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Analysen - Ausland
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10.09.2001
Air Liquide halten
Nord LB
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Für den Analysten Thorsten Strauß von der Norddeutschen Landesbank ist die Aktie der Air Liquide SA (WKN 850133) weiterhin eine "Halteposition".
Im ersten Halbjahr 2001 habe der Konzern seinen Umsatz um 12,9% auf 4,31 Mrd. Euro gesteigert. Dabei habe das Wachstum im zweiten Quartal gegenüber dem ersten Vierteljahr spürbar nachgelassen. Der Bereich Gases & Services, auf den 83% des Gesamtumsatzes entfielen, habe einen Erlöszuwachs von 15,9% erzielt. Darin spiegele sich unter anderem der Anstieg der Erdgaspreise wider, an den die Industriegaspreise gekoppelt seien. Sowohl die Verkäufe an große Industrie-Unternehmen als auch die Geschäfte mit der Elektronikindustrie haben kräftig zugelegt. Das Betriebsergebnis im ersten Halbjahr sei um 12,4% auf 595,5 Mio. Euro gewachsen. Beim Ergebnis vor Steuern habe die Zuwachsrate mit 8,5% als Folge eines verschlechterten Finanzergebnisses und gestiegener sonstiger Aufwendungen deutlich niedriger gelegen. Der Reingewinn habe sich wegen der gesunkenen Steuerquote um 11% auf 328,6 Mio. Euro verbessert. Dank des Rückkaufs eigener Aktien sei das Ergebnis je Anteil stärker um 12,2% auf 3,67 Euro gewachsen.
Angesichts des sich verschlechternden Wirtschaftsumfelds und erwarteter rückläufiger Lieferungen an die Elektronikindustrie gehe das Management von einer weiteren Wachstumsverlangsamung beim Umsatz im zweiten Halbjahr aus. Hinzu komme der nachlassende Effekt höherer Gaspreise, der insbesondere im ersten Quartal wirksam gewesen sei. Um das Ergebnis je Aktie im Gesamtjahr in ähnlicher Weise zu steigern wie im ersten Halbjahr, plane das Unternehmen zusätzliche Maßnahmen zur Kostensenkung.
Die für den Dreijahreszeitraum 2001 bis 2003 vorgegebenen Ziele seien bekräftigt worden. Danach solle der Reingewinn um etwa 50% gesteigert werden. Durch den Erwerb von 7 bis 8 Millionen eigener Aktien würde sich das Ergebnis je Aktie um bis zu 55% verbessern.
Derzeit plane Air Liquide lediglich kleinere Zukäufe in besonders expansiven Geschäftsfeldern. Großakquisitionen dürften angesichts der bereits erreichten Branchenkonzentration schnell auf den Widerstand der Kartellbehörden stoßen. 300 Mio. Euro seien bis 2003 für Akquisitionen auf dem Gebiet medizinischer Anwendungen vorgesehen, 400 Mio. Euro stünden für Käufe von Aktivitäten rund um die Elektronik zur Verfügung. Der Höhepunkt der Anlageinvestitionen, die zur kräftigen Ausweitung der Produktionskapazitäten geführt haben, sei überschritten.
Die Nord LB rechnet im laufenden Geschäftsjahr mit einem Umsatz in Höhe von 8,8 Milliarden Euro sowie einem Jahresüberschuss (JÜ) von 720 Millionen Euro, was einem Gewinn von 8,05 Euro je Aktie entspreche. In 2002 solle der Umsatz auf 9,5 Milliarden Euro ansteigen. Beim JÜ erwarte das Researchteam 800 Millionen Euro.
Trotz des defensiven Charakters des Unternehmens, der vor allem in der breiten geographischen und produktmäßigen Aufstellung begründet sei, könne sich auch Air Liquide nicht völlig von der Konjunkturschwäche abkoppeln. Vor diesem Hintergrund erschienen die Ertragsziele bis zum Jahr 2003 sehr ehrgeizig, zumal der Rückkauf eigener Aktien bisher noch nicht das notwendige Volumen erreicht habe. Die im Branchenvergleich hohe Bewertung sei mit der Marktposition und dem überdurch-schnittlichen Wachstum zu rechtfertigen, begrenze aber das weitere Kurspotential.
Das Researchteam der Nord LB bleibt daher bei seiner Empfehlung, die Aktie zu halten.
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