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VERBIO heiße Spekulation


23.11.2009
Geldanlage-Report

Gerbrunn (aktiencheck.de AG) - Die Experten vom "Geldanlage-Report" halten die Aktie von VERBIO (ISIN DE000A0JL9W6 / WKN A0JL9W) für eine heiße Spekulation.

Zwei politische Signale, eins vonseiten der EU und eins - halbfreiwillig - vonseiten der neuen Regierungskoalition würden das klinisch tote Biodieselsegment wieder zum Leben erwecken. Biodiesel werde in Deutschland in erster Linie aus Raps hergestellt und dem Diesel beigemischt. Zugefügt würden häufig noch Soja und/oder Palmenöl. Wirtschaftlich sei das Ganze bisher nicht. Ein Markt gebe es für das Produkt nur aufgrund der staatlich verordneten Beimischungspflicht und Steuerbegünstigungen. Von der Höhe der Begünstigungen sei es aber abhängig, ob über die Mindestbeimischungspflicht von sieben Volumenprozent ein zusätzlicher Markt vorhanden sei. Seit die Steuer Anfang 2008 von sechs auf 15 Cent je Liter angehoben worden sei, sei der Markt dramatisch eingebrochen. Inzwischen werde der Biokraftstoff sogar mit 18 Cent je Liter besteuert.

Diskussionen über Sinn und Unsinn von Biokraftstoffen für den Umweltschutz hätten dafür gesorgt, dass die Lobbyisten bei Politikern einen schweren Stand gehabt hätten. Zwischenzeitlich sei ein Großteil der Produktionsstätten bereits stillgelegt worden, einige Anbieter seien Pleite gegangen. Vor kurzem habe mit den börsennotierten EOP Biodiesel, die auf die Produktion von Biodiesel aus Industrieabfällen spezialisiert seien, ein weiterer Anbieter gemeldet, das Eigenkapital sei aufgebraucht. Theoretisch bedeute dies Insolvenz durch Überschuldung, aber noch seien liquide Mittel vorhanden, sodass der Betrieb fortgesetzt werde. Noch hoffe man bei EOP auf eine Einigung mit den Banken.

Die große Hoffnung von EOP und allen anderen Anbietern komme aus der Richtung, aus der jahrelang das Unheil gekommen sei: von der Politik. Ein erstes positives Signal sei im Juni von der EU gekommen, die in ihrer "Erneuerbare-Energien-Richtlinie" eine verbindliche Rechtsgrundlage zur Förderung und Nutzung von Biokraftstoffen im Verkehr geschaffen hätten. Genau darauf hätten Anbieter wie VERBIO schon lange gewartet.

Hintergrund sei der Klimaschutz, der mit einer 20-prozentigen Reduzierung des CO2-Ausstoßes vorangetrieben werden solle. Eine Beimischungsquote an alternativen Kraftstoffen ins Benzin von mindestens zehn Prozent solle dazu einen entsprechenden Beitrag leisten. Jedes EU-Mitglied müsse bis Juni 2010 einen entsprechenden Aktionsplan vorlegen.

Die neu zusammengestellte Regierungskoalition habe also konkrete Vorgaben mit entsprechendem Termindruck im Nacken. Quasi zwangsläufig müsse nun die nationale Biodiesel-Branche, die quasi vor dem Zusammenbruch gestanden habe, wieder aufgepeppelt werden. Glaube man entsprechenden inoffiziellen Verlautbarungen aus Regierungskreisen, könnte bereits am Anfang 2010 die Besteuerung dramatisch von 18 auf zehn Cent je Liter gesenkt werden. Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner habe gar eine Senkung auf nur noch acht Cent gefordert. Er berufe sich dabei auf den Biokraftstoffbericht der Bundesregierung im ersten Halbjahr 2009, der besage, dass "Biodiesel und Pflanzenölkraftstoffe um rund zehn Cent pro Liter günstiger sein müssten, um im Wettbewerb mit fossilen Kraftstoffen mithalten zu können".

Ein Cent mehr oder weniger bedeute Mio. an Einnahmedifferenz. Wie viel genau sei schwer zu prognostizieren, weil darüber letztlich auch der Preis für das konkurrierende herkömmliche Benzin entscheide - und dieser hänge bekanntlich von der Entwicklung des Ölpreises ab.


Auf jeden Fall dränge die Zeit. Aktuell stehe einer Biodieselproduktionskapazität von (je nach Quelle) 5,2 Mrd. Litern (bzw. 4,5 Mio. Tonnen) nur ein Absatz von 3,1 Mrd. Litern gegenüber. Das gehe aus einer offiziellen Unterrichtung der Bundesregierung vom 1. September 2009 hervor. Neben einer Steuersenkung könnte auch die Beimischungspflicht weiter ansteigen. Diese habe 2008 noch bei fünf Prozent gelegen, sei zum 1. Januar 2009 auf sieben Prozent gestiegen und könnten 2010 gar auf zehn Prozent hochgefahren werden.

