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Analysen - Ausland
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13.11.2007
LUKoil mit Kurspotenzial
Rohstoff-Report
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www.optionsscheinecheck.de
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München (aktiencheck.de AG) - Die Experten von "BörseGo" sehen in ihrem aktuellen "Rohstoff-Report" für die Aktie von LUKoil (ISIN US6778621044/ WKN 899954) weiteres Kurspotenzial bis 76 Euro, später dann sogar bis 100 Euro.
LUKoil, dessen Hauptquartier in Moskau stehe, fördere pro Tag fast zwei Millionen Barrel Öl und Gas. Der Konzern verfüge über ein Öläquivalent von 20,1 Milliarden Barrel. Damit liege er weltweit auf Platz zwei nach ExxonMobil und vor BP. Bei den Rohölreserven übertreffe der russische Energieriese alle anderen an der Börse gehandelten Unternehmen der Welt. Sie würden 16 Milliarden Barrel betragen. Das seien 0,4 Prozent der weltweiten Ölreserven.
Der LUKoil-Konzern sei allerdings wenig mit westlichen Konzernen vergleichbar. Das liege an der politischen Struktur Russlands. Dort seien die Machtverhältnisse der angeblich untergegangenen Sowjetunion noch immer am Leben. LUKoil gehöre mehrheitlich seinen russischen Managern. Der US-Ölkonzern ConocoPhillips halte allerdings 20 Prozent der Anteile. Nach Angaben von Moskauer Medien halte der russische Milliardär und Ex-Ölminister des Sowjetunion Wagit Alekperow einen Anteil von 13 Prozent. Der Konzern befinde sich also im Einflussbereich Putins und der ihm verbundenden Ex-Sowjets und sei Teil deren Strategie. Daher gebe es kaum neutrale Informationen zu dem russischen Konzern.
Die Aktie (Marktkapialisierung rund 50 Milliarden Euro) werde außerhalb Russlands auch in London und in den USA, dort aber nur in einem sehr abgelegenen Freiverkehr der NASDAQ (Pink Sheet) gehandelt. Die Amerikaner - abgesehen von den Managern bei ConocoPhillips - könnten anscheinend mit dem politisch bedingt undurchsichtigen Firmengebilde wenig anfangen. Der umsatzstärkste Auslandsmarkt des russischen Papiers sei Deutschland.
Wer in Russland investiere, sollte sich auch auf die dort herrschende Politik einstellen. Das von Putin und seinen Freunden regierte Imperium sei eine Mischung aus Zarenreich und Sowjetunion. Von Demokratie keine Spur. Unliebsame Manager würden hinter Gitter fliegen, falls man sie am Leben lasse. Herbeigezogene Vorwürfe, wie etwas Steuerhinterziehung oder Amtsmissbrauch, würden sich beliebig konstruieren lassen, um unliebsame Personen aus dem Weg zu räumen. Die Aktie habe also nichts mit Marktwirtschaft zu tun, sondern sei ein Spielball der Oligarchien, also einem Klüngel mächtiger politisch vernetzter Personen.
Trotz explodierender Ölpreise - seit Jahresanfang habe sich der Energieträger um mehr als 50 Prozent verteuert - hätten es die Russen fertig gebracht, in diesem Jahr bislang einen Gewinnrückgang auszuweisen. In der ersten Jahreshälfte 2007 sei der Nettogewinn gegenüber dem Vorjahr um 4,8 Prozent auf 3,816 Milliarden Dollar gefallen. Der Gewinn je Aktie sei im selben Zeitraum um 5,2 Prozent auf 4,59 Dollar zurückgegangen. Der Umsatz sei allerdings im ersten Halbjahr 2007 um 7,5 Prozent auf 35,932 Milliarden Dollar geklettert. Für die Diskrepanz mache der Konzern einen überproportionalen Anstieg der Betriebskosten verantwortlich. Diese operativen Kosten seien um 30,5 Prozent auf 2,914 Milliarden gestiegen. Noch stärker würden aber die exorbitanten russischen Steuern am Gewinn zehren: Die Steuern (einschließlich des sogenannten Exportzolls) seien um 9,5 Prozent auf 10.712 Milliarden Dollar geklettert. Das bedeute ungefähr ein Drittel der Umsätze würden als Abgaben an den russischen Staat fließen.
Die internationalen Investmentbanken würden die Aktie allerdings wohlwollend beurteilen. Schließlich wollten die Finanzkonzerne weiterhin mit Russland Geschäfte machen. Die UBS und Merrill Lynch würden "kaufen" empfehlen, J.P. Morgan rate "übergewichten".
Die Aktie habe in diesem Jahr jedoch die Preisexplosion völlig verpasst. Die Aktie sei nicht prima gelaufen - wie etwa die US-Energieriesen ExxonMobil oder Chevron - sondern dümpele heute tief unter dem Vorjahresstand. Damit sei LUKoil der Flop des Jahres unter den Energie-Titeln. Anscheinend misstraue der Aktienmarkt der Willkür des russischen Staates. Putin und sein Gefolge würden sehr viel Geld brauchen, um ihre Macht auszuweiten. Der Traum von der Wideraufstehung des Zarenreichs oder der großartigen Sowjetunion, koste viel Geld. Für den Traum einer Rückkehr zur Weltmacht würden - etwa mit Hilfe der russischen Exportsteuer auf Öl - die Kassen von LUKoil geplündert. Der Tanz mit dem russischen Bären sei eben gefährlich.
Die LUKoil-Aktie hat weiteres Kurspotenzial bis 76 Euro, später dann sogar bis 100 Euro, so die Experten von "BörseGo" in ihrem aktuellen "Rohstoff-Report". (Ausgabe 22 vom 12.11.2007) (13.11.2007/ac/a/a)
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