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Analysen - Nebenwerte
29.11.2005
GESCO: Interview mit dem Vorstand Dr. Mayrose
aktiencheck.de

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aktiencheck.de führte das folgende Interview mit Herrn Dr. Mayrose, Vorstand der GESCO AG (ISIN DE0005875900/ WKN 587590).

aktiencheck.de: Guten Tag, Herr Dr. Mayrose. Sie haben Ende August Ihr Portfolio um die Dömer-Gruppe erweitert. Die Paul Beier GmbH Werkzeug- und Maschinenbau & Co. KG musste in 2004 einen Umsatzrückgang in Höhe von 13% hinnehmen. Wie sehen Sie die künftige Entwicklung der Dömer-Gruppe, die ebenfalls im Werkzeugbau tätig ist?

Dr. Mayrose: Dömer hat sich spezialisiert auf anspruchsvolle Lösungen in der Stanz- und Umformtechnik und den dazugehörigen Werkzeugbau. Das Unternehmen verfügt über eine erstklassige technische Ausstattung, eine kompetente und motivierte Belegschaft und ein ausgezeichnetes Renommee. Für die kommenden Jahre sehen wir deutliches Wachstumspotenzial.

aktiencheck.de: Die Dörrenberg Edelstahl GmbH erwirtschaftet einen Großteil der Konzernumsätze. In 2004 konnte sie den Umsatz um 21% gegenüber dem Vorjahr steigern. Dies dürfte maßgeblich am Stahlboom gelegen haben. Wie lautet Ihre Prognose für die Stahlkonjunktur für 2006?

Dr. Mayrose: Prognosen sind hier natürlich schwierig. Insgesamt erwarten wir für 2006 eine geringere Volatilität der Stahlpreise, und damit eine bessere Planbarkeit.

aktiencheck.de: Die Ackermann Fahrzeug GmbH und die Paul Beier GmbH mussten in 2004 zweistellige Umsatzrückgänge hinnehmen. Was waren die Ursachen für die schwächere Performance? Was wurde unternommen, um den Beteiligungen wieder zu Wachstum zu verhelfen?

Dr. Mayrose: Der Umsatzrückgang bei Ackermann ist auch in einem Basiseffekt begründet: das Unternehmen hatte im Vorjahr einen nicht periodisch wiederkehrenden Großauftrag. Vor kurzem hat Ackermann eine Kommunikations- und Serviceoffensive gestartet, um die Kraft seiner renommierten Marke noch stärker als bisher zu nutzen und in neue Märkte zu expandieren. Außerdem hat das Unternehmen Innovationen in den Markt gebracht. Beier unterliegt mit seinen Produkten einer gewissen Zyklik die insbesondere durch die ungleichmäßige Erteilung von Großaufträgen bestimmt wird. Das Unternehmen verstärkt im laufenden Jahr seinen Export, um sich von den Schwankungen des deutschen Marktes unabhängiger zu machen.

aktiencheck.de: Im letzten Geschäftsjahr tätigten Sie einen Beteiligungsverkauf, der zu einem positiven Einmaleffekt im Finanzergebnis sorgte. Planen Sie in Zukunft weitere Beteiligungsverkäufe?

Dr. Mayrose: Nein. Unser Geschäftsmodell zielt ja darauf ab, Unternehmen langfristig zu halten und sie nicht gerade wieder zu veräußern. Wir leben nicht vom Exit, sondern von der erfolgreichen Entwicklung unserer Tochtergesellschaften. Der Verkauf einer Restbeteiligung im Vorjahr ist eine Ausnahme, die wir mehrfach erläutert hatten. Es handelt sich um ein erfolgreiches Unternehmen aus der baunahen Industrie, das aufgrund der Marktgegebenheiten über Akquisitionen wachsen musste. Die dafür notwendigen Investitionen wollten wir in dieser Branche nicht begleiten und haben das Unternehmen daher in mehreren Tranchen an das Management verkauft.

aktiencheck.de: Sie sprechen in ihrem Zwischenbericht für das Geschäftsjahr 2005/06 davon, dass Sie ständig interessante mittelständische Industrieunternehmen in Bezug auf eine Übernahme prüfen. Haben Sie schon einen neuen attraktiven Übernahmekandidaten gefunden? Falls ja, können Sie nähere Angaben zu Branche, Umsatz und Umfang der Investition machen?

Dr. Mayrose: In der Tat haben wir immer eine Reihe von Projekten in der konkreten Bearbeitung. Prognosen über Art und Zeitpunkt des nächsten Erwerbs geben wir aber nicht ab. Es kann immer Gründe geben, die dazu führen, dass wir ein Unternehmen doch nicht erwerben. Zudem ist dieses Geschäft sehr personenbezogen und mitunter auch emotional. Generell liegt unsere Messlatte für Akquisitionen hoch, gerade weil wir langfristig mit den Tochtergesellschaften arbeiten und Erfolg haben wollen.

aktiencheck.de: Ihre Beteiligungen beschränken sich bisher nur auf den Standort Deutschland. Sind auch Akquisitionen im Ausland für Sie interessant?

