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Analysen - Nebenwerte
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19.12.2006
Bertrandt halten
Bankhaus Lampe
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www.optionsscheinecheck.de
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Düsseldorf (aktiencheck.de AG) - Der Analyst vom Bankhaus Lampe, Roland Könen, stuft die Aktie der Bertrandt AG (ISIN DE0005232805/ WKN 523280) von "kaufen" auf "halten" zurück.
Bertrandt habe vor wenigen Tagen die endgültigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2005/06 (30.09.2006) veröffentlicht. Diese seien insgesamt sehr positiv ausgefallen, hätten jedoch nicht mehr überraschen können, nachdem die Gesellschaft bereits Ende November vorläufige Daten publiziert habe. In den Zahlen sei zu erkennen, dass sich der positive Trend der ersten drei Quartale auch in den letzten drei Monaten des Geschäftsjahres fortgesetzt bzw. sogar noch intensiviert habe.
In Summe habe der Konzern seinen Umsatz um 11% auf 241 Mio. EUR steigern können. Das operative Ergebnis habe 14,3 Mio. EUR nach 1,8 Mio. EUR in der Vorjahresperiode erreicht. Bertrandt habe dabei neben der Umsatzausweitung in allen Kernbereichen auch von den im Vorjahr umgesetzten Maßnahmen zur Optimierung der Strukturkosten profitiert. In den einzelnen Segmenten habe der Konzern nicht nur jeweils die Erlöse steigern können. Auch die Margen hätten sich zum Teil deutlich verbessert: Digital Engineering (Umsatz: +10%; EBIT-Marge: von 1,0% auf 5,5%), Physical Engineering (Umsatz: +4%; EBIT-Marge: von -1,3% auf +5,9%), Elektrik/Elektronik (Umsatz: +27%; EBIT-Marge: von 4,0% auf 7,7%).
Darüber hinaus sei das Vorjahresergebnis mit Sonderaufwendungen in Höhe von 4 Mio. EUR belastet gewesen, die insbesondere auf Restrukturierungsaufwendungen sowie operative Verluste der Tochtergesellschaften Bertrandt UK und ZR Zapatka + Ritter zurückzuführen gewesen seien. Auch bereinigt um diese Aufwendungen, errechne sich immer noch mehr als eine Verdoppelung des EBIT.
Das Ergebnis je Aktie habe insgesamt 0,78 EUR erreicht und damit noch leicht über den optimistischen Analysten-Schätzungen von 0,74 EUR gelegen. Nachdem Bertrandt aufgrund der negativen Ergebnisentwicklung in 2004/05 die Dividende habe ausfallen lassen, schlage das Management, wie von den Analysten erwartet, aktuell eine Ausschüttung in Höhe von 0,30 EUR vor.
Entsprechend der Ergebnisentwicklung habe auch der Free Cashflow gesteigert werden können. Dieser habe 13,4 Mio. EUR nach 5,6 Mio. EUR in der Vorjahresperiode betragen. Demzufolge hätten sich die Finanzschulden weiter auf 15,9 Mio. EUR (Vorjahr: 29,6 Mio. EUR) reduziert. Seit 2001/02 habe Bertrandt damit die Verschuldung von 53,3 Mio. EUR um 37,4 Mio. EUR verringern können.
Wie erwartet, halte sich das Management mit quantitativen Aussagen zur geplanten Entwicklung im angelaufenen Geschäftsjahr 2006/07 zurück. Zumindest qualitativ verbreite die Gesellschaft Optimismus und erwarte unter der Voraussetzung anhaltend freundlicher konjunktureller Rahmenbedingungen ein Wachstum bei Umsatz und Ergebnis, das sich auch in den einzelnen Segmenten widerspiegeln solle. Als Zeichen für den positiven Zukunftsblick des Managements werte man die Tatsache, dass die Gesellschaft bei einer Personalanzahl von knapp 3.600 aktuell 200 neue, qualifizierte Mitarbeiter suche.
Die Treiber für die weitere Geschäftsentwicklung seien vor allem technologische Trends (z.B. "Intelligenter Innenraum", "Unfallfreies Fahren", etc.), der anhaltende Outsourcingtrend, der derzeit verstärkt zu sehen sei, nachdem bei einigen Fahrzeugherstellern die Umstrukturierungen abgeschlossen bzw. weiter vorangetrieben worden seien sowie die unverändert hohe Varianten- und Modellvielfalt, die tendenziell in den kommenden Jahren sogar noch größer werden solle.
Auch die Gesamtjahreszahlen 2005/06 würden wie schon die Daten der ersten Quartale einen eindeutigen Aufwärtstrend zeigen. Wie ihre aktuell nochmals leicht nach oben adjustierte Ergebnisprojektion für die kommenden beiden Perioden zeige, würden die Analysten davon ausgehen, dass diese Gewinnentwicklung auch in den nächsten Quartalen anhalten sollte. Angesichts der nur leichten Adjustierung hätten sich die Bewertungsparameter für die Aktie nur marginal geändert und würden daher unverändert einen Fair Value von rund 14 EUR je Aktie zeigen.
Die Analysten vom Bankhaus Lampe bestätigen insgesamt ihre positive Sicht auf die Bertrandt-Aktie, senken jedoch angesichts der Kursentwicklung der letzten Monate ihre Empfehlung für den Wert von "kaufen" auf "halten". Zu beachten sei unverändert, dass der Aktienhandel an der Börse zurzeit noch eher gering sei. Das Kursziel auf Sicht von 12 Monaten werde nach wie vor bei 14 EUR gesehen. (19.12.2006/ac/a/nw)
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