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Analysen - Nebenwerte
19.12.2001
S.A.G. Solarstrom Wiederanfang
Baader Bank

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Die Aktie der S.A.G. Solarstrom AG (WKN 702100) präsentiert sich heute mehr denn je als Anlage für Personen mit gesellschaftlichem Verantwortungsbewusstsein, die mehr Gewicht auf Umwelt als auf Rendite legen, so die Analysten von Baader.

Über 300 Aktionäre (Präsenz: 17% des Grundkapitals) seien der Einladung zur Hauptversammlung der S.A.G. Solarstrom AG, Freiburg, gefolgt gewesen. Alleinvorstand Dr. Harald Schützeichel habe in einem über zweistündigen Vortrag ausführlich Rechenschaft über das vergangene Geschäftsjahr (Ende 30.04.) abgelegt und die aktuelle und zukünftige Entwicklung skizziert. Mit 3,9 kWp Leistung sei die S.A.G. mittlerweile größter Solarstromproduzent Europas. 73% der Leistung seien in Deutschland, 18% in der Schweiz und 9% in Österreich installiert.

Die S.A.G. habe einen hohen Bekanntheitsgrad erworben, was nicht zuletzt auf die professionelle PR-Arbeit von York Ditfurth (23 Pressekonferenzen und 41 Pressemeldungen allein im vergangenen Geschäftsjahr) zurückzuführen sei. Durch die gescheiterte 4. Kapitalerhöhung sei das Schiff jedoch auf Sand gelaufen, so Dr. Schützeichel. Die Planzahlen könnten nicht mehr aufrechterhalten werden, Mitarbeiter seien bereits entlassen worden.

Aufgrund eines Formfehlers habe die bereits begonnene Kapitalmaßnahme rückgängig gemacht werden müssen. Rund 42 Mio. DM zuzüglich 4% Verzinsung seien an die Zeichner zurücküberwiesen worden. Die gesamten Kosten der Maßnahme beziffere das Unternehmen auf 4,167 Mio. DM. Davon seien 1,1 Mio. DM bereits im abgelaufenen Geschäftsjahr verbucht worden.

Der neue Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Heller habe erklärt, dass die S.A.G. gegen den verantwortlichen Rechtsberater beim Landgericht Freiburg Klage auf Schadenersatz einreichen werde. Bis zum 31. Dezember laufe jedoch die Zeichnungsfrist einer neuen Kapitalerhöhung - aus Genehmigtem Kapital - in Höhe von maximal 3,5 Mio. DM (700.050 Stückaktien), bei der das Bezugsrecht der Altaktionäre ausgeschlossen sei. Zum Zuge kämen vorwiegend Aktionäre, die bei der gescheiterten Erhöhung bereits gezeichnet hätten. Der Ausgabebetrag der jungen Aktien liege bei 6,12 Euro pro Aktie.

Die der Hauptversammlung zur Beschlussfassung vorgelegten Punkte seien alle mit großer Mehrheit (>90%) bewilligt worden. Der Vorstand sei mit 92%, der Aufsichtsrat mit 90% der Stimmen entlastet worden. Das Geschäftsjahr werde ab 1. Januar 2003 auf das Kalenderjahr umgestellt. Die Monate Mai bis Dezember 2002 würden deshalb ein Rumpfgeschäftsjahr bilden. Bereits im laufenden Jahr werde die S.A.G. ihren Jahresabschluss erstmals sowohl nach HGB als auch nach IAS aufstellen.

Veränderungen gebe es auch im Aufsichtsrat, der sich nunmehr aus Dr. Heller (Vorsitz), Dr. Thilo Bode und Markus Ziener zusammensetze. S.A.G.-Gründer und Aufsichtsratsvorsitzender Georg Salvamoser sei mit Wirkung vom 1. August 2001 ausgeschieden. Als Nachfolger habe die Hauptversammlung Dr. Thilo Bode, von 1995 bis 2001 Geschäftsführer von Greenpeace International, gewählt. Für Überraschung habe der unerwartete Rücktritt von Alfred Ritter gesorgt. Er habe sein Ausscheiden ebenso wie Salvamoser mit Interessenskonflikten als Teilhaber der von Salvamoser geführten Solarfabrik GmbH begründet, die lange Zeit Solarmodul-Exklusivlieferant für die S.A.G. gewesen sei. Für Ritter sei Markus Ziener nachgerückt.

Die zukünftige Gruppenstruktur der S.A.G. Solarstrom AG solle im ersten Quartal 2002 umgesetzt werden und sehe wie folgt aus: die bestehenden Tochtergesellschaften in Österreich und in der Schweiz blieben unverändert. In Deutschland solle die S.A.G. Solarstrom Vertriebsgesellschaft mbH als 100%ige Tochter der AG gegründet werden. Sie werde organisatorisch zwischen der Muttergesellschaft und den deutschen Töchtern wie der Solar-Akademie GmbH und der MeteoControl GmbH angesiedelt sein.

