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ESCADA kein Handlungsbedarf


15.04.2009
TradeCentre.de

Lichtenstein (aktiencheck.de AG) - Die Experten von "TradeCentre.de" sehen bei der Aktie von ESCADA (ISIN DE0005692107 / WKN 569210) keinen Handlungsbedarf.

30 Jahre nach der Gründung stehe einer der größten Damenmodehersteller Deutschlands vor dem Aus. Jedenfalls, wenn kein frisches Geld nachgeschossen werde. Im Jahresbericht würden selbst die Wirtschaftsprüfer auf die bedrohliche Lage des Unternehmens hinweisen. ESCADA habe im Wirtschaftsjahr 2007/2008 per Ende Oktober 70 Millionen Euro durch den Schornstein gejagt und kämpfe ums Überleben.

Auch das Startquartal des Jahres 2008/2009 sei von Verlusten geprägt. Der Fehlbetrag habe in den ersten drei Monaten bei 6,3 Millionen Euro gelegen. Um den Fortbestand von ESCADA zu sichern, brauche der Konzern bis Ende Oktober 30 Millionen Euro frisches Kapital, habe der noch amtierende Finanzvorstand Markus Schürholz anlässlich des Besuchs der Experten auf der Bilanzpressekonferenz in Aschheim mitgeteilt.

Eine Situation, die sich wohl selbst der erfolgsverwöhnte Bruno Sälzer, Vorstandschef bei ESCADA, bei seinem Amtsantritt im letzten Jahr nicht so dramatisch vorgestellt habe. Jammern helfe aber nichts. Sälzer müsse die Suppe auslöffeln, die ehemalige Manager schlicht verbockt hätten. Die Vorgänger hätten den Laden mehr nach Farben und Schnitten der nächsten Kollektionen orientiert und die Firma nach Lust und Laune geführt. Der drahtige Sälzer werde bei der aus der Mode gekommenen Firma keinen Stein auf dem anderen lassen.

Die Firma sei ein harter Sanierungsfall und benötige ein neues Profil - und das möglichst schnell. Der zähe Läufer wolle das Unternehmen unter anderem durch eine Verkleinerung der Kollektionen und einem drastischen Sparkurs wieder auf Kurs bringen. "Wir haben dringenden Handlungsbedarf in allen Bereichen der Firma", beschreibe Sälzer die aktuelle Situation. Sein neues Team solle vom Einkauf über die Kollektionen bis zu den eigenen Läden alles auf Vordermann bringen.


Der ehemalige Chefdesigner sei bereits an die frische Luft gesetzt worden, wie auch ein Großteil des Managements. Unter dem Schlagwort "Operational Excellence" bündele Sälzer seine Restrukturierung, die helfen solle von den überdimensionierten operativen Kosten möglichst schnell runter zu kommen. Bereits bei seinem ehemaligen Arbeitgeber in Metzingen habe der Karatekämpfer den Prozessabläufen, mit der Einführung einer neuen ERP-Software und einfacheren Strukturen, Beine gemacht. Auf Nachfrage der Experten, gebe der gebürtige Schwabe ein Einsparungspotenzial im zweistelligen Millionenbereich als mittelfristige Zielgröße an.

Trennen wolle sich Sälzer von der wenig lukrativen Tochter Primera, die im mittleren bis gehobenen Preissegment und vornehmlich in Deutschland aktiv sei. Wie den Experten Neu-CFO Michael Börnicke am Rande der Bilanzpressekonferenz mitteile, seien angeblich genug Interessenten da, so dass der Verkauf in den "nächsten Monaten" über die Bühne gehen sollte. Fakt sei: In der jetzigen Zeit würden sicher keine Höchstpreise zu erzielen sein.

Des Weiteren solle der Hauptversammlung am 28. April eine Herabsetzung des Grundkapitals vorgeschlagen werden, um damit auch die Voraussetzungen für die Ausgabe neuer Aktien zu schaffen. Eine Insolvenz schließe der Vorstand auf direkte Nachfrage nicht aus. "Es ist immer dann zu Ende, wenn kein Geld mehr da ist", bekenne CFO Schürholz trocken.

Ob die Kapitalerhöhung alleine durch die schwerreiche Herz-Familie getragen werde, habe der Vorstand auf Nachfrage der Experten nicht bestätigen wollen. Ohne Herz werde es aber sicherlich schwer werden, das Geld komplett einzusammeln. Um Großaktionär Rustam Aksenenko sei es erstaunlich ruhig geworden. Und auch "noch"-Großaktionär Wolfgang Ley, ehemaliger Gründer und CEO von ESCADA, werde wohl kaum neues Kapital nachschießen. Ley habe angeblich selbst größeren Kapitalbedarf, nachdem sein jüngster Ausflug in die Selbständigkeit nach nur kurzer Zeit in der Insolvenz geendet habe.

ESCADA sei auf aktuellem Kursniveau lediglich ein El Dorado für Zocker. Die Kapitalmaßnahme werde die Altaktionäre erheblich verwässern. Zudem folge bereits spätestens in drei Jahren ein weiteres Problem. Eine Anleihe im Volumen von fast 200 Millionen Euro werde fällig. Aus operativen Erträgen werde dieses Papier kaum zurückzuzahlen sein. Summa summarum sei davon auszugehen, dass die Brüder Wolfgang und Michael Herz noch mal tief in die Tasche greifen und die überlebensnotwendige Kapitalerhöhung zur Not auch alleine zeichnen würden. Für die Aktie wäre dies ein Befreiungsschlag. Sälzer brauche neben viel Glück auch Herz.

Bevor die Kapitalmaßnahme nicht unter Dach und Fach ist, sehen die Experten von "TradeCentre.de" bei der ESCADA-Aktie keinen Handlungsbedarf. Es gebe derzeit schlicht bessere Investments mit deutlich besserem Chance- Risiko Profil. (Analyse vom 15.04.2009) (15.04.2009/ac/a/nw)

Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.




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