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Analysen - DAX 100
21.01.2008
ARQUES Industries "buy"
VISCARDI AG

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München (aktiencheck.de AG) - Die Analysten der VISCARDI AG stufen die Aktien von ARQUES Industries (ISIN DE0005156004/ WKN 515600) mit "buy" ein.

Der vorzeitige Rücktritt von CEO Dr. Vorderwülbecke trotz zahlreicher Beteuerungen, seinen Vorstandsvertrag bis Ende des Jahres erfüllen zu wollen, ziehe einen massiven Vertrauensverlust des Kapitalmarkts an die Glaubwürdigkeit des Managements und die Funktionsfähigkeit des Geschäftsmodells nach sich. Bereits COO Zöllner und Firmengründer Dr. Loew hätten sich im vergangenen Jahr kurzerhand von ihren Aufgaben entbinden lassen; innerhalb nur eines Jahres sei damit der komplette Vorstand ausgetauscht worden.

Laut Ansicht der Analysten der VISCARDI AG habe dabei in allen Fällen die Kurzfristigkeit des Ausscheidens für Verwunderung gesorgt, im jüngsten Fall auch die Begründung, wonach Dr. Vorderwülbecke "nicht auf eine Vertragsverlängerung eingestellt war". Dass dieser Rücktritt auch die übrigen Vorstandsmitglieder überrascht haben müsse, zeige sich nach Ansicht der VISCARDI-Analysten darin, dass der Nachfolger Dr. Schuhmann neben den Funktionen des CEO und CFO immer noch die für ARQUES nicht ganz unbedeutende Rolle des Chief Acquisition Officers CAO erfüllen solle; neben diesen operativen Tätigkeiten sei er primärer Ansprechpartner für Investor Relations-Aktivitäten.

Die bislang zurückgetretenen Vorstandsmitglieder, insbesondere Dr. Loew und Dr. Vorderwülbecke, seien in hohem Maße polarisierende Führungspersönlichkeiten, die nach der Beobachtung der VISCARDI-Analysten für eine Reihe von ARQUES-Mitarbeitern eine Identifikationsfunktion eingenommen hätten. Neben dem Vertrauensverlust würden die Analysten der VISCARDI AG auch in der Abwanderung weiterer Schlüsselpersonen, insbesondere aus der zweiten Reihe, eine Gefährdung des Geschäftsmodells sehen. Dies gelte umso mehr, als dass die Arbeitsverträge von ARQUES standardmäßig offensichtlich nicht mit längerfristigen Wettbewerbsklauseln versehen seien und das Abwanderungsrisiko von Schlüsselpersonen vom jetzigen Management unterschätzt werde. Da die Sanierung notleidender Unternehmen in hohem Maße von den involvierten Spezialisten abhängig sei, dürfte der Verlust von Mitgliedern der 80-köpfigen Task Force nur schwer zu kompensieren sein.

Mit Aurelius, Bavaria und Adcuram, um nur drei Beispiele zu nennen, seien in den letzten beiden Jahren nicht zuletzt auch aus den Reihen ehemaliger ARQUES-Vorstände eine Gruppe von Gesellschaften entstanden, die das ARQUES-Geschäftsmodell kopiert hätten und damit als potenzielle neue Arbeitgeber in Frage kämen. Die Analysten der VISCARDI AG hätten daher mittelfristig mit der Gründung weiterer Turnaround-Spezialisten gerechnet.

Der beste Weg für eine Rückgewinnung des verloren gegangenen Vertrauens seien nach Ansicht der Analysten der VISCARDI AG Unternehmensverkäufe. Von den fünf bis zehn Unternehmen, die grundsätzlich als exit-fähig angesehen würden, rechne das Management im laufenden Jahr mit fünf bis acht Exits. Allerdings werde die Wahrscheinlichkeit, dass ARQUES die Exit-Guidance erfülle, auf dem Conference Call lediglich mit "mehr als 50%" beziffert. Vor allem die Trade Sales von Missel Schwab und JaKe, mit denen VISCARDI bereits 2007 gerechnet habe, dürften noch im ersten Quartal abgeschlossen sein. Herausragende Bedeutung nehme unverändert der Börsengang von Actebis ein.

Bei einem erwarteten Umsatz 2008 von EUR 3,8 Mrd. dürfte die Marktkapitalisierung des IT-Distributors bei über EUR 300 Mio. liegen. Auf dem Conference Call sei vom Management ein perfektes Kapitalmarktumfeld zwar nicht als Voraussetzung für das Gelingen des IPOs angesehen worden. Im gegenwärtigen Kapitalmarktumfeld würden die VISCARDI-Analysten einen Börsengang allerdings ausschließen.

Mit einem Abschlag von 46% zum NAV werde ARQUES auf dem aktuellen Kursniveau selbst zu einem Übernahmekandidaten. ARQUES werde derzeit mit einem 2009er KGV von 1,7x und mit dem 1,0fachen EV/EBITDA 09e gehandelt.

Die Analysten der VISCARDI AG bewerten die ARQUES-Aktie mit einer eigens entwickelten Bewertungsmethode und bekräftigen ihr "buy"-Rating. Nach Bereinigung um einen Holding-Abschlag von 10% ergäbe sich damit ein Kursziel von EUR 24,00 pro Aktie (alt: EUR 52). (Analyse vom 21.01.2008) (21.01.2008/ac/a/d)



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