Suche
nach Kursen
 Aktien
 Fonds
 Zertifikate
 Optionsscheine
 Optionen & Futures
nach Artikeln
alle Artikel
nur Analysen
nur News
als Quelle
 
WKN/ISIN/Symbol/Name

Login Depot + Forum
 
Passwort vergessen?


   
Aktuelle Kursinformationen ()
Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
-   -   0 0 % /
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
-   -  
 
 
 

Celgene Position auflösen


14.12.2009
Heibel-Ticker

Berlin (aktiencheck.de AG) - Die Experten von "Heibel-Ticker" raten die Position in der Aktie von Celgene (ISIN US1510201049 / WKN 881244) aufzulösen.

Der Kurseinbruch von 5%, der Celgene am Donnerstagabend nachbörslich ereilt habe, spreche eine klare Sprache: Die Testergebnisse seien enttäuschend gewesen. Doch wie immer lohne der Blick ins Detail. Es werde zum Vorschein kommen, dass die Ergebnisse wie erwartet positiv gewesen seien, dass der Kurs jedoch dieses Ergebnis bereits vorweggenommen habe. Doch eins nach dem anderen.

Der Kurs habe am vergangenen Mittwochabend das Kursziel der Experten von 38 Euro erreicht. Zugegeben, dies habe bei sehr schwachem Umsatz stattgefunden und die Experten würden nicht davon ausgehen, dass Anleger ihre Position aufgelöst hätten. Leider. Auch die Experten hätten die Schlussnotierung nicht schnell genug für eine Verkaufsnachricht an Anleger nutzen können. Und wenn man ihren Rat befolge und keine limitierten Aufträge aufgebe, sondern die Limits lediglich auf Basis der Tagesschlusskurse überprüfe, dann hätte man frühestens am Donnerstag und somit schon nur noch zu 37,30 Euro verkaufen können.

Das von den Experten ausgegebene Kursziel sei also auf den Punkt kurz vor der wichtigen Hematologen-Konferenz in den USA erreicht worden. Auf der Konferenz habe Celgene am Donnerstagabend Ergebnisse zum seit zehn Monaten laufenden und noch nicht abgeschlossenen Test seines Medikaments Revlimid veröffentlicht. Die Ergebnisse seien eindeutig gewesen: Das Fortschreiten des behandelten Krebsgeschwürs könne durch Revlimid um 50% vermindert werden.

Doch Celgene habe auch schon einen Einblick in vorläufige Ergebnisse des noch laufenden Tests hinsichtlich der optimalen Anwendung von Revlimid gegeben. Und dabei habe sich gezeigt, dass die Behandlung mit Revlimid als kontinuierliche Maßnahme wie soeben gesagt, sehr wirkungsvoll sei. Allerdings bringe die akute Behandlung mit Revlimid gegenüber den bislang verfügbaren Medikamenten keine messbare Verbesserung. Sollten sich diese vorläufigen Daten im Laufe der nächsten acht Monate bestätigen, so würde dies bedeuten, dass man in den ersten ca. neun Monaten der Behandlungszeit auf Revlimid verzichten könne - erst danach und eben bei Patienten, die auf andere Medikamente nicht angesprochen hätten, komme der positive Effekt von Revlimid zum Tragen.

Aus der Sicht von Patienten sei das alles sehr schön: Es gebe ein neues Medikament, das bei besonders schweren Fällen helfe und man brauche diesen Hammer nicht schon von Anfang an zu nehmen. Die Aktionäre von Celgene würden jedoch noch etwas anders ticken: Für sie gelte natürlich, je mehr Revlimid eingesetzt werde, desto größter der Umsatz und Gewinn des Unternehmens. Das positive Testergebnis sei erwartet worden und der Kurs habe dies bereits vorweggenommen. Der Zusatz-Bonus, eine eventuell kontinuierliche Behandlung mit Revlimid, sei jedoch nach derzeitigem, vorläufigem Stand des Tests nicht unbedingt erforderlich.

Die Experten würden also den Ausverkauf um 5% als "Sell the good news" sehen, die guten, aber erwarteten Testergebnisse würden dazu genutzt, Gewinne einzustreichen, denn weiteres positives Überraschungspotenzial gebe es vorerst nicht.


Und das sei auch nicht weiter verwunderlich: Gegenüber den Wettbewerbern sei Celgene bereits sehr hoch bewertet. Mit einem KGV von 21 sei Celgene deutlich höher bewertet als Gilead (KGV 15), Genzyme (KGV 13,5) und Biogen Idec (KGV 11). Da habe Celgene geradezu in der Pflicht gestanden, eine weitere positive Überraschung parat zu haben.