Dr. Mayrose: Ein klares "Nein". Erstes gibt es in Deutschland noch ein reiches Betätigungsfeld, zweitens verfügen wir hier über ein starkes Know-how insbesondere im Gesellschafts-, Handels- und Steuerrecht. Warum sollten wir die Risiken und Unwägbarkeiten von Auslandsengagements in Kauf nehmen? Und beachten Sie bitte, dass bei unserer typischen Dealgröße die externen Kosten der Transaktion eine wichtige Rolle spielen, also optimiert werden müssen.

aktiencheck.de: Sie haben Anfang September erfolgreich eine Kapitalerhöhung platziert. Sind in Kürze weitere Kapitalmaßnahmen vorgesehen?

Dr. Mayrose: Derzeit verfügen wir über komfortable liquide Mittel und eine sehr gute Eigenkapitalausstattung. Eine weitere Kapitalmaßnahme steht in Kürze nicht an.

aktiencheck.de: Sie haben zuletzt Gesamtinvestitionen von 4,4 Mio. Euro getätigt, um Ihre technische Ausstattung zu erweitern. Sind weitere Investitionen bei Ihren Tochtergesellschaften vorgesehen und falls ja, in welchem Unfang werden sie sich bewegen?

Dr. Mayrose: Die von Ihnen genannte Zahl bezieht sich auf das erste Halbjahr. In der GESCO-Gruppe investieren wir typischerweise rund 7 Mio. EUR jährlich in die technische Ausstattung, um das hohe technische Niveau unserer Tochtergesellschaften auch langfristig zu halten. Dazu kommen bei einzelnen Unternehmen fallweise größere Investitionen, um weitere Wachstumsschritte zu ermöglichen.

aktiencheck.de: Auf der Hauptversammlung im September dieses Jahres haben Sie eine Erhöhung der Dividende auf 0,90 Euro je Aktie beschlossen. Können die Aktionäre auch in Zukunft mit einer freundlichen Ausschüttungspolitik rechnen?

Dr. Mayrose: Selbstverständlich! Wir schütten seit jeher aktionärsfreundlich aus und wissen, dass unsere Investoren Wert auf eine attraktive Dividende legen. Dabei behalten wir natürlich zugleich den Finanzbedarf der Unternehmen im Auge.

aktiencheck.de: Sie haben Anfang November eine Anhebung der Unternehmens-Guidance vorgenommen. Wie sehen Ihre Planzahlen für das kommende Geschäftsjahr aus?

Dr. Mayrose: Unser neues Geschäftsjahr beginnt ja erst am 1. April 2006. Eine detaillierte Planung für das neue Jahr werden wir im Rahmen der Bilanzpressekonferenz im Juni 2006 vorlegen.

aktiencheck.de: Die GESCO-Aktie hat sich in den letzten zwei Jahren sehr gut entwickelt. Wie schätzen Sie die weitere Kursentwicklung ein?

Dr. Mayrose: Für das laufende Geschäftsjahr planen wir trotz erhöhter Aktienzahl mit einem Ergebnis je Aktie von 2,84 EUR. Auf dieser Basis ist unsere Aktie mit einem KGV von gerade einmal 10 bewertet, was man sicher nicht als ausgereizt bezeichnen kann. Wir sehen durchaus noch weiteres Potenzial. Dazu kommt die Wachstumsfantasie aus weiteren Akquisitionen. Die Analysten gehen von Kurszielen aus, die deutlich über dem heutigen Niveau liegen.

aktiencheck.de: Warum sollte man Aktien Ihres Unternehmens kaufen?

Dr. Mayrose: Für den Anleger ist die GESCO-Aktie der Investmentschlüssel zu den "Hidden Champions" des ambitionierten Mittelstands. Unser Geschäftsmodell ist sehr stabil, wir bilanzieren konservativ und risikoavers (niedriger Verschuldungsgrad, äußerst geringer Goodwill, starke Eigenkapitalbasis). Damit ergibt sich ein sehr gutes Rendite-Risiko-Profil. Zur attraktiven Dividende kommt Wachstumsfantasie aufgrund der vielen ungelösten Nachfolgefragen im deutschen Mittelstand. Vielleicht noch ein Argument aus Portfoliosicht: unsere Aktie hat ein niedriges Beta, sie ist mit dem Gesamtmarkt nur sehr gering korreliert.

aktiencheck.de: Vielen Dank für dieses Interview, Herr Dr. Mayrose.



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