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Analysen - TecDAX
19.03.2008
ADVA halten
SES Research

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Hamburg (aktiencheck.de AG) - Der Analyst von SES Research, Malte Schaumann, empfiehlt die Aktie von ADVA (ISIN DE0005103006/ WKN 510300) unverändert zu halten.

Die von ADVA für 2007 veröffentlichten operativen Größen Umsatz und Pro-forma-EBIT hätten in 2007 leicht über den Erwartungen gelegen. Infolge höherer Abschreibungen auf immaterielles Vermögen sowie auf latente Steuern seien das tatsächliche EBIT und das Nettoergebnis etwas hinter den Prognosen zurückgeblieben. Das Pro-forma-EBIT sei um liquiditätsneutrale Aufwendungen für Aktienoptionen sowie Abschreibungen auf immaterielles Vermögen aus Akquisitionen bereinigt.

Relevanter als die 2007er Zahlen sei, angesichts der geringen Visibilität für die Entwicklung in 2008, der entsprechende Ausblick von ADVA. Dieser trage jedoch kaum zu einer signifikanten Erhöhung der Visibilität bei, da sich das Unternehmen auf eine Prognose für das 1. Quartal beschränkt habe.

Mit Erlösen in Höhe von EUR 51 Mio. bis EUR 55 Mio. erwarte ADVA im ersten Quartal im Wesentlichen eine flache Entwicklung gegenüber dem Vorquartal. Dies reflektiere eine anhaltende Investitionszurückhaltung, insbesondere der europäischen Kunden. Daher sei mit größeren Netzwerk-Roll-Outs derzeit nicht zu rechnen, was deutlicheres Wachstum in 2008 verhindere.

Graduell höhere Investitionen dürften zu einem leichten Wachstum von Quartal zu Quartal führen. Erst gegen Ende des Jahres dürfte eine Rückkehr zu einem Umsatzniveau von EUR 60 Mio. und mehr auf Quartalsbasis möglich sein. Für das Gesamtjahr sei ein Umsatzrückgang gegenüber dem Vorjahr zu erwarten. Unter Exklusion der Erlösbeiträge von Alcatel-Lucent, die im Jahresverlauf als bedeutender Movaz-Vertriebspartner weggefallen seien, entspreche dies einer im Wesentlichen flachen Entwicklung.

Erst 2009 dürfte ADVA zu positiven Wachstumsraten zurückkehren können. Die mittelfristigen Wachstumstreiber seien unverändert notwendige Investitionen der Telekommunikationsunternehmen, um mit einer effizienten Netzwerkstruktur (IP-Netzwerke) den steigenden Bandbreitenanforderungen, ausgelöst durch zunehmende Videoapplikationen, begegnen zu können.

Trotz des Wegfalls der außerordentlichen Aufwendungen sei für die kommenden beiden Jahre nicht mit einer überzeugenden Ergebnisentwicklung zu rechnen. Wesentliche Kostenpositionen würden trotz rückläufiger Erlöse ansteigen. Mit der stärkeren Fokussierung des Direktvertriebs würden sich die Vertriebsaufwendungen erhöhen. Dies sei bereits in den Aufwendungen des vierten Quartals deutlich geworden. In 2008 sei mit einer Ausweitung der Vertriebsaufwendungen auf 17,5% vom Umsatz zu rechnen (2007: 13,4%).

Unter anderem die Verstärkung des Management-Teams in der zweiten Jahreshälfte 2007 führe zu erhöhten Verwaltungs-Aufwendungen. Eine Erhöhung der Nettoaktivierungen der Entwicklungsaufwendungen führe zu einer leichten Entlastung der Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen. Für die Restrukturierung mit dem Abbau von 75 Arbeitsplätzen würden in 2008 Aufwendungen in Höhe von EUR 3 Mio. anfallen. Diese dürften jedoch durch entsprechende Entlastungen in vergleichbarer Höhe kompensiert werden.

