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Gericom Gewinnwarnung


13.08.2003
Bluebull

Die Gewinnwarnung von Gericom (ISIN AT0000729108 / WKN 565773) erfordert gemäß den Experten von "Bluebull" eine Neubewertung.

Bereits im ersten Quartal des vergangenen Jahres habe Gericom eine beachtliche Schlappe hinnehmen müssen. Damals habe man den schwarzen Peter noch auf Intel schieben und mit den folgenden Zahlen wieder den positiven Eindruck herstellen können. Nach der Meldung in der Nacht auf Dienstag habe sich das Bild aber gewandelt. Zwei Tage vor Präsentation der Halbjahreszahlen habe Gericom eine Gewinnwarnung für 2003 ausgeschickt. Der Kampf um Marktanteile und der Druck des größten Abnehmers, Mediamarkt, hätten Gericom ins Schleudern gebracht.

Im zweiten Quartal habe sich der Umsatz trotz einer Steigerung der Absatzmenge um 20% um 10% auf 110,5 Mio. Euro erhöht. Das EBIT sei auf minus 0,7 Mio. Euro abgesackt. Auch die Planzahlen für 2003 seien revidiert worden.

Gericom sei lange Monate immer als der schlagende Beweis dafür gezeigt worden, dass auch in konjunkturell trüben Zeiten erfolgreich gewirtschaftet und Wachstum erzielt werden könne. Noch am 11. Juli habe sich Finanzvorstand Gerhard Leimer in einem Interview geäußert: "Wir wollen dieses Jahr um 15% im Umsatz wachsen. Zu dieser Prognose stehen wir auch weiterhin. Gewinnprognosen gestalten sich aufgrund des angespannten wirtschaftlichen Umfeldes als schwierig. Es wird nicht einfach für uns werden, unser sehr gutes Vorjahresergebnis auf der Gewinnebene noch zu toppen."


Seit Dienstag Nacht sei vom Toppen des Vorjahresergebnisses keine Rede mehr, auch nicht von Umsatzwachstum. Auch hinsichtlich der Unternehmensbewertung habe es von Gerhard Leimer vor vier Wochen noch starke Worte gegeben: "Mit einem KGV, das sich derzeit zwischen 6 und 7 bewegt, sehen wir uns schon im Vergleich zu unserer Peer-Group klar unterbewertet. Aus fundamentaler Sicht gibt es keinen Grund für einen derart hohen Bewertungsabschlag. Früher oder später wird der Markt aber unser gesundes operatives Geschäft sowie auch unsere weiterhin sehr hohe Dividendenrendite honorieren."

Im wesentlichen solle nun die MediaMarkt-Kette zum desaströsen Ergebnis im zweiten Quartal beigetragen haben. Denn diese sei auf zahlreichen Geräten aus der letzten Verkaufsaktion sitzen geblieben und habe nun von Gericom einen Beitrag gefordert, wenn nun die Geräte in Abverkaufsaktionen zu deutlich reduzierten Preisen an die zögerlichen Kunden gebracht werden sollen. MediaMarkt hätte also seine Marktmacht gegen den kleinen Notebook-Hersteller ausgespielt.

Dies sei aber nur eine Seite der Medaille: Auch Gericom müsse nun endlich einsehen, dass eine Marktsättigung eingetreten sei, die ein Wachstum im bisherigen Masse einfach nicht mehr zulasse. Dass dennoch krampfhaft versucht werde, im Kampf um Marktanteile die Umsätze hochzuhalten, drücke nicht zuletzt auf die Margen - auch nicht gerade im Sinne der Aktionäre.

Der doch sehr deutlich ausgefallene Einbruch des Geschäfts bei Gericom, der nicht zuletzt auch mit erhobenem Zeigefinger auf eine Schwäche im Geschäftsmodell (nämlich die Abhängigkeit von wenigen Grosskunden) verweise, mache nachdenklich: Sollte das Unternehmen seine bisherige Strategie weiter verfolgen, Marktanteile "um jeden Preis" erobern zu wollen, so werde dies nur über eine weitere Verschlechterung der Margen möglich sein. Weiters werde die Gefahr, dass Großkunden auf ihrer Ware sitzen bleiben und von Gericom ein Entgegenkommen in Form einer nachträglichen Rabattierung einfordern würden nach dem aktuellen Fall eher größer werden.

Angesichts der unsicheren Aussichten und der offenbar weniger als erwartet gefestigten Situation des Unternehmens sind bei der Bewertung erhöhte Risikoabschläge notwendig geworden, die Gericom auch mit einem KGV von etwa 15 (beim aktuellen Kurs von knapp über zehn Euro) nicht unterbewertet erscheinen lassen, so die Experten von "Bluebull".




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