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Analysen - DAX 100
14.12.2006
Vossloh halten
Bankhaus Lampe

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Düsseldorf (aktiencheck.de AG) - Der Analyst vom Bankhaus Lampe, Roland Könen, bewertet die Aktie von Vossloh (ISIN DE0007667107/ WKN 766710) nach wie vor mit "halten".

Vossloh habe in der letzten Woche die vorläufigen Zahlen für 2006 bekannt gegeben und diese ebenso wie den Ausblick auf 2007 und 2008 wie üblich im Rahmen einer Analystenkonferenz näher erläutert. Im Rahmen der Diskussionen habe auch die strategische Neuausrichtung gestanden, über die der Konzern bereits im Laufe des zweiten Halbjahres 2006 berichtet habe.

Insgesamt habe der Konzern wie prognostiziert einen Umsatz von rund 1 Mrd. EUR erzielt. Entgegen den Erwartungen sei das operative Ergebnis mit 82,5 Mio. EUR jedoch um etwa 7 Mio. EUR besser ausgefallen, als ursprünglich geplant. Dies sei angabegemäß auf erste Lieferungen aus den China-Aufträgen sowie höher als geplante Volumina mit der Deutschen Bahn jeweils im Bereich der Schienenbefestigungen zurückzuführen. Dass das Nettoergebnis mit 35,5 Mio. EUR letztendlich trotzdem nur auf dem zuletzt kommunizierten Niveau liegen werde, habe seine Ursache im zum Verkauf stehenden Bereich Information Technologies (IT). Angabegemäß habe sich die operative Entwicklung in diesem Bereich nach Bekanntgabe der Verkaufsabsichten deutlich eingetrübt.

Der Verkaufsprozess für IT laufe derzeit, wobei sich das Management zum Zeitplan und Verkaufsvolumen nicht detailliert habe äußern wollen. Der Vorstand habe jedoch die Hoffnung, die Veräußerung mit dem Jahresabschluss 2006 verarbeiten zu können, wobei mögliche positive wie negative Auswirkungen auf die Ertragslage schwer zu prognostizieren seien.

Die Planungen für das kommende Geschäftsjahr sowie für 2008 sähen eine Umsatzsteigerung um 8% (2007) sowie 6% (2008) vor. Hierin enthalten seien die bereits kommunizierten China-Aufträge (19 Mio. EUR und 160 Mio. EUR), aber auch ein Rückgang des Erlösvolumens um rund 50 Mio. EUR im Bereich Infrastructure Services. Das EBIT solle - von einer durch Sondereffekte belasteten Basis 2006 - in 2007 um 30% und in 2008 um weitere 12% steigen, so dass sich in Summe die EBIT-Marge von 8,3% in 2006 auf 10,0% (2007) bzw. 10,6% (2008) verbessern solle.

Der Konzernüberschuss solle insgesamt überproportional steigen, wobei die Steigerung in 2007 um 74% auch aufgrund der Basis 2006 durch das hohe negative Ergebnis der nicht-fortgeführten Bereiche (IT) beeinflusst werde. Das Plus im Nettoergebnis für 2008 prognostiziere Vossloh mit 14%.

Insgesamt liege diese neue Guidance über den bisherigen Analysten-Schätzungen, die für 2007 bzw. 2008 bislang von einem Umsatzwachstum von 4,5% bzw. 2,9% sowie einer EBIT-Marge von 9,3% bzw. 9,7% ausgegangen seien. Beim Erreichen der ausgeführten Ziele läge das Ergebnis je Aktie in 2007 rund 0,45 EUR und in 2008 rund 0,80 EUR über der bisherigen Planung der Analysten. Sie hätten diese daher an die aktuelle Guidance des Unternehmens angepasst.

Die strategische Neupositionierung beinhalte insbesondere die Fokussierung auf "Bahn-Infrastruktur" und "Komponenten für Schienenfahrzeuge", die Stärkung des Kerngeschäfts durch organisches Wachstum über eine verstärkte Internationalisierung und durch gezielte Akquisitionen sowie die nachhaltige Anhebung der Kapitalrendite durch Konzentration auf profitables Wachstum. Die Kapitalrendite (ROCE) solle dabei nachhaltig über 15% liegen. Bereits 2007 und 2008 würden die Planungen hier mit 15,6% sowie 17,3% Werte oberhalb dieser Zielgröße zeigen.

Heute habe die Gesellschaft vermeldet, dass sie mit der spanischen staatlichen Eisenbahngesellschaft Renfe ein Gemeinschaftsunternehmen (ERION) gegründet habe, das die Wartung und Reparatur von rund 50 Langstrecken-Loks (von Vossloh produziert) vorsehe. An dem Joint Venture halte Vossloh 51% und Renfe 49%. Vossloh erwarte für ERION in zwei Jahren jährliche Umsätze in zweistelliger Millionenhöhe. Insgesamt gehe das Management davon aus, dass das Servicesegment in den kommenden Jahren überdurchschnittlich wachsen werde.

Die vorgestellten Zahlen für 2006 hätten in Bezug auf die operative Entwicklung positiv überrascht. Auf Nettoebene hätten hingegen die weiteren Verluste enttäuscht, die der Konzern bei seinem Sorgenkind IT verbuchen müsse. Da dieser Bereich jedoch verkauft werde, würden diese negativen Ergebnisbeiträge in den kommenden Perioden nicht mehr anfallen.

Positiv überrascht habe auch die Planung für 2007 und 2008, die über den bisherigen Analysten-Schätzungen gelegen habe. Entsprechend der Analysten-Anpassung der Gewinnreihe hätten sich auch die Bewertungsergebnisse für die Aktie verändert. Nachdem die Bewertungsmodelle der Analysten hier zuletzt einen fairen Wert von rund 50 EUR angezeigt hätten, habe sich dieser aktuell auf 59 EUR (DCF-Modell: 57 EUR, Peer Group: 61 EUR) erhöht. Entsprechend würden die Analysten auch ihr Kursziel auf Jahressicht von 50 EUR auf 59 EUR anheben.

Angesichts des aktuellen Kursniveaus, das nach Erachten der Analysten vom Bankhaus Lampe schon einen großen Teil der prognostizierten Ergebnisperformance der kommenden Monate beinhaltet, behalten sie ihre Empfehlung mit "halten" für die Vossloh-Aktie jedoch bei. Bei deutlich ansteigenden Kursen würde man deshalb auch zu Gewinnmitnahmen raten. (14.12.2006/ac/a/d)


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