Die teilweise äußerst heftig vorgetragene Kritik der Aktionäre, speziell des Vertreters der SdK, habe in erster Linie den Formfehler der Kapitalerhöhung, das schlechte Ergebnis sowie den Rücktritt von Herrn Salvamoser angeprangert. Die gestellten Anträge auf Sonderprüfung der Kapitalerhöhung, auf Schadenersatzansprüche gegen Vorstand und Aufsichtsrat sowie auf Entlastungsverweigerung des Vorstands und Aufsichtsrats erhielten jedoch keine Mehrheit bzw. seien zurückgezogen worden.

Vorstand Dr. Schützeichel habe einige ergänzende Erklärungen zum Jahresabschluss abgegeben. So beinhalte der Jahresfehlbetrag in Höhe von 3 Mio. DM rund 900 TDM an Kosten der dritten und rund 1,1 Mio. DM an Kosten der vierten Kapitalerhöhung. Kosten für Kapitalmaßnahmen würden nach den Empfehlungen der DVFA (Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Anlageberatung) als außerordentliche Aufwendungen gelten, um die das Jahresergebnis zu bereinigen sei.

Demzufolge könne die S.A.G. im abgelaufenen Geschäftsjahr zwar kein positives Ergebnis, jedoch einen positiven operativen Cash Flow nach DVFA/SG ausweisen. Die trotz des Jahresfehlbetrags abzuführende Ertragsteuer in Höhe von rund 500 TDM stamme von der profitablen Tochter SES, mit welcher satzungsbedingt kein Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag geschlossen werden könne. Mit der Gründung einer Vertriebsgesellschaft werde dieses Problem beseitigt.

Die in der Bilanz ausgewiesenen Verbindlichkeiten in Höhe von 21 Mio. DM seien nahezu ausschließlich zinslose Kredite aus dem 100.000 Dächer-Programm der Bundesregierung. Demgegenüber stehe ein verzinstes Guthaben von 25 Mio. DM, welches jedoch der S.A.G. kurzfristig nicht zur Verfügung stehe, sondern für die Förderkredite habe verpfändet werden müssen. Über die freie Liquidität der S.A.G. seien keine Angaben gemacht worden.

Aus der aktuell laufenden Kapitalerhöhung fließen dem Unternehmen knapp 8,4 Mio. DM (brutto) zu. Die Planzahlen für die kommenden Jahre seien ernüchternd. Für das GJ 2004/05 - die beschlossene Änderung des Geschäftsjahres sei hier nicht berücksichtigt - strebe man einen Umsatz von 13,1 Mio. DM an. Dies entspreche einer CAGR (jährliche Wachstumsrate) von 8,7% zwischen 2001 und 2005. Zum Vergleich: vor der Kapitalerhöhung sei man für 2004/2005 von 47,5 Mio. DM ausgegangen gewesen.

Vorstand Schützeichel habe von einem "Wiederanfang" gesprochen, der auf drei Geschäftsbereichen fuße: Bau und Betrieb solarer Großkraftwerke, Handel mit Solaranlagen (Solarprivat-Kampagne) sowie als dritter und neuer Bereich Energieserviceleistungen. Dazu sei zusammen mit der Schweizer Meteomedia GmbH das Joint Venture MeteoControl GmbH mit Firmensitz in Augsburg gegründet worden. Meteomedia gehöre dem bekannten Fernsehmeteorologen Jörg Kachelmann und könne auf Daten von rund 400 deutschen Wetterstationen zurückgreifen.

Für das laufende Geschäftsjahr prognostiziere die S.A.G. einen Verlust in Höhe von 4,7 Mio. DM. Rund 3 Mio. DM davon würden aus der gescheiterten Kapitalerhöhung stammen. Im kommenden Geschäftsjahr (2002/03) solle erstmals der Break-Even erreicht sein. Die bislang errichteten Solarkraftwerke würden der S.A.G. jährliche Umsätze in Höhe von 3,5 Mio. DM garantieren. Hinzu kämen die Zinserträge aus dem eingefrorenen Guthaben. Den wesentlichen Beitrag zum Gruppenergebnis werde auch zukünftig die SES beisteuern, welche im vergangenen Jahr bei einem Umsatz von 8,5 Mio. DM rund 0,7 Mio. DM Gewinn erwirtschaftet habe. Der Geschäftserfolg der Anfang 2002 startenden MeteoControl GmbH sei noch nicht abzusehen. Planzahlen seien hierzu nicht veröffentlicht worden.

Die S.A.G.-Aktie präsentiert sich heute mehr denn je als Anlage für Personen mit gesellschaftlichem Verantwortungsbewusstsein, die mehr Gewicht auf Umwelt als auf Rendite legen, so die Analysten von Baader.



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