Wenn gleichzeitig die Produktionskapazität zurückgehe, könnte sich auf einmal das Angebots-/Nachfrageverhältnis drastisch zugunsten der Anbieter verschieben. Genau darauf würden Spekulanten setzen, die aktuell die Kurse der bilanziell stabileren börsennotierten Biodieselfirmen nach oben treiben würden. Allen voran gelte das für die VERBIO-Aktie, die sich in den letzten 52 Wochen verdreifacht habe. Das liege unter anderem daran, dass VERBIO "ein ganz großes Rad dreht" und mit Abstand den größten Ertragshebel habe, wenn Biodiesel wirklich wieder ein Verkaufsschlager werden sollte.

Die Nominalkapazität liege bei 450.000 Tonnen oder 520.000 Liter Biodiesel jährlich. Das entspreche exakt zehn Prozent der gesamten Kapazität in Deutschland. Umsätze von 267 Mio. Euro habe man daraus in den ersten neun Monaten 2009 erwirtschaftet. Bei voller Auslastung hätten es geschätzte 20 Prozent mehr sein können. Darüber hinaus habe VERBIO im gleichen Zeitraum auch 130.000 Tonnen Bioethanol produziert. Bioethanol werde normalem Benzin beigemischt. Damit seien nochmals knapp 95 Mio. Euro umgesetzt worden.

Zur weiteren Diversifizierung werde VERBIO künftig das bei der Ethanolproduktion entstehende Abfallprodukt ("Schlempe") zur Biogasproduktion einsetzen. Zunächst sollten so die eigenen Energiekosten reduziert werden. Ab dem dritten Quartal 2010 solle das produzierte Biogas dann tatsächlich ins Gasnetz der Energieversorger eingespeist werden. In zwei bis drei Jahren wolle man so bereits zu einem veritablen Biogasproduzenten mit einem Umsatzvolumen von 60 bis 80 Mio. Euro herangewachsen sein. Das Problem: Der Aufbau der Produktion koste viel Geld (ca. 50 Mio. Euro) und könne nur teilweise aus Eigenmitteln (liquide Mittel aktuell rund 50 Mio. Euro, die aber natürlich nicht alle für das neue Geschäftssegment verpulvert werden könnten) gestemmt werden.

Fraglich sei, inwieweit hier entsprechende Finanzierungen mit den aktuell nicht gerade freigiebigen Banken gesichert werden könnten. Aus bewertungstechnischer Sicht würden die oben beschriebenen Umsatzdimensionen (selbst im Krisenjahr 2009 sollten insgesamt über 500 Mio. Euro umgesetzt werden) und die geplante weitere Expansion die Aktie interessant machen, wenn man im Verhältnis dazu die relativ geringe Marktkapitalisierung von aktuell 173 Mio. Euro betrachte. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis liege trotz des erfolgten Anstiegs der Aktie immer noch erst bei 0,35. Dazu kämen liquide Mittel von 50 Mio. Euro, die ziemlich exakt doppelt so hoch lägen wie die Bankschulden von 25 Mio. Euro.

Im Optimalfall könne VERBIO in zwei bis drei Jahren 700 Mio. Euro umsetzen und knapp zweistellige Nettomargen erzielen, weil man hohe Verlustvorträge habe. Dann wäre man bei einem 2012er KGV von 2,5 und die Aktie habe Vervierfachungspotenzial.

Andererseits schleppe man immer noch einen Berg an Goodwill aus früheren Akquisitionen im Biodieselsegment herum. Unter Goodwill verstehe man die Differenz zwischen dem Buchwert von erworbenen Firmen und dem (höheren) Preis, den VERBIO tatsächlich dafür bezahlt habe. Es sei durchaus wahrscheinlich, dass hier im Zuge des Jahresabschlusses weitere Abschreibungen fällig würden. Dann wären die aktuell herumgereichten Zahlen für den Buchwert von 4,95 Euro je Aktie schnell wieder Makulatur. Würden sich dagegen die Steuererleichterungen verzögern und komme für das Biogasprojekt keine Finanzierung zustande, könnten andererseits nicht nur der Buchwert sondern auch die liquiden Mittel schnell weiter zusammenschmelzen.

Die VERBIO-Aktie ist eine ganz heiße Spekulation mit hohen Chancen aber auch hohen Risiken, so die Experten vom "Geldanlage-Report". Charttechnisch habe sich kurzfristig ein sehr stabiler Aufwärtstrend ausgebildet, der von kurzen heftigen Rücksetzern begleitet werde. Betrachte man die schwachen Neun-Monats-Zahlen im Verhältnis zur Kursentwicklung, sei inzwischen bereits einiges an Zukunftsfantasie im Kurs enthalten. (Analyse vom 23.11.2009) (23.11.2009/ac/a/nw)

Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.




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