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17.04/09:50 |
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| CH0022268228 |
A0F6VT |
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EFG International-Aktie: Refokussierung aufs Private Banking zeigt erste Erfolge 06.08.2012
Sarasin Research
Zürich (www.aktiencheck.de) - Rainer Skierka, Analyst von Sarasin Research, stuft die Aktie von EFG International (EFGI) (ISIN CH0022268228 / WKN A0F6VT) auf "neutral" herauf.
EFG International habe im ersten Halbjahr 2012 einen 5% tieferen Reingewinn von CHF 53,1 Mio. erzielt, gegenüber CHF 55,9 Mio. in der entsprechenden Vorjahresperiode. Der zugrunde liegende Reingewinn unter Ausschluss nicht wiederkehrender Kosten - hierzu würden CHF 11,4 Mio. im Zusammenhang mit Ausständen gegenüber Griechenland sowie CHF 9,6 Mio. aufgrund der Refokussierung des Geschäfts auf das werthaltige Private Banking zählen - habe sich um 33% auf CHF 74,1 Mio. erhöht. Der Bruttoertrag sei um 3% auf CHF 409,1 Mio. gestiegen.
Während das traditionelle Private Banking-Geschäft weiterhin durch vorsichtiges Anlegerverhalten gekennzeichnet gewesen sei, habe sich das spezialisierte Geschäft für große Privatkunden - vor allem die Strukturierung von Transaktionen im Zusammenhang mit Geschäftsaktivitäten der Kunden - im ersten Halbjahr 2012 besonders stark entwickelt. Die Ertragssituation sei zudem von einer starken Treasury-Performance und guten Beiträgen von EFG Financial Products begünstigt worden. Demzufolge habe sich die Bruttomarge von 95 Basispunkten (bps) auf 104 bps erhöht. Ohne Einmaleffekte dürfte sie eher bei ca. 94 bps liegen.
Der Geschäftsaufwand sei im ersten Halbjahr 2012 mit CHF 328,3 Mio. um 2% tiefer gewesen als im Vorjahr. Im zweiten Halbjahr 2011 habe er noch CHF 378,3 Mio. betragen. Darin spiegle sich der Fortschritt der Neuausrichtung wider. Das Kosten-Ertrags-Verhältnis habe 79,5% betragen, verglichen mit 82,8% im ersten Halbjahr 2011 und 101,1% im zweiten Halbjahr 2011. Die Kosteneinsparungen aufgrund der Geschäftsüberprüfung im Herbst 2011 würden erst jetzt zu greifen beginnen.
Im ersten Halbjahr 2012 seien Einsparungen in Höhe von CHF 30 Mio. erzielt worden. Diese seien aber durch Kosten im Zusammenhang mit EFG Financial Products, mit dem Ausstieg aus Geschäften sowie Bonuszahlungen aufgrund der verbesserten operativen Geschäftsentwicklung überlagert worden. Die verwalteten Kundenvermögen seien von CHF 78,4 Mrd. per Ende 2011 auf CHF 76,5 Mrd. per Ende Juni 2012 zurückgegangen. Dabei seien Abflüsse von CHF 3,6 Mrd. im Zusammenhang mit zahlreichen Geschäftsschließungen (Dänemark, Finnland, Frankreich, Schweiz, Dubai, Abu Dhabi, Indien, Philippinen Kanada, USA und Argentinien) nur teilweise durch Währungs- und Markteffekte von CHF 0,4 Mrd. sowie Nettoneugelder von CHF 1,2 Mrd. aufgefangen worden.
Die Anzahl Kundenberater habe sich ebenfalls als Folge der Geschäftsüberprüfung von 660 auf 503 (-24%) reduziert. Der Gesamtpersonalbestand sei seit September 2011 um 11% auf ca. 2.300 Mitarbeitende reduziert worden.
Die Kapitalposition von EFG International sei durch die Umwandlung der Partizipationsscheine und den Verkauf von Treasury-Shares weiter gestärkt worden. Ende Juni 2012 habe deren BIZ Gesamt-Kapitalquote bei 15,1% (2011: 12,9%) und die Kernkapitalquote (Tier 1) bei 14,2% (12,8%) gelegen. Im Zuge des im November 2011 lancierten Tauschangebots seien 34% der Partizipationsscheine in Basel-3-konforme Tier-2-Obligationen gewandelt worden. Während dies die Gesamtkapitalposition von EFGI nicht verändert habe, werde dadurch die Stammkapital-Tier-1-Position unter Basel 3 gestärkt. Diese sei von auf 8,9% (4,1%) gestiegen.
