurlostelefon-Geschäft der ehemaligen Siemens-Tochter SHC nur 45 Millionen Euro bezahlt habe. Siemens habe die Sparte unbedingt loswerden wollen, andere Interessenten hätten gezögert. Gut möglich, dass der ausgehandelte Preis sich im Rückblick als sehr attraktiv erweise.
Interessant sei, dass der SHC eigentlich glänzend zum Geschäftsmodell einer anderen Beteiligungsgesellschaft passe, der AURELIUS nämlich. Die hätten sich auf den Kauf von Unternehmensteilen großer Konzerne spezialisiert, die dort nicht (mehr) zum Kerngeschäft gezählt hätten. Dr. Dirk Markus, der Gründer von AURELIUS, habe auch zu den "Vätern" von ARQUES Industries gehört. Prompt werde diesem auch ein neu aufgeflammtes Interesse an ARQUES Industries nachgesagt. Demnach solle sich AURELIUS an ARQUES Industries beteiligen oder gar eine Mehrheitsübernahme anstreben. Ob Letzteres gelinge sei jedoch fraglich: Immerhin sei AURELIUS mit einer Marktkapitalisierung von 167 Millionen Euro aktuell noch kleiner als ARQUES Industries mit 234 Millionen Euro.
Momentan erlebe man turbulente Zeiten bei ARQUES Industries. Der Verkauf von nicht-performenden Beteiligungen solle das Schiff wieder auf Kurs bringen. Die Übernahme der Siemenstochter SHC sei möglicherweise zu einem sehr attraktiven Preis erfolgt. Viel hänge jedoch davon ab, ob der angestrebte Börsengang von Actebis gelinge. Im aktuellen Umfeld sei das schwer vorstellbar. Fantasie bringe ein möglicher Zusammenschluss mit AURELIUS, der Beteiligungsgesellschaft des ARQUES Industries-Mitbegründers Dr. Dirk Markus. Die Finanzierung sei jedoch noch offen.
Die Aktie von ARQUES Industries eignet sich aktuell nur für hart gesottene Spekulanten, so die Experten vom "Geldanlage-Report". Hohen Chancen stünden hohe Risiken gegenüber. (Analyse vom 11.09.2008) (11.09.2008/ac/a/nw)
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