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Analysen - TecDAX
11.07.2008
Conergy verkaufen
SES Research

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Hamburg (aktiencheck.de AG) - Der Analyst von SES Research, Dr. Karsten von Blumenthal, bewertet die Aktie von Conergy (ISIN DE0006040025/ WKN 604002) unverändert mit dem Rating "verkaufen".

Conergy habe am 10.7.2008 bekannt gegeben, dass der Waferlieferungsvertrag mit MEMC neu verhandelt worden sei. Das Auftragsvolumen sei von USD 7 bis 8 Mrd. auf USD 4 Mrd. reduziert worden. Grund für die Neuverhandlung dürfte sein, dass Conergy die finanziellen Mittel zur Bezahlung der in diesen Verträgen üblichen Vorkasse gegenwärtig fehlen würden.

Zum Ende des ersten Quartals habe Conergy über einen Bestand an liquiden Mitteln in Höhe von knapp EUR 22 Mio. verfügt. Unter der Annahme, dass mit MEMC für 2008 eine Vorauszahlung von ca. 20% vereinbart worden sei, wären dieses Jahr umgerechnet insgesamt ca. EUR 100 Mio. fällig gewesen. Die Halbierung des Vertragsvolumens sollte eine entsprechende Halbierung der Vorauszahlung zur Folge haben.

Conergy erkaufe sich den offensichtlich dringend notwendigen zusätzlichen finanziellen Spielraum mit zwei Zugeständnissen: Zum einen erhalte das Unternehmen von Beginn an weniger Wafer als ursprünglich vereinbart. Ein schmerzhafter Verzicht, da die Solarfabrik nach wie vor unter Rohstoffmangel leide. Der Schritt signalisiere damit eine Abkehr jeder weiteren Ambition zur Rückwärtsintegration des Konzerns. Zum anderen seien die Waferpreise gesteigert worden.

Der zuletzt negative Newsflow aus drei für Conergy wichtigen Märkten dürfte das nächste Geschäftsjahr zu einer Herausforderung werden lassen: 1) Die ab 2009 in Deutschland einsetzende höhere Degression der Einspeisetarife für Solarstrom dürfte im Downstreambereich zu Margendruck führen. 2) Der spanische Vorschlag einer Beschränkung der Neuinstallationen insgesamt auf 300 MW und bei Freiflächenanlagen auf 100 MW in 2009 dürfte, sofern er in dieser Form umgesetzt werde, Conergy empfindlich treffen. Das Unternehmen habe vor kurzem einen 21 MW Park in Spanien fertig gestellt. Ähnliche Großprojekte würden in Spanien ab nächstem Jahr deutlich unwahrscheinlicher. 3) Die koreanische Regierung habe eine neue Einspeisevergütung beschlossen, die insbesondere bei größeren Anlagen über 3 MW zu einer Tarifreduktion von ca. 30% führe. Großprojekte wie Conergys 18 MW Solarpark bei der Hafenstadt Sinan dürften in Zukunft nur noch wenig lukrativ sein.

Die Tendenz der (geplanten) Änderung der Regulierung sei in allen drei Märkten gleich: Die Förderung werde gekürzt, und zwar insbesondere bei großen Anlagen und damit gerade in dem Marktsegment, in dem Conergy über die Tochter EPURON über eine starke Marktpositionierung verfüge. Die Schätzungen für 2009 würden daher reduziert.

Conergy befinde sich weiterhin in einer schwierigen Situation: Bei der für dieses Jahr geplanten Kapitalerhöhung von EUR 250 Mio. stehe bisher weder der Termin noch der Preis der neuen Aktien fest. Das volatile Marktumfeld dürfte die Platzierung erschweren. Dresdner Kleinwort habe die Erhöhung allerdings garantiert. Die Solarfabrik in Frankfurt/Oder produziere bis Mitte 2009 deutlich unterhalb der Kapazität. Statt der ursprünglich geplanten Modulproduktion von 250 MW dürften dieses Jahr lediglich 90 bis100 MW hergestellt werden. Die Eigenkapitalquote habe Ende des ersten Quartals nur noch gut 8% betragen. Die Finanzverschuldung belaufe sich auf ca. EUR 580 Mio.

Ein aktualisiertes DCF-Modell ergebe ein neues Kursziel von EUR 8,90 (bisher: EUR 9,50).

Vor dem Hintergrund der nach wie vor prekären Lage des Unternehmens und sich eintrübender Geschäftsaussichten empfehlen die Analysten von SES Research die Aktie von Conergy weiterhin zu verkaufen. (Analyse vom 11.07.2008) (11.07.2008/ac/a/t)

Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.



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