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Analysen - Nebenwerte
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21.07.2008
cash.life meiden
SdK AktionärsNews
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www.optionsscheinecheck.de
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München (aktiencheck.de AG) - Die Experten von "SdK AktionärsNews" raten die Aktie von cash.life (ISIN DE0005009104/ WKN 500910) zu meiden.
Auf den ersten Blick sehe es nach einem bestechend einfachen und lukrativen Geschäftsmodell aus. Die cash.life AG kaufe Lebensversicherungskunden ihre Verträge zu einem Preis deutlich über dem offiziellen Rückkaufwert ab. Neu strukturiert und zum Paket geschnürt reiche sie diese dann als Geldanlage weiter an geschlossene Fonds, was für beide Seiten von Vorteil sei. Veränderte Rahmenbedingungen würden aber nun Zweifel mehren, ob das Geschäftsmodell tatsächlich trage.
Die Zukunft sei unsicher und die Aktie befinde sich im freien Fall. Zwar habe das Ankaufsvolumen im Geschäftsjahr 2007 um 17% auf 745 Mio. Euro erneut kräftig gesteigert werden können. Wie der neue Vorstandsvorsitzende Frank Alexander de Boer auf der mit nicht einmal 100 Aktionären schwach besuchten Hauptversammlung in München aufgezeigt habe, sei der Zuwachs aber in erster Linie durch Großpolicen und weniger durch direkt vom Versicherungsnehmer erworbene und besser verkäufliche Retailpolicen erreicht worden.
Hinzu seien die Auswirkungen der Finanzmarktkrise und das deutlich höhere Zinsniveau gekommen, was interessierten Fonds die Finanzierung erschwert habe, wenn nicht unmöglich gemacht habe. Der Policenverkauf habe sich deshalb rückläufig entwickelt und der Umsatz habe sich entsprechend auf 490 (524) Mio. Euro reduziert. Als Folge habe sich der eigene Handelsbestand um 55% auf 445 Mio. Euro erhöht - was wiederum für cash.life ein Finanzierungsproblem mit sich gebracht habe. Zwar sei das Zinsniveau abgesichert worden, dennoch sei die Marge durch die höheren Risikoaufschläge der Banken immer weiter zusammengeschrumpft und habe inzwischen nahezu Null erreicht.
Geld verdiene cash.life damit vor allem noch im Servicegeschäft, was aber nicht ausreiche, um sämtliche Kosten zu decken. Die gesamte Struktur der Gruppe sei nämlich auf starkes Wachstum ausgerichtet gewesen und außerdem habe Ex-Vorstand Stefan Kleine-Depenbrock das Geschäft auf immer neue Felder ausgeweitet und damit einen aufgeblähten Kostenapparat geschaffen. Nach der Analyse seines Nachfolgers sei dies ein klarer Fehler gewesen, da die Präsenz in Österreich oder auch die Etablierung eines Zweitmarkts für geschlossene Fonds letztlich nicht rentabel gewesen seien.
Auch die vor einem Jahr noch als großer Erfolg gefeierte Werbekampagne mit Sky Du Mont habe sich als Flop erwiesen. Die TV-Werbung habe zwar viele Nachfragen gebracht. Nur ein Bruchteil der Policen habe aber den Anforderungen von cash.life entsprochen und letztlich habe sich kaum Verwertbares ergeben, womit die vielen Anfragen nur die Kanäle blockiert hätten.
Die aufgeblähte Kostenstruktur gepaart mit den höheren Zinsaufwendungen habe das Ergebnis sehr stark belastet. Hinzu seien noch Aufwendungen für die erforderliche Restrukturierung gekommen, womit für 2007 statt der erwarteten Gewinnsteigerung ein Fehlbetrag von 2,8 Mio. Euro ausgewiesen werde. Im Vorjahr habe noch ein Überschuss von 6,9 Mio. Euro in den Büchern gestanden und es habe eine Dividende von 0,50 Euro gezahlt werden können, woran nun nicht mehr zu denken sei - ganz im Gegenteil müsse inzwischen ernsthaft die Frage gestellt werden, ob das Geschäftsmodell überhaupt noch funktioniere.
De Boer sei davon überzeugt und das Ergebnis des ersten Quartals 2008 scheine ihn zu bestätigen. Der Umsatz habe sich wieder um 7% auf 74,3 Mio. Euro erhöht und bereinigt um die Zinsderivate werde ein ausgeglichenes Ergebnis ausgewiesen. Insofern scheine zumindest keine akute Insolvenzgefahr zu bestehen, wie dies einige Skeptiker schon an die Wand malen würden. Ob und wann wieder Geld verdient werde, sei aber unklar.
Auch nach dem Absturz um mehr als 90% innerhalb eines Jahres ist die Aktie von cash.life nach Ansicht der Experten von "SdK AktionärsNews" deshalb kein Schnäppchen und sollte gemieden werden, bis klar ist, wie es weitergeht mit dem einstigen SDAX-Unternehmen. (Ausgabe 169 vom 18.07.2008)(21.07.2008/ac/a/nw)
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