Bei der Gelegenheit hätten die Experten noch einige Hintergründe zu Celgene erfahren, die sie Anlegern nicht vorenthalten möchten. 1986 sei das Unternehmen als Spin-off vom US-Chemie- und Pharmaunternehmen Celanese entstanden. 1998 habe Celgene die Erlaubnis gewonnen, den von Grünenthal vor 50 Jahren entwickelten Wirkstoff Thalomid zu verwenden. Grünenthal habe vor 50 Jahren Thalomid als Schlafmittel auf den Markt gebracht, zusätzlich sei es Schwangeren empfohlen worden, die über Übelkeit und Brechreiz geklagt hätten. Die dramatische Folge seien die Tausende von Kontergan-Kindern mit verstümmelten Extremitäten gewesen, die in den 60ern geboren worden seien.

Bis heute seien die Schadensersatzansprüche gegenüber Grünenthal nicht verstummt, das Unternehmen habe mehrfach Zahlungen geleistet, aber über die Angemessenheit der Höhe könne man sich natürlich bis in alle Ewigkeit weiter streiten.

Talomid sei folglich in den USA nicht zugelassen worden, dennoch sei ein Schwarzmarkt entstanden, das Medikament sei über verschiedene Kanäle dennoch in die USA eingeführt worden. In den Neunziger Jahren habe die US-FDA (Food and Drug Administration) beschlossen, dem Schwarzhandel ein Ende zu bereiten, indem das Medikament eben auch in den USA zugelassen werden sollte - natürlich nur unter strengsten Auflagen. Celgene habe die Lizenz zur Weiterentwicklung von Thalomid gewonnen, das Medikament sei schon bald als Lepra-Medikament zugelassen worden.

Nun sei Lepra in unsere Breiten nicht mehr so häufig und dennoch habe das Medikament reißenden Absatz gefunden: Ärzte hätten es ihren Krebspatienten verabreicht. So habe Celgene weiter geforscht und schließlich die Zulassung als Krebsmedikament gewonnen. Revlimid sei nun die Weiterentwicklung von Thalomid und solle für immer mehr Behandlungen Anwendung finden.

Sei es verwerflich, einen Wirkstoff, der schon so dramatische Folgen hervorgerufen habe wie die Kontergan-Kinder, weiter zu verwenden? Die Experten würden nein finden, denn der Fehler, der damals stattgefunden habe, sei die falsche Anwendung gewesen. Für den sensiblen Embryo im Körper einer Schwangeren habe das Medikament schlimme Folgen gehabt. Dies sei jedoch nicht zu vergleichen mit einem Krebskranken, der Krebszellen im eigenen Körper möglichst im Zaum halten wenn nicht gar loswerden möchte.

Die Spekulation der Experten, dass Celgene auf 38 Euro ansteigen werde und zwar immer dann, wenn Unsicherheit bei den zyklischen Aktien bestehe, sei aufgegangen. Der Ausverkauf um 5% sei in ihren Augen übertrieben. Dennoch würden sie kurzfristig keinen weiteren Katalysator mehr für weitere Kursanstiege bei Celgene sehen. Darüber hinaus würden die Experten auch in den nächsten Monaten eine weiter anziehende Konjunktur erwarten, was wiederum die Bedeutung von nicht-zyklischen Aktien wie Celgene vermindere.

Die Experten von "Heibel-Ticker" würden daher die Position in der Celgene-Aktie auflösen. Die 38 Euro würden sie kurzfristig wohl nicht mehr sehen, daher würden sie als Verkaufslimit 37 Euro setzen. Einen Stopp-Loss würden sie nunmehr bei 35 Euro vorsehen. (Ausgabe 48 vom 11.12.2009) (14.12.2009/ac/a/a)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.




Erweiterte Funktionen
Artikel drucken Artikel drucken
Weitere Analysen & News mehr
17.07.2015, Bank Vontobel Europe AG
Vontobel-Turbo-Optionsscheine auf Celgene - Investmentidee - Optionsscheineanalyse
07.02.2014, Société Générale
Neue SG-StayHigh-Optionsscheine mit Schwerpunkt Biotech- und Pharmaindustrie - Optionsscheinenews
 

Copyright 1998 - 2026 optionsscheinecheck.de, implementiert durch ARIVA.DE AG