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Karlie Group-Anleihe: Heimtierbedarf-Unternehmen will zu einem Global Player aufsteigen, Geschäftsführer-Interview


20.06.2013
aktiencheck.de

Bad Wünnenberg (www.aktiencheck.de) - Die Karlie Group GmbH entwickelt, produziert und vertreibt Produkte des Heimtierbedarfs. Das Produktsortiment umfasst rund 30.000 Einzelartikel, die über den eigenen Großhandel weltweit vertrieben werden.

Seit dem 18. Juni 2013 können private und institutionelle Investoren die Karlie Group-Anleihe (ISIN DE000A1TNG90/ WKN A1TNG9) zeichnen. Die Unternehmensanleihe bietet Anlegern über eine Laufzeit von fünf Jahren einen festen Zinssatz von 6,75% p. a. Die Zinszahlung erfolgt jährlich und erstmals am 25.06.2014. Das Emissionsvolumen umfasst bis zu 30 Millionen Euro mit einer anlegerfreundlichen Stückelung von 1.000 Euro.

aktiencheck.de führte das folgende Interview mit Dr. Angelika Westerwelle, Geschäftsführerin der Karlie Group GmbH.

aktiencheck.de: Sie agieren auf dem Markt für Heimtierbedarf. Dieser gilt als relativ konjunkturresistent und wachstumsstabil. Rechnen Sie auch künftig mit einer stabilen Marktentwicklung und wo sehen Sie die Stärken der Karlie Group gegenüber Wettbewerbern?

Dr. Angelika Westerwelle: Der weltweite Markt für Heimtierbedarf wächst seit Jahren stabil. Diese Entwicklung wird sich voraussichtlich fortsetzen. Gerade in den Emerging Markets besteht noch besonderes Potenzial. So hat es zum Beispiel Brasilien 2012 geschafft, im weltweiten Pet-Markt Japan zu überholen und nach den USA auf Platz 2 zu klettern. China befindet sich ebenfalls auf dem Vormarsch.

Zu unseren wesentlichen Stärken zählen unsere eigenen Produktionskapazitäten, die wir sukzessive ausbauen wollen. Mit dieser wichtigen Wertschöpfungsstufe integrieren wir auch entsprechende Margen. Darüber hinaus verfügen wir über eine besondere Design- und Produktentwicklungskompetenz, die sich in zahlreichen eigenen Neuentwicklungen und Innovationspreisen widerspiegelt. Auch unsere kulturelle Vielfalt innerhalt unserer Gruppe sehen wir als eine Stärke an, denn dadurch profitieren wir von einem besonderen Verständnis für lokale Kundenwünsche und nationale Besonderheiten, die in unserem Markt nicht zu unterschätzen sind. Das lässt sich ganz gut am englischen Markt verdeutlichen: In Europas größtem Pet-Markt werden nur englische Anbieter akzeptiert. Während viele Anbieter diese Besonderheit außer Acht gelassen haben und u. a. deswegen gescheitert sind, haben wir uns für eine Akquisition entschieden, um diesem lokalen Marktbedürfnis gerecht zu werden - mit Erfolg.

aktiencheck.de: Sie beliefern als Großhändler rund 15.000 B2B-Kunden weltweit. Welche Märkte sind diesbezüglich für Sie besonders wichtig und wie verhält es sich mit der Kundenstruktur? Gibt es wenige Groß- und viele Kleinabnehmer oder ist das Verhältnis in etwa ausgewogen?

Dr. Angelika Westerwelle: Unsere stärksten und wichtigsten Märkte sind unsere drei Heimatmärkte Deutschland, Belgien und England. Dort erzielen wir 33%, 25% bzw. 12% unserer Umsätze, und da haben wir bereits eine hervorragende MarktDr. Angelika Westerwelle.

Wir verfügen über eine große Kundenvielfalt, wodurch wir relativ unabhängig aufgestellt sind. Mit unserem größten Einzelkunden machen wir nur ungefähr 10% des Pro-Forma-Gruppenumsatzes. Unsere zehn größten Kunden kamen 2012 zusammen auf einen Anteil von nur knapp 30%.

aktiencheck.de: Ihr Sortiment umfasst etwa 30.000 Einzelartikel. Haben Sie dennoch die Lagerkosten im Griff bzw. wie haben Sie dieses Problem gelöst?

