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Analysen - DAX 100
28.08.2008
Tognum halten
Bankhaus Lampe

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Düsseldorf (aktiencheck.de AG) - Gordon Schönell, Analyst vom Bankhaus Lampe, stuft die Aktie von Tognum (ISIN DE000A0N4P43/ WKN A0N4P4) nach wie vor mit "halten" ein.

Die von der Tognum AG am 12.08. veröffentlichten Zahlen hätten beim Umsatz sowie beim Jahresüberschuss überraschen können. Der Auftragseingang und die EBIT-Marge (bereinigt) dagegen hätten unter den Analystenerwartungen gelegen. Die Umsätze seien im zweiten Quartal um ca. 18% gestiegen, während die Analysten nur von einem Wachstum von 10% ausgegangen seien. Im ersten Quartal habe das Wachstum lediglich bei 9% gelegen.

Sowohl das Segment MTU Engines (+20%) als auch das deutlich kleinere Segment Onsite Energy (+16%) hätten sich beim Umsatz gut entwickelt. Herausgeragt hätten dabei die Bereiche Marine (+43%) und Defence (+32%). Weiterhin rückläufig seien die Umsätze in Nordamerika gewesen. Die anderen Regionen hätten sich durchweg gut entwickelt.

Die angabegemäß anhaltend gute Marktsituation im Dieselmotorenbereich habe zu einem positiven Nachfrageaufkommen nach Einspritzsystemen geführt, die von der Tochter L’Orange angeboten würden. Im Teilmarkt Gelenkwellen, in dem unabhängig von den Off-Highway-Motoren und Systemgeschäften überwiegend Premiumhersteller von Automobilen bis 7,5 Tonnen beliefert würden, habe der Absatz in Europa über den Marktentwicklungen des gesamten Automobilmarktes gelegen. Im nordamerikanischen Markt sei dagegen eine deutliche Abschwächung zu verzeichnen gewesen.

Die EBIT-Margen seien in beiden Segmenten im zweiten Quartal aufgrund des schwachen US-Dollar erwartungsgemäß deutlich rückläufig gewesen. MTU Engines habe eine Marge von 15,4% erzielt (Q2/07: 17,0%) und Onsite Energy von 3,8% (7,3%). Sicherungsgeschäfte, Preiserhöhungen auf den US-Märkten sowie kontinuierliche Kostensenkungsmaßnahmen hätten nur teilweise kompensierend gewirkt.

Aufgrund einer mit 25,0% niedrigeren Steuerquote im zweiten Quartal als von den Analysten erwartet (31,0%), habe der Jahresüberschuss deutlich über den Analystenerwartungen gelegen. Eine im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gesunkene Nettofinanzverschuldung (643 Mio. EUR vs. 326 Mio. EUR) und ein damit verbundener niedrigerer Zinsaufwand hätten den Jahresüberschuss zudem positiv beeinflusst.

Der Auftragseingang habe im zweiten Quartal mit 773 Mio. EUR 2% unter dem Vorjahresniveau gelegen. Die Auftragseingänge hätten sich angabegemäß schwach entwickelt, da das entsprechende Vorjahresquartal durch eine Häufung überdurchschnittlicher Großaufträge sehr gut ausgefallen sei. Ende April habe die Daimler AG die restlichen Anteile (ca. 22%) vom Beteiligungsunternehmen EQT übernommen. Aktuell halte Daimler eine Sperrminorität (25% plus eine Aktie) an der Tognum AG.

Entsprechend aktueller Markterwartungen schätze Tognum, dass sich der USD-Wechselkurs im Jahresdurchschnitt 2008 nun deutlich schwächer als bisher erwartet auf einem Niveau von 1,55 USD/Euro bewegen werde. Trotz dieses negativen Effekts sei das Unternehmen zuversichtlich, gegenüber dem Vorjahr ein Umsatzwachstum im unteren Bereich des Zielkorridors (11 bis 13%) zu erreichen.

Auch mit den neuen Entwicklungen - hoher USD-Jahresdurchschnittskurs, höhere Preise für Energie und Vorprodukte sowie Vorleistungen für weiteres Wachstum und die rechtliche Abspaltung von Rotorion - rechne der Vorstand für 2008 weiterhin mit einer bereinigten EBIT-Marge im Zielkorridor von 13 bis 15%, wenn auch am Ende dieser Spanne. Damit werde das Niveau aus 2007 voraussichtlich nicht wiederholt werden können. Durch den zu erwartenden Umsatzanstieg liege das bereinigte EBIT allerdings über dem Niveau des Vorjahres. Unter der Annahme eines deutlich besseren Finanzergebnisses und einer weiter verbesserten effektiven Steuerquote von rund 30% erwarte der Vorstand unverändert eine Erhöhung des bereinigten Ergebnisses je Aktie von über 25% gegenüber dem Vorjahr auf mehr als 2,00 EUR.

Um auch in den nächsten Jahren weiter zu wachsen, plane das Management Ende 2009 mit der Teilefertigung in den USA zu beginnen. Dieser Ausbau der US-Aktivitäten sei Bestandteil einer globalen Produktionsneuordnung. Durch den damit verbundenen Aufbau von Fertigungskapazitäten im Ausland - zusätzlich zu den bestehenden ausländischen Montagewerken - werde Tognum unabhängiger von Wechselkurseffekten. Daneben sei die Vor-Ort-Produktion in vielen Ländern, wie beispielsweise in den USA, die Grundvoraussetzung zum Erhalt behördlicher Aufträge aus den Bereichen der Army oder Navy. Ferner werde Tognum ab Januar 2009 die Listenpreise im Motorenbereich für den Euroraum im Durchschnitt um 4% und im US-Dollarraum um durchschnittlich 7% anheben.

Um die Innovations- und Technologieführerschaft weiter auszubauen und das Know-how langfristig zu sichern, habe Tognum ein Joint Venture mit der Schweizer Hug Engineering AG als einem der Marktführer auf diesem Gebiet vereinbart. Ab Herbst dieses Jahres würden Spezialisten aus beiden Unternehmen in dem Gemeinschaftsunternehmen an der Entwicklung innovativer Abgasreinigungssysteme für die MTU-Großmotoren zur Erfüllung künftiger Emissionsrichtlinien arbeiten.

Die Analysten würden für das laufende Geschäftsjahr mit einem bereinigten Ergebnis pro Aktie von 1,95 EUR rechnen. Dies impliziere, dass sie davon ausgehen würden, dass Tognum die zuletzt bestätigte Guidance unter dem Strich nicht erreichen werde. Für 2009 würden die Analysten von einem weiteren Rückgang der operativen Marge ausgehen.

Mit Blick auf ihr konjunkturelles Szenario und vor dem Hintergrund der Zyklik, die sie in dem Geschäft trotz der breiten Aufstellung von Tognum sehen, stufen die Analysten vom Bankhaus Lampe die Tognum-Aktie nach wie vor mit dem Anlageurteil "halten" ein. Das Kursziel sehe man unverändert bei 16,00 EUR. (Studie "MDAX-Guide Herbst 2008" vom 27.08.2008) (28.08.2008/ac/a/d)



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