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Analysen - Ausland
01.02.2002
ImClone "underperform"
Hornblower Fischer

www.optionsscheinecheck.de

Die Analysten von Hornblower Fischer stufen die Aktien von ImClone Systems (WKN 883074) mit "underperform" ein.

ImClone Systems ist ein Krebsspezialist, der bei der Tumortherapie drei Ansätze verfolgt. Das Unternehmen forsche intensiv nach Hemmern von Wachstumsfaktoren-Rezeptoren, antiangiogenetischen Präparaten und Krebsimpfstoffen. Das Kernprodukt von ImClone sei der monoklonale Antikörper Erbitux, der spezifische Oberflächenstrukturen von Krebszellen – wie EGFR (Epidermal Growth Factor Receptor) - erkennen kann. Durch eine Bindung an den Rezeptor hemme Erbitux seine Stimulierung und könne dadurch das Tumorwachstum größtenteils stoppen. Erbitux werde gegen mehrere Indikationen entwickelt, wobei die Kombination mit einer Strahlen- und Chemotherapie gegen das kolorektale Karzinom bzw. gegen Nacken- und Kopfkrebs die fortgeschrittensten Varianten darstellen. Für die erste Indikation werde das jährliche Umsatzpotenzial auf bis zu 1,5 Mrd. US-Dollar geschätzt.

Mit einer Zulassung gegen das kolorektale Karzinom sei ursprünglich bis Anfang 2002 gerechnet worden. Ende Dezember habe ImClone von der FDA jedoch einen vorläufig negativen Bescheid bekommen. Die FDA habe demnach zusätzliches Datenmaterial für eine Zulassung verlangt, was den Markteintritt von Erbitux nach dem jetzigen Stand der Dinge auf nicht absehbare Zeit verzögern werde. Sollten sogar weitere klinische Studien nötig sein, sei mit einer Zulassung nicht vor Ende 2003 zu rechnen. Konkurrenten wie OSI Pharma. , Abgenix und AstraZeneca (Iressa; Phase III) könnten sich dann früher Marktanteile sichern.

Einen weiteren Ansatzpunkt würden Anti-Angiogenese-Präparate darstellen. ImClones monoklonaler Antikörper IMC-1C11 hindere den Tumor an der Bildung von neuen Blutgefäßen zur Nährstoffversorgung und hemme dadurch sein Wachstum. IMC-1C11 befinde sich zwar noch in der Phase I, sei aber bereits mit Erfolg bei Patienten mit Dickdarmkrebs und Lebermetastasen eingesetzt worden.

Mit BEC2 (Phase III) entwickele ImClone ferner einen Krebsimpfstoff. Der Wirkmechanismus von BEC2 bestehe darin, dass der Impfstoff durch das Nachahmen des Tumorantigens GD3, das auf der Oberfläche von vielen Tumorzellen gefunden wurde, eine wesentlich stärkere Immunantwort gegenüber GD3-Krebszellen auslösen kann. Der Tumor werde somit verstärkt über das eigene Immunsystem bekämpft.

Mit Merck KgaA, Abbott Laboratories, American Home Products und GlaxoSmithKline verfüge ImClone über Kooperationspartnern, die die Expertise von ImClone auf dem Gebiet der Onkologie bestätigen. Im September 2001 habe ImClone den mit insgesamt 2 Mrd. US-Dollar bisher höchstdotierten Vertrag zwischen einem Biotechunternehmen und einem Pharmakonzern abgeschlossen. Bristol-Myers Squibb (BMY) sei bei der Vermarktung von Erbitux eingestiegen und werde hierfür 1 Mrd. US-Dollar zahlen. ImClone würden zusätzlich 60% des Gewinns aus den nicht-europäischen Verkäufen zustehen. Ferner wolle sich BMY mit 19,9% an ImClone beteiligen.

ImClone Systems habe im Bereich der Krebsforschung bis vor Kurzem noch zu den Topadressen im Biotechsektor gezählt. Kongressabgeordnete, die Börsenaufsichtsbehörde SEC und das amerikanische Justizministerium hätten aber kürzlich angekündigt, die klinischen Testreihen mit Erbitux genauestens zu untersuchen. Es bestehe der Verdacht, dass ImClone absichtlich schlechte Nachrichten aus den Studien zurückgehalten habe. Es würden Gerüchte kursieren, die FDA habe das Vorgehen in den Phase III-Studien unter Androhung der Durchführung von neuen Testreihen schon seit August 2000 (!!) kritisiert, ohne dass ImClone darauf eingegangen sei. Die Behörden würden weiterhin prüfen, ob das Management von ImClone bereits zu einem Zeitpunkt Aktien verkaufte, an dem der begründete Verdacht bestand, dass Erbitux mit den eingereichten Daten nicht auf dem Markt zugelassen werden würde.

Die Indizien würden sich verdichten, dass die Verzögerung in die Forderung nach neuen Testreihen mit Erbitux münden wird, was sogar den Patentschutz des Krebsmittels gefährden könnte. Die Produktpipeline sei damit stark angeschlagen, aber immer noch viel versprechend, anders als es die derzeitige Marktreaktion impliziere. Erbitux gegen verschiedene Indikationen und BEC2 seien aus wissenschaftlicher Sicht aussichtsreiche Medikamente. Aufgrund der momentanen starken Verunsicherung sollten Investoren ImClone aber strikt meiden, solange nicht die endgültige Entscheidung getroffen werde, ob und im welchen Umfang weitere klinische Studien mit Erbitux durchgeführt werden müssen.

Aufgrund der brodelnden Gerüchteküche um ImClone stufen die Analysten von Hornblower Fsicher den Wert trotz des bereits eingebrochenen Kurses bis auf weiteres auf "underperform" ab, zumal die momentane Situation und insgesamt nebulöse Nachrichtenlage keine seriöse und auf Fakten basierende Einschätzung erlaubt.



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