In Summe ergebe sich eine Erhöhung der operativen Aufwendungen von gut 39% auf über 46% vom Umsatz. Hieraus resultiere ein in 2008 negatives Pro-forma-EBIT in Höhe von EUR -8,3 Mio. (Marge: -3,7%) Allein im vierten Quartal dürfte sich mit Erlösen in Höhe von EUR 62 Mio. wieder ein positiver Wert ergeben.

Ein steigender, operativer Leverage führe in 2009 nur zu leicht positiven Pro-forma-EBIT-Größen von erwartet knapp 1% vom Umsatz. Damit bleibe ADVA noch weit hinter den zweistelligen Margenzielen zurück. Abschreibungen auf immaterielles Vermögen und Aufwendungen für Aktienoptionen würden zu negativen tatsächlichen Ergebnisgrößen auch in 2009 führen. ADVAs Wettbewerbsqualität bestehend aus technologisch führenden Produkten auf Basis von Ethernet und optischen Lösungen könne damit kurzfristig nicht in ausreichende Ergebnisbeiträge transformiert werden.

Nach einem leicht positiven Free Cashflow in 2007 habe die Netto-Cash-Position zum Jahresende bei EUR 4,5 Mio. mit einer Bruttoliquidität in Höhe von EUR 41,6 Mio. gelegen. Vor dem Hintergrund des negativen Pro-forma-EBIT bei gleichzeitig signifikanten Aktivierungen von Entwicklungskosten sei sowohl in 2008 als auch in 2009 mit negativen Free Cashflows im Bereich von EUR -10 Mio. bis EUR -13 Mio. zu rechnen. Da ein Großteil der Verbindlichkeiten Laufzeiten bis 2010 bzw. 2012 aufweise, bestehe kurzfristig kein dringender zusätzlicher Finanzierungsbedarf.

Die fokussierte Aufstellung auf der Produktseite und breite Kundenbasis besäßen eine hohe Attraktivität für größere Unternehmen wie Nokia Siemens, die mit einer Übernahme Lücken im eigenen Produktportfolio schließen könnten. Synergien zur anschließenden Steigerung der Profitabilität hätten sich insbesondere über den Vertrieb realisieren lassen. Angesichts des derzeitigen Kursniveaus könnte in 2008 ein entsprechendes Gebot erfolgen.

Die bestehenden erheblichen Unsicherheiten über die weitere Entwicklung in den kommenden Quartalen hätten nicht beseitigt werden können. Im weiteren Jahresverlauf dürfte vor allem die wenig überzeugende Ergebnisperspektive in den Vordergrund treten. Eine höhere Investitionsneigung aufseiten der Telekommunikationsunternehmen würde für ein positives Umfeld sorgen, hierfür seien derzeit allerdings keine Anzeichen zu erkennen. Ein Übernahmeangebot könnte für positive Impulse sorgen.

Ein DCF-Modell deute auf mittelfristiges Bewertungspotenzial oberhalb von EUR 3 hin, allerdings verbunden mit erheblichen Unsicherheiten über die mittelfristig erzielbaren Ergebnismargen. Aus dem gleichen Grund erscheine eine Orientierung an Umsatz-Multiplikatoren von Peer-Unternehmen wenig aussagekräftig. Daher werde ADVA dieses Potenzial in der nächsten Zeit kaum ausnutzen können.

Das Kursziel von EUR 2 nach vorher EUR 4 orientiere sich an einem möglichen Preis im Fall einer Übernahme und daher mit einem Abschlag am volumengewichteten Durchschnittskurs der vergangenen 3 Monate. Dieser wäre eine Untergrenze im Übernahmefall und liege derzeit bei EUR 2,39 je Aktie.

Das Rating der Analysten von SES Research für die ADVA-Aktie lautet weiterhin "halten". (Analyse vom 19.03.2008) (19.03.2008/ac/a/t)

Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.



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