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Analysen - Neuer Markt
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19.11.2001
comdirect halten
LB Baden-Württemberg
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Anja Ostrinsky, Analystin der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), bewertet die comdirect-Aktie (WKN 542800) mit "halten".
Kerngeschäftsfeld der comdirect, die nach ihrem Börsengang im Juni 2000 noch zu knapp 59% der Commerzbank gehöre, sei das Direct Brokerage. Mit 585.000 Kundendepots sei sie neben ihrem Wettbewerber Consors Marktführer in Deutschland. Im Ausland, wo die comdirect bislang noch in Großbritannien, Frankreich und Italien vertreten sei, führe sie 24.000 Depots.
In den ersten neun Monaten 2001 habe die comdirect einen Nettoverlust von 46,4 Mio. Euro ausgewiesen. Nach 18 Mio. Euro im ersten und knapp 19 Mio. Euro im zweiten Quartal habe sich der Verlustbeitrag der vergangenen drei Monate jedoch auf 9,6 Mio. Euro verringert. Verantwortlich seien hierfür neben einem überraschend hohen sonstigen betrieblichen Ergebnis erfreulich deutliche Erfolge bei der Kostenkontrolle. Als Belastung hätten sich dagegen eine Abschreibung von 9,9 Mio. Euro auf die Beteiligung an der Online-Versicherungsplattform Censio sowie der starke Rückgang des Provisionsüberschusses erwiesen. Die Depotzahl habe sich im dritten Quartal trotz des negativen Marktumfelds und der drastisch verringerten Marketingausgaben um immerhin gut 13.000 erhöht.
Mit insgesamt 500 neuen Kunden sei die Expansion der Töchter in Frankreich und Italien auch im dritten Quartal sehr schleppend verlaufen. Da der Break-even immer weiter in die Zukunft rücke, plane die comdirect, die beiden Töchter noch in diesem Jahr zu veräußern oder notfalls zu schließen. Als Folge dürfte im vierten Quartal 2001 eine Abschreibung von maximal 182 Mio. Euro den comdirect-AG-Abschluss belasten. In den Ergebnisschätzungen für 2001 sei diese Wertberichtigung nicht berücksichtigt. Zukünftig wolle die comdirect nur noch in Deutschland und Großbritannien tätig sein und damit ihre bislang erfolglose Europastrategie aufgeben. Angesichts der hohen Kosten und des ausbleibenden Erfolgs des Frankreich- und Italiengeschäfts begrüße man die strategische Trendwende sehr.
Bei der Ergebnisrechnung für das dritte Quartal sei vor allem die deutliche Verringerung der Verwaltungsaufwendungen hervorzuheben. Auch für 2002 rechne man auf der Kostenseite, auch vor dem Hintergrund der Desinvestitionspläne in Frankreich und Italien, nur mit einem sehr moderaten Anstieg. Den Strategiewandel bei ihrer Auslandsexpansion erachte man als sehr sinnvoll. Die Aktie der comdirect halte man für angemessen bewertet.
Gerade auch vor dem Hintergrund der Bewegung, die durch die Probleme der Consors-Mutter SchmidtBank in die Direct-Brokerage-Wettbewerbssituation in Deutschland kommen dürfte, behalten die Experten der LBBW ihre Halten-Einschätzung der comdirect-Aktie bei.
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