Aufgrund von Geschäftsgewinnen und dem im zweiten Halbjahr 2012 geplanten IPO der Tochtergesellschaft EFG Financial Products, durch das sich der Anteil von EFGI von 57% auf 20% verringere, werde sich die BIZ Kapitalquote weiter erhöhen. Daneben habe EFGI verlauten lassen, auch weiter Möglichkeiten hinsichtlich der Struktur und Zusammensetzung ihres Kapitals wie auch der Optimierung ihrer risikogewichteten Aktiven zu nutzen.
Mit dem per Ende Mai 2012 angekündigten Kauf von 7% EFGI-Aktien aus deren Eigenbestand habe der Hauptaktionär, die griechische Latsis Familie mit Sitz in Genf vertreten durch die EFG European Financial Group (Luxembourg) SA, sein Commitment gegenüber EFG International durch den Ausbau seiner Beteiligung auf 56% erneut unter Beweis gestellt, womit das Ziel unterstrichen werde, eine unabhängige Schweizer Privatbank zu bleiben.
Um die auch imagemässig negative Griechenlandlastigkeit endgültig zu kappen, habe EFGI darüber hinaus sämtliche Exposures gegenüber den südeuropäischen Peripherieländern massiv auf CHF 134 Mio. heruntergefahren.
In einem letzten Schritt sei am 23.07.2012 angekündigt worden, dass die EFG Group ihren 43,5% Anteil an der griechischen Eurobank an neun Mitglieder der Latsis Familie übertragen werde. Anschließend werde die Eurobank von der EFG Group dekonsolidiert und "EFG" nicht mehr in ihrem Namen tragen. Damit sollten allfällige Missverständnisse bezüglich vermeintlicher Ausstände von EFG International gegenüber Griechenland endgültig aus der Welt sein.
Bei der Umsetzung der im Oktober 2011 angekündigten Neuausrichtung seien erste Fortschritte erzielt worden. Von dieser erhoffe man sich jährliche Ergebnisverbesserungen von CHF 35 Mio., die 2012 teilweise und ab 2013 voll wirksam werden sollten. Mittlerweile seien 20 der weltweit 50 Standorte aufgegeben worden. Unter anderem Tochterbanken in Schweden und Finnland, Geschäftsstellen in Kanada und Büros in Dubai, Abu Dhabi Manila, Buenos Aires und New York sowie in der Schweiz in Lugano und im Wallis. Weitere Schließungen und Verkäufe seien möglich.
EFGI habe unterdessen bekräftigt, an ihren ambitiösen Mittelfristzielen festzuhalten, pro Jahr Nettoneugelder von 5 bis 10% zu erwirtschaften, die aktuelle Bruttomarge von 94 Basispunkten zu halten, innerhalb der nächsten drei Jahre das Kosten-Ertrags- Verhältnis auf unter 75% zu senken sowie durch ein zweistelliges Gewinnwachstum und eine zweistellige Eigenkapitalrendite im selben Zeitraum (bis 2014) einen IFRS-Reingewinn von CHF 200 Mio. zu erzielen.
Die Finanzkrise und das Nichterreichen der einst als ambitiös eingestuften Ziele hätten dem Kurs der EFG-Aktie seit dem IPO im Oktober 2005 beträchtlich zugesetzt (-82%) und zu einem Verschwinden der einst hohen Bewertungsprämie geführt. Nach Erachten der Analysten von Sarasin Research hängt das unter anderem auch damit zusammen, dass EFG International bezüglich einer Verlangsamung der Kundenaktivitäten im Handel, dem Deleveraging (Schuldenabbau) von Kunden, sowie der Verlagerung von margenhohen strukturierten und anderen Produkten, in margentiefere Anlageformen sehr exponiert zu sein schien. In den Jahren 2010 und 2011 habe EFGI, unter anderem als Folge der verfehlten Expansion, hohe Verluste publiziert.
Zweifelsohne würden die vom neuen Top Management eingeleiteten Restrukturierungsschritte zur Wiederherstellung der Profitabilität und Kapitalkraft in die richtige Richtung gehen, wie erste Umsetzungserfolge im ersten Halbjahr 2012 eindrücklich belegt hätten.
Trotz dem weiterhin von politischer und ökonomischer Unsicherheit geprägten Marktumfeld für Bankaktien sowie des daraus resultierenden Ertrags- und Margendrucks, tragen die Analysten von Sarasin Research den sichtbaren Fortschritten zur Wiedererlangung der nötigen Glaubwürdigkeit Rechnung und stufen die EFG International-Aktie auf "neutral" hoch. Dies auch im Hinblick auf die attraktive Bewertung, die weiteres Kurspotenzial eröffne, wenn die Umsetzungserfolge der Refokussierung Bestand hätten. Unter den Schweizer Vermögensverwaltern würden sie weiterhin Julius Bär (ISIN CH0102484968 / WKN A0YBDU) bevorzugen. (Analyse vom 02.08.2012) (06.08.2012/ac/a/a)
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