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Analysen - TecDAX
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08.04.2008
ADVA abwarten
TradeCentre.de
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www.optionsscheinecheck.de
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Lichtenstein (aktiencheck.de AG) - Die Experten von "TradeCentre.de" empfehlen bei der Aktie von ADVA (ISIN DE0005103006/ WKN 510300) mindestens die Zahlen für das erste Quartal abzuwarten.
Brian Protiva, Vorstandschef von ADVA, könne das Jahr 2007 getrost abhaken. Der Umsatz habe im vergangenen Geschäftsjahr 2007 251,5 Mio. Euro bei einem Pro-forma-Betriebsergebnis von lediglich 1,8 Mio. Euro erreicht. Das reguläre Betriebsergebnis habe minus 18,7 Mio. Euro erreicht. Netto habe der Verlust knapp 30 Mio. Euro betragen. Die einstigen Erwartungen habe das Unternehmen mit diesem Zahlenwerk meilenweit verfehlt. Das enttäuschende Resultat sei unter anderem auf stark gesunkene Umsatzbeiträge eines wesentlichen Vertriebskanals in den USA zurückzuführen. Gemeint sei hierbei der Verlust des Kunden Lucent der zugekauften Movaz in den USA. Hintergrund des Verlustes von Lucent sei der Merger mit ADVAs Konkurrent Alcatel. Zudem sei die Geschäftsentwicklung vor allem in Q4 mit Netzbetreibern aus Europa deutlich schwächer verlaufen als vom Vorstand einst erwartet.
Wie CEO Protiva den Experten von "TradeCentre.de" im Hintergrundgespräch erläutert, hat das Unternehmen in Europa und den USA (außer Sondersituation Lucent) nahezu keinen Kunden verloren. In jedem Fall keinen größeren. "In den USA verläuft das Geschäft erfreulich. Wir spüren bisher nichts von einer Rezession in den Staaten. Allerdings mahnt die makroökonomische Lage in den USA zur Vorsicht, weshalb das Jahr 2008 schwer zu planen ist", erkläre Protiva. Positiv stimme Protiva, dass zum Beispiel AT&T mehr als eine Mrd. USD in Netzinfrastruktur investiere. Auch die europäischen Anbieter müssten früher oder später wieder in ihre Infrastruktur Geld investieren, wovon ADVA profitieren sollte, habe der CEO gesagt. "Der Bedarf ist da. Aktuell wird aber nur nach Notwendigkeit investiert."
Aufgrund der insgesamt unsicheren Lage wollte Protiva den Experten von "TradeCentre.de" keine konkrete Umsatz- und Ergebnisprognose nennen. Ziel dürfte sein, dass ADVA in etwa einen Umsatz auf Vorjahresniveau erziele. Für Q1 rechne der Firmenchef mit einem Umsatz zwischen 51 und 55 Mio. Euro. Die Pro-forma-Betriebsmarge würden die Münchener bei minus acht bis minus vier Prozent vom Umsatz erwarten. Der angekündigte Aufwand für die Restrukturierung von drei Mio. Euro entfalle im Wesentlichen auf das Startquartal.
Für das zweite Quartal stelle Protiva Umsatzwachstum gegenüber Q1 in Aussicht. Möglicherweise gelinge in dieser Periode bereits wieder ein ausgeglichenes Ergebnis. Der CEO habe dies aber nicht versprechen wollen. Für das Gesamtjahr sei es allerdings das Ziel zumindest auf Pro-forma-Basis ein positives Betriebsergebnis zu erzielen. Netto hingegen werde ADVA erneut einen Verlust einfahren.
ADVA habe sich Anfang des Jahrtausends in einer existenziellen Krise befunden. In den Folgejahren sei ein sagenhafter Turnaround gelungen. Protiva sei zuversichtlich, dass ADVA erneut vor einem Comeback stehe. Allerdings sei die heutige Situation anders als damals. Positiv: ADVA stehe finanziell auf einer besseren Basis als vor ein paar Jahren. Negativ: Der Wettbewerb, vor allem aus China, im Markt für Equipment-Anbieter für die Telko-Industrie sei enorm und für ADVA eine immense Herausforderung.
Man sei gespannt, ob Protiva der Turnaround erneut gelinge. Nicht zu verachten sei allerdings, dass ADVA mit einer soliden Vertriebsstruktur in Europa gut aufgestellt sei. Für die amerikanische CIENA zum Beispiel wäre ADVA ein interessanter Kauf. Protiva würde sich nicht gegen eine Übernahme stemmen. "Wenn es strategisch sinnvoll ist, sind wir für eine Übernahme offen. Wir haben aber keine Not zu verkaufen. Gespräche bezüglich einer Übernahme von ADVA gab es in der Vergangenheit und wird es auch in der Zukunft geben. Wir betreiben aber keinen Verkaufsprozess für ADVA", habe der CEO gesagt.
Mit einem Börsenwert von 83 Mio. Euro sei das Unternehmen für einen Übernehmer nicht teuer. Erfreulich, dass Protiva selbst und die Beteiligungsgesellschaft EGORA, die zur Familie Protiva gehöre, jüngst eigene Aktien gekauft habe.
Nach der jüngsten Kurserholung raten die Experten von "TradeCentre.de" allerdings mindestens die Zahlen für das erste Quartal abzuwarten und vorerst die ADVA-Aktie nicht zu kaufen. (Analyse vom 07.04.2008) (08.04.2008/ac/a/t)
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