Dr. Angelika Westerwelle: Wir haben zwei zentrale Lager an unseren Firmensitzen in Deutschland (Bad Wünnenberg-Haaren) und in Belgien (Geel) mit über 50.000 Palettenplätzen. Um Spitzen abzudecken, greifen wir auf ein breites Netzwerk von Logistikdienstleistern zurück. Unser Sortiment soll kurzfristig von 30.000 auf unter 20.000 Einzelartikel gestrafft werden. Diese Sortimentsbereinigung wird in der Übergangsphase zwar einen Aufbau des Working Capitals mit sich bringen, aber auch schon kurzfristig zu deutlichen Einsparungen bei den Komplexitätskosten und Beschaffungskonditionen führen. Ab 2014 wollen wir eine deutliche Senkung des Working Capitals erreichen.

aktiencheck.de: Sie vertreiben Ihre Produkte sowohl unter Ihren eigenen Marken, bieten aber auch für Ihre Kunden ein "White Labeling" an. Welchen Anteil haben diese Bereiche jeweils bezogen auf den Umsatz und das Ergebnis?

Dr. Angelika Westerwelle: Unsere etablierten Eigenmarken sind und bleiben der Kern unseres Geschäftes. Durch die jüngste Fusion der Marken "Karlie" und "Flamingo" als Doppelmarke werden wir unsere Kunden weltweit mit einem gemeinsamen Sortiment noch vielseitiger bedienen können. Mit Handelsmarken erzielen wir aktuell ca. 10 % bis 15 % unseres Gesamtumsatzes. Ergebnisseitig verfügen wir bei allen Marken über eine solide Basis, auf der wir weiter aufbauen und wachsen können – nicht zuletzt durch den Ausbau unserer eigenen Produktion und durch Einkaufsvorteile für uns als Gruppe.

aktiencheck.de: Unter Ihrem Holdingdach befinden sich aktuell die Karlie Deutschland-Gruppe, die belgische Flamingo-Gruppe und das englische Unternehmen Sharples & Grant Ltd. Sind für die Zukunft weitere Zukäufe geplant und falls ja, wo sehen Sie besonders gute Wachstumsmöglichkeiten?

Dr. Angelika Westerwelle: Wir wollen ein chinesisches Produktionsunternehmen erwerben, mit dem wir schon seit Jahren erfolgreich und vertrauensvoll zusammenarbeiten und bereits umfangreiche Geschäftsprozesse aufgesetzt haben. Dafür soll auch ein Teil des Emissionserlöses verwendet werden.

Grundsätzlich liegt unser Fokus derzeit auf Europa - und zwar auf den Märkten, in denen wir auf einen eigenen Vertrieb umstellen wollen. Dort sehen wir für uns kurzfristig die größten Wachstumspotenziale.

aktiencheck.de: Können Sie uns einen kurzen Überblick über die Entwicklung der wichtigsten Finanzkennzahlen (Cashflow, Umsatz, operatives Ergebnis, EBITDA-Marge, Nettogewinn/-verlust etc.) der letzten Jahre geben?

Dr. Angelika Westerwelle: Da die Karlie-Gruppe in ihrer jetzigen Form erst zum 1. Januar 2013 entstand, gibt es keine testierten, vergleichbaren Konzernzahlen aus der Vergangenheit, sondern nur die testierten Abschlüsse der einzelnen Konzernfirmen. Wir haben deshalb unter Begleitung der Wirtschaftsprüfer einen Pro-Forma-Abschluss 2012 erstellt. Auf Basis dieses Pro-Forma-Abschlusses können wir auf ein operativ gutes Geschäftsjahr 2012 zurückblicken. Sowohl der Umsatz als auch der operative Ertrag entwickelten sich innerhalb unserer Erwartungen. So lag der Konzern-Umsatz 2012 bei 105,8 Mio. EUR - unter Berücksichtigung, dass Sharples & Grant erst ab Oktober 2012 zur Gruppe gekommen sind

Auf der Ertragsseite sind zahlreiche Einmaleffekte von insgesamt ca. 4,5 Mio. EUR zu berücksichtigen. Dazu zählen insbesondere Goodwill-Abschreibungen, Nebenkosten aus dem Zusammenschluss dreier Unternehmensgruppen sowie Abfindungen für ehemalige Geschäftsführer. Ohne diese Effekte hätten wir die positive Entwicklung der vergangenen Jahre fortgesetzt. Unsere aktuelle EBITDA-Marge liegt zwischen 6% und 7%. Unser mittelfristiges Ziel ist ein zweistelliger Wert, sobald alle Effizienzmaßnahmen greifen.


aktiencheck.de: Wie sehen Ihre Planzahlen für 2013 und darüber hinaus aus?

Dr. Angelika Westerwelle: Aus prospektrechtlichen Gründen können wir keine konkreten Planzahlen für 2013 nennen. Nur so viel: Wir wollen unsere EBITDA-Marge kurzfristig auf 8% steigern - mit Tendenz nach oben. Operativ planen wir, unsere eigene Produktion auszuweiten und in unseren Kernmärkten stabil und vor allem nachhaltig zu wachsen.

aktiencheck.de: Seit dem 18. Juni können Anleger die Karlie Group-Anleihe (ISIN DE000A1TNG90/ WKN A1TNG9) zeichnen. Warum sollten Anleger in Ihr Unternehmen investieren?

