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Analysen - Nebenwerte
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28.08.2008
IKB verkaufen
Geldanlage-Report
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Gerbrunn (aktiencheck.de AG) - Die Experten vom "Geldanlage-Report" raten die Aktie der IKB (ISIN DE0008063306/ WKN 806330) nach wie vor zu verkaufen.
Wiederholt hätten die Experten hier in der Vergangenheit kritisch über die IKB berichtet. Was sich jetzt zeige, zu Recht. Der jetzt erfolgte Verkauf an den Finanzinvestor Lonestar zeige ein letztes Mal, wie schlecht es um die einst stolze Mittelstandsbank bestellt sei.
Mindestens 800 Millionen Euro hätten die Verantwortlichen erzielen können, gerade mal rund 150 Millionen Euro würden sie jetzt bekommen. Mehr wollte keiner der beiden übrig gebliebenen Interessenten bezahlen, so die Experten vom "Geldanlage-Report". Die Betonung liege wohl auf "wollte", denn die Verhandlungsposition des bisherigen Großaktionärs KfW sei massiv geschwächt worden.
Nach den bisherigen Milliardenzuschüssen hätten nach offizieller Lesart weitere Zahlungen die KfW selbst in ihrer Existenz gefährdet. Letztlich sei das aber zweitrangig, denn der Geschröpfte sei wieder mal der Steuerzahler. Von den 10,7 Milliarden Euro, die die Rettungsaktion insgesamt gekostet habe, würden 9,2 Millionen Euro die staatseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau KfW und der Bund, letztlich also der Steuerzahler tragen. Damit sei jeder Bundesbürger im Schnitt ungefragt zur Zahlung von 125 Euro verdonnert worden - ein echter Skandal.
Jeder Arbeitsplatz bei der IKB sei so mit mehreren Millionen Euro subventioniert worden. Die anderen Privatbanken seien dagegen mit relativ geringen Zahlungen fein raus.
Wie berichtet, habe das alte Management keinerlei Sanktionen zu befürchten. Hier sei rechtzeitig mit einer Manager-Haftpflichtversicherung ohne Eigenbehalt vorgesorgt worden. Vielleicht hätten ja die Verantwortlichen zumindest geahnt, dass sie im Verhältnis zur Größe der Bank völlig überzogene Risiken eingegangen seien.
Wer glaube, die Aktie sei mit der aktuellen Bewertung von 265 Millionen Euro und dem optisch niedrigen Kurs von 2,74 Euro ein Schnäppchen, der irre.
Die anstehende riesige Kapitalerhöhung, die noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der EU-Kommission zum Verkauf stehe, werde die Zahl der ausstehenden Aktien von 96,8 auf 585 Millionen Stück erhöhen. Damit werde jeder einzelne Anteilsschein im Wert erheblich verwässert, die Marktkapitalisierung springe auf 1,6 Milliarden Euro.
Hinzu komme: Es seien immer noch Risiken in der Bilanz enthalten, für die die Aktionäre gerade stehen müssten. Neben Lonestar seien das natürlich auch die Kleinaktionäre. Der erste Schritt von Lonestar: Die Wertpapierportfolios mit einem Nominalwert von 3,3 Milliarden Euro würden in eine Zweckgesellschaft ausgegliedert, damit sich die Bilanzzahlen verbessern würden.
Im Klartext heiße das: Die Restrisiken würden wieder einmal nur verschoben. Klar, was solle Lonestar auch anderes machen, wenn die Papiere am freien Markt aktuell quasi unverkäuflich seien. Dennoch sollten sich potenzielle IKB-Aktionäre verdeutlichen, dass die Risiken damit noch lange nicht verschwunden seien.
Schließlich habe die IKB ihre Investments in amerikanische Hypothekenpapiere vor dem Bekanntwerden der Milliardenverluste ebenfalls in Spezialgesellschaften versteckt, damit sie in der Bilanz nicht auftauchen würden - nichts Neues im Westen also.
Immerhin würden Insider Lonestar genug Sachverstand bescheinigen, um die Sanierung der IKB voranzutreiben. Zwar drohe eine Verschlechterung des Kreditratings, weil die KfW bzw. der deutsche Staat als Gläubiger nun nicht mehr da seien. Dies solle allerdings durch Rationalisierungsmaßnahmen und durch eine aggressive Neukundengewinnung mehr als wettgemacht werden. Die Analysten seien überwiegend skeptisch, ob das gelinge, und würden zum Verkauf der Aktie raten.
Übrigens, wenn Anlegern der Name Lonestar irgendwie bekannt vorkommen sollte, würden sie richtig liegen. Lonestar sei bereits 2004 hierzulande in Verruf geraten, weil das Unternehmen deutschen Banken riskante Kredite abgekauft und dann offenbar mit harten Bandagen einzutreiben versucht habe.
Das Überleben der Bank sei gesichert, aber die Risiken würden trotzdem enorm bleiben. Der neue Finanzinvestor Lonestar werde einen harten Sanierungskurs fahren, könne die Kreditrisiken aber nur auslagern, nicht wegzaubern. Zudem drohe zunächst eine Verschlechterung des Bonitätsratings.
Daher gilt: Die IKB-Aktie ist weiter zu meiden, so die Experten vom "Geldanlage-Report". (Analyse vom 28.08.2008) (28.08.2008/ac/a/nw)
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