Dr. Angelika Westerwelle: Wir gehören in Deutschland und Europa zu den beiden führenden Anbietern im Markt für Heimtierbedarf. Dieser Markt zeichnete sich in der Vergangenheit durch stabile Wachstumsraten aus - nicht zuletzt aufgrund seiner Konjunkturunabhängigkeit. Durch die Zunahme des verfügbaren Einkommens in den Schwellenländern, die fortschreitende Singularisierung in den entwickelten Gesellschaften und die Globalisierung der Lebensstile wird sich das Wachstum auch in Zukunft fortsetzen. Von diesen nachhaltigen Trends werden wir profitieren.

Mit einem Kupon von 6,75% p. a. stellt unsere Anleihe ein aus unserer Sicht attraktives Investment dar, bei dem unser Chancen-Risiko-Profil angemessen berücksichtigt wird. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Emittenten haben wir kein Klumpenrisiko, und wir sind auch nicht von staatlichen Investitions- oder Konjunkturzyklen abhängig. Im Gegenteil: Wir sind sowohl regional als auch auf der Kundenseite sehr breit aufgestellt. Zudem verfügen wir über einen beachtlichen Cashflow und eine gute Eigenkapitalausstattung.

aktiencheck.de: Können Sie kurz erläutern, wie die Mittel aus der Anleiheemission verwendet werden sollen und warum ein Kupon von 6,75% für Sie eine attraktive Form der (Re)Finanzierung ist?

Dr. Angelika Westerwelle: Wir planen einen Mix aus Refinanzierung, Expansions-Finanzierung und operativen Investitionen. Zum einen wollen wir ein Bankdarlehen und einen Vendor Loan der Alteigentümer ablösen. Zum anderen planen wir, in China ein Produktionsunternehmen zu erwerben, mit dem wir schon langjährig erfolgreich und vertrauensvoll zusammenarbeiten. Darüber hinaus wollen wir unsere nationalen und internationalen Vertriebsaktivitäten ausbauen. Mit dem Kupon fühlen wir uns recht wohl. Wir sehen ihn als einen fairen Preis an, um unsere gesteckten Ziele zu erreichen.

aktiencheck.de: Wie sieht es mit der Besicherung des Bonds für die Investoren aus?

Dr. Angelika Westerwelle: Die Anleihe ist nicht besichert.

aktiencheck.de: Eine vollständige Zeichnung unterstellt, rechnen Sie in den kommenden Jahren mit weiterem Kapitalbedarf?

Dr. Angelika Westerwelle: Das wollen wir nicht ausschließen. Ein mögliches Szenario wäre eine besondere, größere Akquisitionsmöglichkeit, um über die schon jetzt geplanten Projekte hinaus weiter zu wachsen. In diesem Fall könnte es sich anbieten, den Kapitalmarkt erneut zu nutzen. Aber das ist alles noch Zukunftsmusik. Wir konzentrieren uns zunächst einmal voll und ganz auf die nächsten Schritte.

aktiencheck.de: Wie gedenken Sie, die Anleihe zurückzuführen?

Dr. Angelika Westerwelle: Wir planen eine vollständige Tilgung aus unserem operativen Cashflow.

aktiencheck.de: Gibt es ein Kreditrating für Ihr Unternehmen von einer unabhängigen Ratingagentur?

Dr. Angelika Westerwelle: Ja, es gibt ein Unternehmensrating von Scope, das im Mai 2013 erstellt wurde und BB lautet.

aktiencheck.de: Warum haben Sie sich für diese Form der Kapitalbeschaffung entschieden und ist eventuell auch ein Börsengang der Karlie Group GmbH ein Thema? Immerhin gibt es mit der Zooplus AG ein erfolgreiches Vorbild.

Dr. Angelika Westerwelle: Wir sehen die Anleihe neben dem Eigenkapital und Bankdarlehen als eine ideale Ergänzung zur nachhaltigen und unabhängigen Unternehmensfinanzierung – und als idealen 1. Schritt an den Kapitalmarkt. Ein Börsengang könnte wie bereits erwähnt ein Thema werden, falls wir durch zusätzliche, größere Akquisitionen wachsen könnten. Allerdings gibt es dafür keine konkreten Pläne.

aktiencheck.de: Wo sehen Sie die Karlie Group in fünf Jahren?

Dr. Angelika Westerwelle: Wenn es nach uns geht, wird sich die Karlie-Gruppe in wenigen Jahren zu einem wirklich global aufgestellten Unternehmen im Heimtiermarkt entwickelt haben, das in allen wichtigen internationalen Märkten eine wesentliche Rolle spielt.

aktiencheck.de: Vielen Dank für das Interview, Frau Dr. Westerwelle. (20.06.2013/ac/n/m)



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